Die wechselvolle Geschichte der Kirche im Dornbirner Oberdorf

Vorarlberg / 28.11.2019 • 11:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Kreuzwegstationen an der Wand stammen aus dem 19. Jahrhundert. BET

Schon die Grafen von Hohenems unterhielten eine Kapelle im Oberdorf.

dornbirn Majestätisch erhebt sich am Fuße des Zanzenberges die in den Jahren 1826/27 im neubarocken Stil erbaute Pfarrkirche St. Sebastian. Für den prachtvollen Sakralbau diente die Kirche im schweizerischen Balgach als Vorbild. Das 1828 von Bischof Bernhard Galura geweihte Gotteshaus mit seinem gefälligen Zwiebelturm an der Nordseite des Chors überragt den ganzen Bezirk.

Der Hochaltar mit den Statuen des hl. Rochus und des hl. Jodok.
Der Hochaltar mit den Statuen des hl. Rochus und des hl. Jodok.

Das begüterte Herrscherhaus der Grafen von Hohenems ließ unter den Brüdern Hanns und Jakob von Ems 1467 eine Kapelle errichten, die im Jahr 1468 zu Ehren des hl. Sebastian geweiht wurde. Sie stand in der Nähe der heutigen Pfarrkirche und des Oberdorfer Turms. Diese Kapelle wurde von 1471 bis 1771 vom jeweiligen Hohen­emser Hofkaplan seelsorgerisch betreut, wobei die Kaplanei im Jahr 1471 gestiftet wurde. Pfarramtlich gehörte das Oberdorf zur Stadtpfarrkirche St. Martin und wurde 1785 Expositur. 1875 erfolgte eine erste Renovierung des Innenraums, 1897/98 eine weitere. 1914/15 wurde die Kirche Richtung Westen um zehn Meter verlängert und 1927/28 nochmals renoviert und ausgebaut. Dabei wurden auch die neuen, noch heute sichtbaren Deckengemälde geschaffen. 1952 wurde eine zweistöckige Sakristei erbaut und 1966 die Kanzel entfernt, neue Fenster eingebaut sowie der Turm und die Außenfassade repariert. In den Jahren 2011 bis 2013 wurde die Kirche erneut umfassend renoviert. Wertvolle Beiträge leistete der Bildhauer Herbert Albrecht aus Wolfurt durch den von ihm geschaffenen Volksaltar und den Ambo.

Innenausstattung

Im Laufe der Jahrzehnte wurde der Innenraum mehrfach umgestaltet. Der ursprünglich üppige neubarocke Wandschmuck wurde immer weiter reduziert. Die drei Altäre aus schwarzem Stuckmarmor mit Säulen und Pilastern schuf um 1826 der Stuckator Kaspar Meusburger. Das Bild am Hochaltar, „Die Kreuzigung Christi“ mit Maria und Johannes aus dem Jahre 1830, malte Gebhard Flatz aus Wolfurt. Das Oberbild des Hochaltars zeigt das Martyrium des Kirchenpatrons St. Sebastian, der wie überall, so auch in Dornbirn, als Pestpatron angerufen wurde. Den Hauptaltar flankieren zwei Statuen etwa aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, die des Hl. Rochus (links) und des hl. Jodok. Die Seitenaltarblätter – links zeigt im Hauptbild Maria Verkündigung und im Oberbild den hl. Franz Xaver, rechts im Hauptbild die Anbetung der Könige und im Oberbild den Hl. Nepomuk – sind Werke von Josef Keller aus Pfronten im Allgäu. Dessen Deckenbilder wurden 1928 durch den Maler Hans Purin aus Bregenz durch neue, dem Kirchenpatron entsprechende Darstellungen ersetzt: Kommunion in den Katakomben, Laurentius und die Armen, Sebastian vor Kaiser Diokletian, die Märtyrerinnen Agnes und Cäcilia. Die Kreuzwegstationen sowie der Großteil der um das Jahr 1900 gefertigten Statuen stammen von der Mayer’schen Königlichen Hof-Kunstanstalt in München.

Die Pfarrkirche St. Sebastian ist gebauter Glaube. Sie ist eine schlichte Kirche ohne große oder auffällige Kunstgegenstände. Trotzdem lassen sich dort viele Symbole, Figuren und Gegenstände entdecken, die sich von denen anderer Kirchen unterscheiden. bet