Den Hausarzt neu denken

Vorarlberg / 22.11.2019 • 21:38 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wie geht es mit dem Hausarzt weiter? Diese Frage fordert Antworten. apa
Wie geht es mit dem Hausarzt weiter? Diese Frage fordert Antworten. apa

Ärztevertreter fordern bessere Rahmenbedingungen für Jungärzte.

Bregenz Die Fakten sind bekannt und alarmierend: In den kommenden vier Jahren erreichen 91 der knapp 170 in Vorarlberg praktizierenden Allgemeinmediziner das Pensionsalter und dürften sich dann wohl in den Ruhestand verabschieden. Es braucht also bald medizinischen Nachwuchs, um die Kassenstellen auch künftig besetzen zu können. Doch der ziert sich. Interesse wäre da, allerdings fühlen sich viele nicht sicher genug. Dazu kommen Bedenken wegen des wirtschaftlichen Risikos. Schon seit Längerem fordern Ärztevertreter deshalb eine Aufwertung der Ausbildung durch einen Facharzt für Allgemein- und Familienmedizin sowie mehr Zeit in Lehrpraxen. Die Ärztekammer Vorarlberg geht jetzt mit gutem Beispiel voran.

Seminarreihe als Anfang

Ab Anfang 2020 wird eine Seminarreihe von Allgemeinmedizinern für Allgemeinmediziner angeboten. Jungärzte bekommen dabei Lehrinhalte von erfahrenen Kollegen vermittelt. Ihnen stehen dafür sechs bezahlte Ausbildungstage pro Jahr zur Verfügung. „Der Generationswechsel eröffnet neue Chancen für die Allgemeinmedizin“, ist Ärztekammervizepräsident Burkhard Walla überzeugt. Die Zuständigkeit in der Ausbildungsfrage liege jedoch beim Land. Die Seminarreihe sieht er als guten Anfang. Matthias König hält es überdies für wichtig, die Bevölkerung für die Problematik eines drohenden Ärztemangels im niedergelassenen Bereich zu sensibilisieren. „Es geht schließlich um ihre Grundversorgung“, meint er. König hat vor zwei Jahren gemeinsam mit Hannes Künz in Bregenz eine Praxisgemeinschaft für Allgemeinmedizin eröffnet. Beide verfügen über volle Kassenverträge, sodass sie eine zeitlich umfassende Betreuung bieten können.

Bessere Ausbildung

Kooperationsmodelle dieser Art sehen auch Ärztevertreter als Notwendigkeit für eine zeitgemäße Allgemein- und Familienmedizin an. „Der klassische Hausarzt als Einzelkämpfer entspricht in vielen Fällen nicht mehr den Anforderungen der jungen Ärztegeneration“, sagt Hausärzte-Sprecher Markus Baldessari. Dies bringe nicht nur den Medizinern die Möglichkeit, Familie und Beruf zu verbinden, sondern den Patienten längere Öffnungszeiten und eine hochwertige flächendeckende Versorgung. Für Thomas Jungblut, Präsident der Vorarlberger Allgemein- und Familienmedizin (VGAM) ist es jetzt an der Zeit, die richtigen Maßnahmen und politischen Rahmenbedingungen zu setzen, um weiterhin eine funktionierende Hausarzt-Versorgung in allen Teilen des Landes zu gewährleisten. Dazu gehört nach Meinung von Ärztekammer und VGAM auch, dass das Fach Allgemein- und Familienmedizin in den Krankenhäusern des Landes eine deutliche Aufwertung erfährt. Es gelte, den Hausarzt insgesamt als Zukunftsmodell neu zu denken.

Oft begleitet ein Hausarzt seine Patienten über Jahrzehnte und Generationen. Diese umfassende Tätigkeit erfordert breites Wissen. Es ist der Blick auf das Ganze und die Eigenständig, das Matthias König an seinem Beruf fasziniert. Er bezeichnet ihn sogar als den schönsten Job der Welt. „Sehr herausfordernd, aber immer Interessant.“

Austausch und Vereinbarkeit

An der Ordinationsgemeinschaft schätzt er den Austausch mit seinem Kollegen, aber auch die dadurch gegebene bessere Vereinbarkeit mit der Familie. Ein Tag in der Woche gehört ganz seinen zwei kleinen Kindern. „Für mich passt es rundum. Ich habe die Entscheidung, Allgemeinmediziner zu werden, noch keine Sekunde bereut“, sagt Matthias König im Brustton der Überzeugung. VN-MM