Bagger in Bürserberg im Einsatz

Vorarlberg / 26.11.2019 • 18:13 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Im betroffenen Gebiet handelt es sich um den Schesa-Murbruch (Bild). Jetzt sollen Bagger auffahren, um nach möglicherweise illegal vergrabenem Müll zu suchen.VN/PS
Im betroffenen Gebiet handelt es sich um den Schesa-Murbruch (Bild). Jetzt sollen Bagger auffahren, um nach möglicherweise illegal vergrabenem Müll zu suchen.VN/PS

BH Bludenz handelt nach anonymer Anzeige umgehend: Experten prüfen Vorwürfe bereits heute vor Ort.

Bürserberg Hinter den Kulissen herrscht reges Treiben. Eine anonyme Anzeige, wonach im Schesatobel in Bürserberg größere Mengen an Müll illegal entsorgt worden sein sollen, hat Landeskriminalpolizei und Bezirkshauptmannschaft Bludenz auf den Plan gerufen. Wie die VN exklusiv berichteten, sollen laut Anzeige eines Insiders zerhäckselte Medikamentenverpackungen, Spritzen und zerkleinertes, blaues Nylon ins Erdreich verbracht worden sein. Das Material, so steht es in der Anzeige, soll von der Firma Häusle stammen. Das Abfallentsorgungsunternehmen teilte auf Anfrage mit: „Wir haben erst heute aus den Medien von der Anzeige erfahren. Der Sachverhalt war uns bisher nicht bekannt und wird daher aktuell intern geprüft.“

Mit Nachdruck geprüft werden die anonymen Anschuldigungen, die offensichtlich auf Insiderwissen basieren, vom Landeskriminalamt in Bregenz. Ermittler haben ihre Arbeit bereits in der Früh aufgenommen. Der erste Weg führte sie zur Bezirkshauptmannschaft nach Bludenz, wo Informationen und Unterlagen zum Schesa-Murbruch im Zentrum der Erhebungen standen. Die detaillierte Ortsangabe in der anonymen Anzeige mit genauen Koordinaten rückt den größten Murbruch Europas in den Fokus. „Die Fläche ist so, wie sie in der Anzeige beschrieben ist, gut identifizierbar“, sagt Johannes Nöbl, Bezirkshauptmann in Bludenz. Seine Behörde hat umgehend ein Überprüfungsverfahren eingeleitet.

„Keine Deponie“

Für den Murbruch an der betreffenden Stelle wurde 2014/2015 ein Abschlussbetriebsplan bewilligt. „Im Bescheid ist klar definiert, was dort gemacht werden durfte und was nicht“, sagt Nöbl. Es handle sich jedenfalls um keine Deponie. Gefüllt hätten die Flächen ausschließlich mit Material werden dürfen, das vor Ort vorhanden war. Bereits morgen, Mittwoch, soll eine erste Prüfung stattfinden. Gemeinsam mit verschiedenen Experten will die Bezirkshauptmannschaft herausfinden, ob tatsächlich, wie behauptet, illegal Müll ins Erdreich verbracht wurde. „Dazu werden mit einer Baggerschaufel an verschiedenen Orten Schürfschlitze gegraben“, so der Bezirkshauptmann. Eingebunden in das Verfahren ist auch das Umweltinstitut des Landes. Auch dort wird der Verdachtsfall mit höchster Priorität behandelt, wie Christoph Scheffknecht den VN versichert.

Auf Gemeindegrund

Laut Fridolin Plaickner, Bürgermeister von Bürserberg, handelt es sich bei dem Gebiet um Gemeindegrund. Im Rahmen der Sicherung des Schesatobels war es vor fünf Jahren in diesem Bereich zur Einbringung von Material gekommen. „Das Gebiet war 2014 reif für die Alpe gemacht worden“, so Plaickner. Eine illegale Müllentsorgung im großen Stil hält der Bürgermeister für ausgeschlossen. „Es waren zu dieser Zeit ständig Experten von BH, der Wildbach sowie Geologen in diesem Gebiet vor Ort, in das man sonst so leicht nicht kommt. Das wäre sicher nicht unbemerkt geblieben“, ist Plaickner überzeugt, dass es sich, wenn überhaupt, nur um geringe Mengen handeln kann. „Es kann doch nicht sein, dass man fünf Jahre lang im ganzen Dorf nichts gemerkt hat und jetzt plötzlich große Mengen auffällig sind.“

Urteilsverkündung am Donnerstag

Auf das laufende Verfahren im Häusle-Prozess am Landesgericht hat die jüngste Anzeige keinen Einfluss. Die Urteilsverkündung findet wie geplant am Donnerstag statt. „Sollten sich in der Sache in Bürserberg neue, für das Verfahren relevante Ermittlungserkenntnisse ergeben, würde der Fall komplett neu aufgerollt“, sagt Norbert Stütler, Sprecher des Landesgerichts. Noch ist allerdings völlig unklar, ob es Zusammenhänge gibt. Grundsätzlich gilt für alle Beteiligten jedenfalls die Unschuldsvermutung.

„Die Fläche ist, wie sie in der Anzeige beschrieben wird, gut identifizierbar.“

Thementeam Michael Gasser, Joachim Schwald, Gerhard Sohm