„Jeder einzelne Bewohner ist mir wichtig“

Vorarlberg / 26.11.2019 • 16:56 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Tina Muther ist mit Leidenschaft und viel Empathie im Pflegebereich tätig. BI
Tina Muther ist mit Leidenschaft und viel Empathie im Pflegebereich tätig. BI

Tina Muther arbeitet auch in der Pension in der Pflege weiter.

Innerbraz Es war eigentlich ein Zufall, wie so vieles im Leben von Tina Muther, dass sie im Pflegebereich tätig wurde. „Ich bin in Deutschland geboren und kam nach meiner Lehre als Verkäuferin nach Vorarlberg. Zuerst habe ich hier im Gastgewerbe gearbeitet, das habe ich zwar auch gerne gemacht, aber ich wollte doch lieber eine kontinuierliche Tätigkeit. Im damaligen Altersheim Bludenz war eine Stelle als Stockmädchen frei und ich habe mich beworben. Meine Intention war, dies übergangsmäßig zu machen, da ich den Umgang mit älteren Menschen nicht gewohnt war. Anfangs hat mich die Arbeit auch ein wenig geekelt, ich hatte zum ersten Mal mit Körperausscheidungen von anderen Menschen zu tun. Aber dann hat mich auf einmal die Begeisterung für diesen Beruf gepackt – eine Faszination, gerade für den Altenpflegebereich, die mich seither nicht mehr losgelassen hat“, erklärt Tina Muther.

Schwiegereltern gepflegt

Es war auch das Gefühl, etwas bewirken zu können, das die engagierte junge Frau im Pflegebereich so ansprechend fand. Bis zu ihrer ersten Schwangerschaft blieb sie im Altersheim Bludenz. „Wir lebten mit den Schwiegereltern im gleichen Haus. Als diese pflegebedürftig wurden, habe ich sie bis zu ihrem Tod unterstützt. Das ging gleitend, irgendwann war ich für ihre Pflege zuständig“, erinnert sie sich. In dieser Zeit lernte sie Schwester Camilla kennen, die den Hilfsdienst MoHi gegründet hatte. Als diese sie fragte, ob sie beim MoHi mitarbeiten wolle, bedurfte es keiner langen Überlegung. Tina Muther sagte sofort zu: „Es war ein sehr abwechslungsreicher Bereich, wir hatten die unterschiedlichsten Klienten. Natürlich war die Arbeit auch sehr fordernd, ich habe jedoch sehr viel gelernt in dieser Zeit.“

Ihre Begeisterung für diesen Beruf führte dazu, dass sie ihre Praxiskenntnisse auch noch theoretisch untermauern wollte: „Ich habe mich für die einjährige Pflegehelfer-Ausbildung in der Krankenpflegeschule in Feldkirch entschieden. Nachdem ich zuvor nicht gerade ein Überflieger in der Schule war, war ich überrascht, wie gut es beim Lernen lief. Ich bin sehr glücklich, dass ich mich zu diesem Schritt entschlossen hatte. Denn er stellte einen Wendepunkt in meinem Leben dar.“ Die Ausbildung war recht aufwendig, hilfreich war aber sicherlich, dass die zweifache Mutter in dieser Zeit viel Unterstützung durch ihre Familie erfuhr. Die Mühen haben sich auf jeden Fall gelohnt, wie die engagierte Gesundheitsfachfrau betont.

Nach dem Abschluss bewarb sie sich im Haus Klostertal in Innerbraz. „Ich war sofort vom Haus begeistert. Es war relativ neu und die ganz spezielle, sehr heimelige Atmosphäre hat mich angesprochen.“ Für Muther war klar, dass sie hier arbeiten wolle. Die Arbeit im Team laufe hervorragend und mit ihrem Chef Dietmar Durig komme sie bestens aus. Mittlerweile arbeitet sie schon über zehn Jahre dort. „Eigentlich bin ich seit April in Pension. Aber ich arbeite sehr gern weiter, wenn auch reduziert. Ich liebe meine Arbeit sehr. Jeder einzelne Bewohner ist mir wichtig. Zu Menschen, die an Demenz erkrankt sind, habe ich einen ganz besonderen Zugang. Es braucht viel Feingefühl, das nicht einfach so erlernt werden kann. Auch der Umgang mit dem Sterben und dem Tod macht mir nichts aus. Es ist ein natürlicher Vorgang. Und mit der Sterbebegleitung und dem Ankleiden des Toten, den ich meistens lange gekannt habe, erweise ich ihm einen letzten, liebevollen Dienst. Das erfüllt mich mit Zufriedenheit.“ BI

Zur Person

TINA MUTHER

Geboren 26. März 1959

Familie verheiratet, zwei Kinder (Peter und Christina), ein Enkelkind (Antonia)

Hobbys malen, Musik, Dekoration, Bastelarbeiten, lesen, Gartenarbeit, kochen und backen, scrabbeln