Der Pflegeausbildung mehr Wege öffnen

Vorarlberg / 24.11.2019 • 19:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Auch in der Pflege steht eine Pensionierungswelle bevor. VN/LERCH

LR Martina Rüscher steht weiterhin zur Pflegelehre.

Bregenz Nicht nur die Gesundheit, auch die Pflegeausbildung hat Martina Rüscher in ihr Amt als Landesrätin mitgenommen. Es ist ein Feld, das sich im Umbruch befindet. An der Fachhochschule Vorarlberg wird die Akademisierung vorangetrieben, in den Gesundheits- und Krankenpflegeschulen dümpelt die neue zweijährige Ausbildung zur Pflegefachassistenz weiter dahin. „Ich muss mit der Struktur, wie sie ist, leben. Ich kann sie nicht ändern“, sagte Rüscher im VN-Interview. Gleichzeitig betont sie: „Wir müssen jeden Weg öffnen, um alle Menschen mitnehmen zu können, die sich in diesem Bereich ausbilden lassen wollen.“ Dazu gehört ihrer Ansicht nach auch die Pflegelehre. „Ich in zutiefst davon überzeugt, dass das Modell funktionieren kann. Mit einem guten Lehrplan würden wir das auf die Beine bringen.“

Geringe Akzeptanz

Die nach wie vor eher geringe Akzeptanz für die zweijährige Ausbildung zur Pflegefachassistenz führt die Gesundheitslandesrätin auf die noch angebotene Diplomausbildung zurück. Für deren Auslaufen wurde eine Übergangsfrist bis 2021 vereinbart. Da beginnt letztmalig die dreijährige Ausbildung in der bisherigen Form. „Da sagen sich natürlich viele, ich mache gleich die Diplomausbildung und kann dann gleich viel wie künftig ein Bachelor“, hat Martina Rüscher eine Erklärung parat. Nach dem Ende dieser Doppelgleisigkeit werde die Pflegefachassistenz neu durchstarten und an Stärke gewinnen.

Eine weitere Möglichkeit, der Pflege geschultes Personal zuzuführen, hat sich mit dem Start des Bachelorstudiengangs Gesundheits- und Krankenpflege im vergangenen Jahr aufgetan. Sogar von einem wichtigen Meilenstein in der Pflegelandschaft Vorarlbergs war die Rede. Rüscher: „Die Pflege hat Jahrzehnte dafür gekämpft, dass sie akademisiert wird.“ Die Notwendigkeit dazu wird aber selbst innerhalb der Berufsgruppe nach wie vor diskutiert, wie Studiengangsleiterin Barbara Harold berichtet. Persönlich steht sie dazu. Die Anforderungen im Pflegedienst würden immer komplexer und anspruchsvoller. Deshalb werde zukunftsorientiertes Wissen zunehmend wichtiger.

Befürchtungen zerstreuen

Allerdings muss Harold immer noch Befürchtungen zerstreuen, wonach Bachelor-Absolventen der Pflege verloren gehen könnten. „In Wien, wo der Studiengang seit 2008 läuft, gehen fast 80 Prozent der Teilnehmer in die Akutpflege. Der Großteil steigt innerhalb von drei Monaten in den Beruf ein, 44 Prozent sogar nach vier Wochen“, zitiert sie aus aktuellen Befragungen. Derzeit belegen rund 80 Frauen und Männer den Bachelorstudiengang. Im Wintersemester 2020/21 wird die Zahl der Plätze für Neueinsteiger auf 75 aufgestockt, ab 2021 auf 90. Insgesamt absolvieren die Studenten während der sechs Semester neun unterschiedliche Praktika in den Bereichen Langzeitpflege, Hauskrankenpflege, psychiatrische Pflege sowie Akutpflege. „Unser Auftrag ist es, für alle Bereiche auszubilden“, betont Barbara Harold. Die Vermittlung der Praxisstellen für die Studenten übernimmt die Schule. Um die Ausbildungsqualität sicherzustellen, wird zudem ein enger Kontakt zu den Praxisstellen gepflegt. Als wichtig bezeichnet Harold, die Bildungswege in der Pflege insgesamt offener zu gestalten. Mit dem Bachelor für Gesundheits- und Krankenpflege allein soll es nicht getan sein. Derzeit arbeitet sie an einem Curriculum für eine Masterausbildung für Pflegedienstleitungen. Speziell die Langzeitpflege hat laut Barbara Harold hier Bedarf.