„Es ist ein gutes Gefühl, helfen zu können“

Vorarlberg / 22.11.2019 • 18:07 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Russ-Preis-Träger Elmar Stüttler rief Tischlein deck dich 2005 ins Leben.
Russ-Preis-Träger Elmar Stüttler rief Tischlein deck dich 2005 ins Leben.

Tischlein deck dich versorgt Bedürftige mit Lebensmitteln.

Vandans Nach der Scheidung geriet Kathrin (42) mit ihren zwei kleinen Kindern in Not. „Wir lebten vom Kindergeld. Mein Ex-Mann zahlte keinen Unterhalt.“ Die Familie überlebte, weil die Mutter sich bei Tischlein deck dich mit Lebensmitteln eindeckte. „Dadurch habe ich mir sehr viel Geld erspart, im Monat 300 bis 400 Euro.“

Heute, mehr als zehn Jahre später, geht es Kathrin und ihrer Familie finanziell wieder besser. Dass ihr damals die Hilfseinrichtung von Russ-Preis-Träger Elmar Stüttler aus der Patsche und wieder auf die Füße half, hat sie bis heute nicht vergessen. Aus Dankbarkeit arbeitet sie heute ehrenamtlich für Tischlein deck dich. Sie verteilt mit vielen Gleichgesinnten Lebensmittel an Menschen, die darauf angewiesen sind: an Mindest- und Invaliditätsrenter(innen), an Alleinerzieher(innen), an (psychisch) kranke Menschen, an Großfamilien und an Flüchtlinge.

Kraftquelle Gebet

Es sind Menschen zwischen 16 und 90 Jahren, die an den fünf Ausgabestellen in Bludenz, Feldkirch, Götzis, Dornbirn und Bregenz mit einer Berechtigungskarte (die sie als bedürftig ausweist) um kostenlose Lebensmittel anstehen. Pro Woche versorgt Tischlein deck dich bis zu 2000 Menschen mit Essbarem. „Bis vor zwei Jahren stieg die Zahl der Bedürftigen jedes Jahr um bis zu zehn Prozent. Seither hat es sich ein bisschen beruhigt“, berichtet Elmar Stüttler.

Der damalige Diakon hat die Einrichtung nach Vorbild der Müncher Tafel im Jahr 2005 mit seiner Frau Margit ins Leben gerufen, weil er es als seine christliche Pflicht ansah, Menschen am Rande der Gesellschaft zu helfen. „Das war meine Motivation und ist sie heute noch. Es macht mir nach wie vor Freude. Denn es kommt viel Dankbarkeit zurück von den Menschen. Helfen zu können, ist ein gutes Gefühl“, sagt er. Und: „Ich mache es aus dem Glauben heraus.“ Das tägliche Gebet sei für ihn die Kraftquelle für den ganzen Tag. Sein Tag beginnt um 4.50 Uhr. „Dann bete ich ein bis zwei Stunden. Das gibt mir die Kraft, um alles zu meistern.“

Das Arbeitspensum des 67-Jährigen ist hoch. Pro Woche arbeitet er rund 60 Stunden. Inzwischen hat Tischlein deck dich eine Dimension angenommen, die selbst er nicht für möglich hielt und die weitum einzigartig ist. „Als wir 2005 begannen, haben wir ein paar Hundert Lebensmittel verteilt, die wir von ein paar Lebensmittelgeschäften bekommen haben. Mittlerweile erhalten wir in der Woche bis zu 40 Tonnen Lebensmittel von 180 Produzenten und Einzelhandelsgeschäften und -ketten.“

Auf Spenden angewiesen

Die Ware wird in mehreren (Kühl-)Räumen in Stüttlers Heimatgemeinde Vandans gelagert und dann mit Kühltransportern zu den Ausgabestellen gebracht. „Die Lebensmittel sind nicht schlecht und nur zum Teil abgelaufen. Die meisten sind weit weg vom Ablaufdatum und stammen aus einer Überproduktion.“ Überschüssige Ware wird an Sozialmärkte in Österreich verteilt. „Das sind jede Woche rund 10 Paletten Lebensmittel.“

Stüttler hängt mit Herzblut an seinem Lebenswerk. „Es ist eine sinnvolle Tätigkeit, die wir machen.“ Er ist stolz „auf unseren Verein, auf unsere zehn Mitarbeiter und 300 ehrenamtlichen Helfer“. Und er ist vor allem auch stolz auf die Vorarlberger Bevölkerung. „Es ist schön, dass die Menschen in Vorarlberg derart hinter uns stehen.“ Auf sie ist Tischlein deck dich angewiesen. Denn: „Wir finanzieren uns ausschließlich durch Spenden.“ Diese werden unter anderem für die Instandhaltung des Fuhrparks (zehn Kühltransporter, ein Lkw) gebraucht und für die Miete und Betriebskosten der Lagerräume. Stüttler hofft, „dass uns die Menschen auf Weihnachten hin unterstützen. Wenn jeder Vorarlberger einen Euro spenden würde, wäre unser Budget für nächstes Jahr gerettet.“ Sagt’s und verweist auf den Erlagschein, der dieser VN-Ausgabe beiliegt. Der Initiator von Tischlein deck dich würde sich aber auch über (gebrauchte) Waschmaschinen und Holz-Zusatzherde freuen. „Ich kenne einige Menschen, die solche Geräte dringend bräuchten.“

Kathrin ist müde geworden. Sie hat viele Lebensmittel an Bedürftige ausgegeben. Heute nimmt auch sie welche mit nach Hause. Denn: „Gegen Monatsende hin bin ich froh, wenn ich was einstecken darf.“ Stüttler lädt übrigens auch Menschen zum Mitarbeiten ein, die sich nicht als bedürftig outen wollen. „Sie können nach der Verteilung Lebensmittel mitnehmen.“ Er nimmt Anrufe diskret entgegen (Tel. 0699/14646515). VN-kum

Geduldig warten die Menschen darauf, dass ihnen Lebensmittel ausgehändigt werden. kum
Geduldig warten die Menschen darauf, dass ihnen Lebensmittel ausgehändigt werden. kum