Neuerliche Anzeige in der Causa Häusle

Vorarlberg / 26.11.2019 • 06:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Polizei in Bludenz liegt eine anonyme Anzeige vor. Ein Insider beschreibt, wie im Schesatobel illegal Müll entsorgt worden sein soll. V-Atlas

Abfallentsorger soll im Schesatobel in Bürserberg zerhäckselten Sondermüll vergraben haben.

Bürserberg Der Anruf erreichte die Polizeiinspektion Bludenz gestern am frühen Nachmittag. Was der diensthabende Beamte zu hören bekam, dürfte die Behörden in den nächsten Tagen auf Trab halten. Die Vorwürfe jedenfalls wiegen schwer. Demnach sollen im Schesatobel in Bürserberg größere Mengen Müll vergraben worden sein. Dem Abfallentsorger Häusle, der seit März 2016 im Fokus eines einzigartigen Müllskandals steht, wird vorgeworfen, auch außerhalb des eigenen Betriebsareals illegal Abfallstoffe entsorgt zu haben. Bestätigen sich die Angaben, weitet sich die Causa Häusle damit auf weitere Gebiete des Landes aus.

Während in Feldkirch acht Angeklagte am kommenden Donnerstag auf das Urteil im Prozess um illegal entsorgten Müll warten, dürfte die neuerliche anonyme Anzeige zu weiteren Untersuchungen führen. Die protokollierten Angaben des „Insiders“ könnten das Umweltinstitut auf den Plan rufen. Detailliert wird beschrieben, was sich auf dem abgelegenen Gelände zugetragen hat. Mit einem Bagger sollen angelieferte Abfälle ins Erdreich verbracht worden sein. Beim „Häuslemüll“ habe es sich laut Anzeige um zerhäckselte Medikamentenverpackungen, Spritzen und zerkleinertes, blaues Nylon gehandelt.

Koordinaten bekannt

Die Angaben in der Strafanzeige lassen den Schluss zu, dass es sich beim Informanten um eine mit den Vorgängen vertraute Person handeln könnte. Jedenfalls liegen dem Polizeiposten Bludenz, wie die VN in Erfahrung bringen konnten, auch die Koordinaten jenes Ortes im Schesatobel vor, an dem der illegal entsorgte Müll vermutet wird.

Die neuen Entwicklungen sind erst wenige Stunden alt. Die anonyme Anzeige wird von Bludenz an das Landeskriminalamt in Bregenz übermittelt. Das bereits vorinformierte Umweltinstitut kann erst mit einem Auftrag entsprechende Untersuchungen vornehmen. Ob wieder Bagger auffahren, um nach dem illegalen Müll zu suchen, ist derzeit freilich noch offen.

Passant hat Fall ins Rollen gebracht

Auch im März 2016 war eine anonyme Anzeige Auslöser von Untersuchungen. Ein Passant hatte den Fall des bislang größten Umweltskandals des Landes ins Rollen gebracht. Er entdeckte den Müll unter der Erde, meldete dies der Abteilung für Abfallwirtschaft der Landesregierung. Eine erste Kontrolle blieb damals erfolglos. Weitere Fotodokumente und eine unangekündigte Überprüfung überführten die Müllsünder schließlich.

Die Staatsanwaltschaft leitete ein Verfahren ein, das drei Jahre dauern sollte und acht Verdächtige auf die Anklagebank brachte. Zwischen 15.000 und 20.000 Tonnen an Altstoffen – Plastikteilchen von Gärresten, verschiedene Hartstoffe – wurden auf dem Firmengelände illegal verbracht. Die Staatsanwaltschaft wirft den Beschuldigten Vergehen gegen das Abfallwirtschaftsgesetz, das Umweltgesetz und der Abgabenhinterziehung vor. Der Prozess ist auf der Zielgeraden. Für Donnerstag werden die Urteile erwartet. Ob die neuerliche Anzeige in Verbindung mit den aktuellen Vorwürfen steht, können erst weitere Untersuchungen zeigen.

Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.