Lio hatte es besonders eilig: Geburt im Auto

Vorarlberg / 25.11.2019 • 18:28 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Familie Fritz aus Warth ist seit knapp zwei Wochen zu viert. Sohn Lio kam am 13. November auf der Fahrt ins Spital zur Welt.  VN/Sams
Familie Fritz aus Warth ist seit knapp zwei Wochen zu viert. Sohn Lio kam am 13. November auf der Fahrt ins Spital zur Welt.  VN/Sams

Lio war überfällig. Als er endlich kam, überraschte er seine Eltern.

warth Belinda Fritz (31) träumte von einer Hausgeburt. Doch ihr Mann Mathias (37) war dagegen. Er wollte, dass seine Frau das zweite Kind sicher im Spital zur Welt bringt. Sohn Lio kam aber weder zu Hause noch im Krankenhaus zur Welt. Das Baby hätte am 8. November das Licht der Welt erblicken sollen. Am 13. November war es aber immer noch nicht da. „Wir fuhren an diesem Tag zur Kontrolle ins Spital Dornbirn. Ich sagte der Hebamme, dass ich im Bauch lediglich ein leichtes Ziehen spüre. Sie meinte, dass es noch keine Geburtswehen sind und schickte mich heim“, erinnert sich Belinda an den Tag, der es für Familie Fritz noch in sich haben sollte.

Das Ehepaar fuhr wieder nach Hause nach Warth. „Gegen 16.30 Uhr ging ich mit meinem knapp zweijährigen Sohn Noah spazieren. Dann haben wir zu Abend gegessen und Noah zu Bett gebracht. Das Ziehen in meinem Bauch war nach wie vor da. Aber es waren keine Schmerzen“, lässt Belinda die letzten Stunden vor der Geburt ihres Sohnes Lio Revue passieren. Dann gingen auch die Eltern zu Bett. An Schlaf war aber nicht zu denken. Denn: „Das Ziehen wurde stärker und regelmäßiger. Ich meinte zu meinem Mann: ,Wir müssen ins Spital fahren. Das Kind kommt in den nächsten Stunden.‘“

Gegen 23 Uhr fuhr das Paar von zu Hause los. „Es war eine sternenklare Nacht. Die Straße war eisig. Ich bat Mathias, langsam zu fahren. Doch er trat aufs Gaspedal.“ Während der Fahrt fiel dem Warther auf, dass Belinda immer schwerer atmete. „Weil ich nicht wusste, was passieren wird, fuhr ich immer schneller.“ Belinda, die trotz Wehen völlig ruhig blieb, beruhigte ihren Mann: „Es ist alles gut. Du musst nicht so rasen.“

Im Bregenzerwald bemerkte Mathias, dass die Wehen seiner Frau immer intensiver wurden. „Beim Kreisverkehr Bersbuch war mir klar, dass wir es nicht mehr ins Spital schaffen. Ich hoffte bloß, dass das Kind nicht am Bödele zur Welt kommt, wo weit und breit nix ist.“ Sein Puls schoss in die Höhe. „Er war gefühlt auf 300. Ich hatte große Angst um meine Frau und um mein Kind.“ Nach Schwarzenberg wählte der werdende Vater die Notrufnummer. „Schickt mir einen Rettungswagen und einen Notarzt. Meine Frau bekommt auf dem Beifahrersitz das Kind.“

„Es war eine richtige Sturzgeburt“

Und tatsächlich. Ausgerechnet am Bödele war es soweit. „Ich erlebte während der Fahrt eine richtige Sturzgeburt. Es fing an zu drücken, in fünf Sekunden von 0 auf 1000. Ich schnallte mich ab und griff zwischen meine Beine. Da merkte ich, dass der Kopf des Babys schon da war. Ich spürte, dass die Fruchtblase geplatzt war. Ich habe das Kind herausgezogen und auf meine Brust gelegt.“ Lio schrie nur ganz kurz. Aber dieser Schrei bedeutete für seinen Vater die Welt. „Als ich das Baby schreien hörte, ging es mir schon besser. Ich war erleichtert, dass es da war und atmete.“ Auch der Mutter fiel ein Stein vom Herzen, „als ich sah, dass es ein rosarotes Bilderbuch-Baby war“.

Der frischgebackene Vater fuhr zur Seite und stellte den Motor ab. „Meine Frau und ich schauten uns mit feuchten Augen an. Es war ein besonderer Moment.“ Belinda war überglücklich. Sie konnte es kaum fassen, „dass wir das Kind ganz allein gebären durften. Es war unbeschreiblich schön und ein Geschenk vom Leben.“

Ihr Herz ist noch immer voller Dankbarkeit. „Wir können uns glücklich schätzen, dass alles gut ausging. Eine Geburt ist etwas Natürliches. Aber es können immer Komplikationen auftreten. Bei uns hatten viele Schutzengel die Hände im Spiel.“ Dankbar sind die Eltern auch dem Ersthelfer, der nach fünf Minuten zur Stelle war. „Er beruhigte uns.“ Als die Rettung nach einer Viertelstunde eintraf, durfte Mathias die Nabelschnur durchtrennen, auch das ein Moment, den der Leiter der Skischule Warth nie vergessen wird. VN-kum