Verspotten oder vertrauen

Vorarlberg / 22.11.2019 • 17:05 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Dr. Karoline Artner, Werk der Frohbotschaft Batschuns
Dr. Karoline Artner, Werk der Frohbotschaft Batschuns

Die Spannung zwischen Menschen, die sich Jesus zuwenden oder sich von ihm abwenden, liegt über der Szene in Lukas 23,35-43: der Gekreuzigte und die zwei Verbrecher, die mit ihm das Kreuzigungsschicksal teilen. Da stehen die distanziert Betrachtenden, sehen dem „Schauspiel“ zu und lassen sich innerlich nicht darauf ein. Auch die sogenannten führenden Männer in Jerusalem verspotten und verlachen Jesus. Wir lesen diese Bibelworte am sogenannten Christkönigsfest.

Königswürde

Jesus begegnet uns in diesem Bibelabschnitt aber nicht als siegreicher König im Triumphzug sondern als Geschundener an einen Pfahl genagelt. Ohnmacht, Spott und Erniedrigung statt Machtfülle, Herrlichkeit und Prunk. Trotzdem kann seine Würde durch Menschen nicht zerstört werden, weil sie nicht von Menschen gemacht ist. Das ist zugleich Botschaft an uns: Auch du bist mit königlicher Würde beschenkt, die du weder verdienen noch verlieren kannst. Diese Zusage kann tragen wenn wir schwach und verletzt sind, nicht respektiert oder ungerecht beurteilt werden.

Christkönig – ein zwiespältiges Fest

Der Umgang mit Macht in Gesellschaft und Kirche ist zwiespältig. So ist es zwiespältig, Christus als König zu feiern. Zum einen ist in diesem Bild die ideelle Entmachtung aller irdischen Herrscher durch den König am Kreuz enthalten, dessen Gebot der Gottes- und Menschenliebe alle menschlichen Fahneneide außer Kraft zu setzen vermag.

Zum anderen ist da aber auch immer für die Herrschenden dieser Welt die Möglichkeit, sich selbst als dem himmlischen König ähnlich, als ihm besonders nahe zu sehen und Gehorsam zu fordern. Und nicht immer gelingt es, zwischen Gott und den Präsident/innen und Ober/innen gut zu unterscheiden. Heutige Beispiele zeigen diese Schwierigkeit deutlich. Es ist der Missbrauch der Macht, der zu schaffen macht: die uneingestandene Macht, die mangelnde Transparenz, die verweigerte Kontrolle der Macht, der geheime Zwang und Druck.

Heute

Ein kleines Wort, das bei Lukas eine große Bedeutung hat und sich wie ein roter Faden durch das ganze Lukasevangelium zieht, ist das Wörtchen heute. So z.B. an Weihnachten: Heute ist euch der Retter geboren! Oder bei der Predigt in Nazareth: Heute ist dieses Schriftwort in Erfüllung gegangen! Hier: „Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein“. Jedes Mal will Lukas mit diesem Wort dazu auffordern, die Botschaft im Heute ankommen zu lassen.

Die Königsgestalt Jesu ist anders als die der herrschenden Mächtigen, die wir kennen. Er dient, statt sich bedienen zu lassen. Er lässt sich töten, statt Todesurteile anderer zu unterschreiben. Er vergibt, statt dagegen zu schlagen. Er hat eine tiefe Zuwendung zum (schuldig gewordenen) Menschen.

Angesichts von Kriegen, zunehmender Gewalt und Armut scheint es derzeit, als würde diese messianische Vision der Gerechtigkeit unter den Menschen, von der Würde aller und der Verantwortung für die Schwächeren wieder einmal schmerzlich scheitern – zum Spott all derer, die sich im herrschenden System Vorteile erhoffen, und unter den stummen Blicken Vieler, die sich manipulieren lassen.

Vertrauen

Einen König wie Jesus kann ich verspotten wie der mitgekreuzigte Verbrecher: „Wenn du ein König bist, dann hilf dir selbst!“ Oder ich kann ihn wie der andere im Vertrauen bitten: „Jesus denk an mich, wenn du in dein Reich kommst!“ Aber besonders kann ich im Vertrauen auf die Macht der sorgenden Achtsamkeit dem Beispiel Jesu folgen: mit königlicher Würde versöhnend, vergebend und vertrauend leben.

Personalangaben

(aus einem Gedicht von Jan Kurec: Spiegelungen, Wagner-Verlag, Linz):

(…) und gib nicht an mit

deiner Bildung, deinem

Besitz, deiner Kraft,

(…). Einem Menschen,

der von Ausgeborgtem lebt,

geziemt es bescheiden zu

sein. Wenn man dich fragt,

was und wer du werden wirst,

so verleugne deine Hoffnung

nicht und bekenne die Wahrheit:

„Durch Verheißung ein Erbe

von edelster Abstammung und

mit dem König blutsverwandt!“

Shutterstock

Shutterstock