Ronja (10) kämpfte vergeblich um ihr Leben

Vorarlberg / 27.11.2019 • 08:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ronja mit ihren Eltern Michaela und Stefan Haid und ihrem Bruder Felix. ARCHIV

Ronja Haid wurde nur zehn Jahre alt. Sie erlag einem Krebsleiden.

Fußach Am 19. Oktober schlief sie zuhause, an der Seite ihrer Eltern, für immer ein. Ronja wollte nicht sterben. Sie wollte leben und bei Mama und Papa, bei ihrem Bruder Felix und bei ihren Haustieren bleiben. Deshalb kämpfte sie wie eine Löwin um ihr Leben. Zwei Tage vor ihrem Tod ergab sie sich ihrem Schicksal. „Roni, du musst nicht mehr kämpfen und leiden. Du kannst gehen. Wir passen auf deine Tiere auf“, flüsterte die Mutter ihrer sterbenskranken Tochter zu. Ab da war ihr Kampfgeist weg und mit ihm der Glanz in ihren Augen.

Anschmiegsam und wild

In ihren letzten Stunden wich ihr Kiona, ihr Lieblingshund, nicht mehr von der Seite. Die beiden hatten eine besondere Beziehung zueinander. Die Eltern glauben zu wissen, warum sich die beiden so liebten: „Sie waren vom Wesen her gleich: anschmiegsam, aber auch wild.“ Ronja fegte wie ein Wirbelwind durch ihr kurzes Leben. Ungestüm und mit überspringender Lebensfreude rannte sie – oft mit ihren Freunden – durch die Gegend und kletterte auf Bäume. Das lebhafte Mädchen tobte sich beim Reiten, Turnen, Fußballspielen, Skifahren und Badminton aus.

Ronja war ein bildhübsches Mädchen, das sich gerne schön kleidete.

Es verlor seine Lebensfreude auch nicht, als bei ihm 2016 eine Krebserkrankung diagnostiziert wurde. „Ich weiß genau, ich werde wieder gesund.“ Mit diesen Worten nahm das Volksschulkind den Kampf auf. Ronja hielt mit ihrem Temperament die Kinderonkologie auf Trab. Überall, wo etwas los war auf der Station, war Ronja mit dabei, egal ob beim Kochen, beim Malen oder Musizieren. Selbst während der Chemotherapie bretterte sie mit ihrem Scooter durch die Gänge, Mama Michaela (41), Papa Stefan (43) oder Bruder Felix (12) liefen mit einem Infusionsständer hinterher. „Roni war immer gut gelaunt. Sie machte das Beste aus jeder Situation und hat nie gejammert.“ Das forderte den Eltern, und nicht nur ihnen, Respekt ab.

Ronja wusste, dass es um viel ging, um nichts weniger als ihr Leben. Während ihrer ersten Therapie fragte sie ihren Vater: „Papa, gibt’s im Himmel auch Kinder?“ Dieser antwortete: „Mit Sicherheit, mein Schatz.“ Als ein Bub starb, mit dem sie sich im Spital angefreundet hatte, sagte sie zu ihren Eltern: „Der liebe Gott wollte, dass Jonas bei ihm ist.“

Ronja war ein Wildfang. Sie kletterte oft und gerne auf Bäume.

Im Mai 2018 wurde Ronja gesund aus dem Spital entlassen. Ein Jahr später kam der Krebs zurück. Man entdeckte in ihrem Kopf Metastasen. „Sterbe ich jetzt wie Jonas?“, fragte sie ihre Eltern. Diese machten ihr nichts vor. „Wir können dir nicht versprechen, dass du nicht stirbst. Aber wir können kämpfen.“ Nachdem Ronja den ersten Schock verdaut hatte, sagte sie am nächsten Morgen zu ihrer Familie: „Was macht ihr für ein Gesicht? Wir haben das einmal geschafft, das schaffen wir wieder.“

Ihre Eltern taten nun erneut alles, um ihrem tapferen Mädchen das Leben so angenehm wie möglich zu machen. Vater Stefan bereitete Ronja laufend ihr Lieblingsessen zu: Pfannkuchen, Käsefondue und Raclette. Mutter Michaela sorgte dafür, dass ihre Tochter in einem Himmelbett schlafen konnte. „Sie fand das Bett total cool. Unser Mädchen war nicht nur ein Wildfang, sondern auch eine Prinzessin.“ Ronja kleidete sich gerne schön. Zu besonderen Anlässen zog sie sich am liebsten pinkfarbene Kleider an. In einem solchen schickten die Eltern sie auch auf ihren letzten Weg.

Ronja mit ihrem Lieblingshund Kiona.

Kiona, Ronjas Lieblingshund, suchte nach ihrem Tod noch lange nach ihr. So sehr vermisste er sie. Er muss gespürt haben, wie sehr ihn Ronja liebte. Ihre Tierliebe machte sich schon im Kleinkindalter bemerkbar. Die Eltern verraten, dass ihre Kleine in der Spielgruppe sogar einmal einen Regenwurm küsste. „Auch später, als Roni älter war, hätte sie am liebsten alle Tiere abgeknutscht.“ Zwei Wochen vor ihrem Tod ließ sie Mama und Papa wissen: „Wenn ich groß bin, gehe ich nach Afrika zu den Löwen.“