Falsche Notfälle blockieren Rettung

Vorarlberg / 22.11.2019 • 22:39 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das Rote Kreuz Vorarlberg appeliert an die Bevölkerung, nur im wirklichen Notfall den Rettungsdienst zu rufen. rotes Kreuz
Das Rote Kreuz Vorarlberg appeliert an die Bevölkerung, nur im wirklichen Notfall den Rettungsdienst zu rufen. rotes Kreuz

Rotes Kreuz und Land Vorarlberg stellen Video zum Thema „Notwendige Reduzierung der Rettungsfahrten“ vor.

Bregenz Die stark steigenden Anforderungen überlasten das Rote Kreuz. In den letzten zehn Jahren gab es eine über 100-prozentige Steigerung bei den Einsätzen für den Rettungsdienst in Vorarlberg. „Waren es 2009 noch knapp über 15.000, zählte das Rote Kreuz letztes Jahr bereits über 38.900 Einsätze mit Rettungsfahrzeugen“, informiert Roland Gozzi, Geschäftsführer des Roten Kreuzes Vorarlberg.

Mangelnde Selbsthilfekompetenz

Die Steigerung der Einsatzzahlen findet jedoch nicht im Bereich der medizinischen Notfälle und Unfälle mit schweren Verletzungen statt, sondern vielmehr im Bereich der niederschwelligen medizinischen Probleme, bei denen eine gewisse Selbsthilfekompetenz gefordert wäre.

Manchmal liegt es auch an der Bequemlichkeit des Anrufers, selbstständig zum Hausarzt zu gehen, wie beispielsweise bei grippalen Infekten. „Vielfach sind es auch eigene Internetrecherchen, die den Patienten und Angehörigen Angst machen“, so Siegfried Marxgut, Leiter der Rettungs- und Feuerwehrleitstelle Vorarlbergs.

Diese leichtfertigen Anforderungen wirken sich in zwei Richtungen negativ aus: Erstens sind dann die Rettungsfahrzeuge oft mit nicht notwendigen Versorgungen belegt und stehen bei echten Notfällen nur zeitverzögert zur Verfügung. Zweitens reduzieren diese nicht notwendigen Einsätze die Ruhezeiten der Ehrenamtlichen im Nachtdienst. Das führt wiederum dazu, dass immer weniger Freiwillige während der Woche Nachtdienste versehen können, da sie ja morgens nach dem Dienst wieder ihrem eigentlichen Beruf nachgehen.

Gesundheitshotline 1450

Zu dieser Thematik haben das Rote Kreuz Vorarlberg und das Land Vorarlberg ein gemeinsames Informationsvideo produziert.

„Wir wollen damit das Bewusstsein in der Bevölkerung schaffen, zwischen echten Notfällen und Bagatelleinsätzen zu unterscheiden“, erklärt Gozzi. Bei jeder kleineren Verletzung oder jedem leichten körperlichen Unwohlsein kann sich der Anrufer rund um die Uhr, sieben Tage die Woche bei der vom Roten Kreuz Vorarlberg betriebenen Gesundheitshotline 1450 beraten lassen. Gemeinsam wird der richtige Weg in der Gesundheitsversorgung gefunden.

Auch aus Sicht des Landes sei es wichtig, dass die große Hilfsbereitschaft und Motivation der Einsatzkräfte nicht durch eine teilweise falsche Selbsteinschätzung der Anrufer leidet, sagt Landesrat Christian Gantner.

Die langfristige Finanzierbarkeit dieses erstklassigen Systems wäre erheblich gefährdet, wenn die ehrenamtliche Hilfsbereitschaft durch solche nicht unmittelbar dringlichen Einsätze zurückgehen würde.

Das neue Video ist seit gestern auf der Rotkreuz-Homepage unter www.roteskreuz.at/vorarlberg abrufbar.