FFF: „Sehen uns als Sprachrohr der Wissenschaft“

Vorarlberg / 28.11.2019 • 10:05 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Dass sie nur streiken, um Schule zu schwänzen, möchte sie die Vorarlberger Friday-For-Future-Gruppe nicht vorwerden lassen. VN/STEURER

Vierter globaler Klimastreik am morgigen Black Friday. In Vorarlberg und Wien gilt der Streik wieder als schulbezogenene Veranstaltung.

Schwarzach, Bregenz Was mit dem Streik eines 15-jährigen Mädchens gegen die Klimapolitik ihres Heimatlandes ganz klein begann, entwickelte sich in den vergangenen 15 Monaten zu einer globalen Bewegung. Unter dem Namen Fridays for Future (FFF) agieren weltweit Tausende junge Menschen gegen Klimasünden, die auf unserem Planeten passieren und nachfolgenden Generationen eine stark beschädigte Welt zu hinterlassen drohen.

Auch in Vorarlberg formierte sich vor einem Dreivierteljahr eine FFF-Bewegung. „Ich bin unglaublich stolz, was wir in den vergangenen Monaten auf die Beine stellen konnten. Insgesamt konnten wir 6000 Leute auf die Straße bringen“, sagt Aaron Wölfling, Sprecher der Vorarlberger Gruppe, und betont gleichzeitig: „Wir sind noch lange nicht zufrieden. Es sind nur kleine Schritte, und für das haben wir keine Zeit mehr. Wir müssen in die richtige Richtung rennen.“ Seitens der Politik passiere für die Jugendlichen zu wenig, um die Forderungen der Bewegung, nämlich die globale Erwärmung auf maximal 1,5 Grad zu begrenzen, umzusetzen. So viel sei notwendig, damit bis 2050 weltweit keine Treib-
hausgase mehr ausgestoßen werden, warnt der Weltklimarat IPCC. Der 18-jährige Dornbirner war neben Alexandra Seybal eines der Gründungsmitglieder der Friday-for-Future-Gruppe in Vorarlberg im Februar 2019.

4000 nahmen beim dritten globalen Klimastreik in Bregenz teil. VN/Steurer
4000 nahmen beim dritten globalen Klimastreik in Bregenz teil. VN/Steurer

Seitdem hat sich mit dem Ibiza-Skandal und den insgesamt drei Wahlen auch politisch einiges getan. Ob er glaubt, dass die Grünen auch dank Fridays for Future die Wahlerfolge bei EU-, Nationalrats- und Landtagswahl verzeichnen konnten? „Wir sind eine überparteiliche Bewegung, aber ich denke schon, dass das Umweltthema ein wesentlicher Faktor bei den Wahlen war. Wir sehen uns dabei allerdings als Sprachrohr der Wissenschaft, die Erkenntnisse der Klimakrise schon seit Jahren kundtut.“ Mit Fridays for Future kam die Problematik, die umfassende Maßnahmen erfordere, noch mehr ins breite Bild der Öffentlichkeit.

„Wir haben keine Zeit mehr. Wir müssen in die richtige Richtung rennen.“

Aaron Wölfling, FFF Vorarlberg

Doch das jugendliche Engagement stößt auch oftmals auf Kritik: Die Schüler würden nur protestieren, um der Schule fernbleiben zu können, lautet ein oft gehörter Vorwurf. Dabei werde verkannt, dass viele der Aktionen in der Freizeit der Schülerinnen und Schüler, auch abseits des medialen Rummels stattfinden. So fand etwa der 24-Stunden-Streik vor dem Landhaus im September dieses Jahres an einem Samstag statt. Es hätten auch verschiedenste Aktionen in den Ferien stattgefunden, zum Beispiel wurden mit einem Waldexperten Bäume gepflanzt. „Der Vorwurf des Schulschwänzens ist ein Totschlagargument, das komplett von Inhalten ablenkt“, findet der 18-jährige Dornbirner.

Morgen, Freitag, ruft die Umweltbewegung zum vierten Klimastreik in Vorarlberg auf. Um 10.30 Uhr wollen sich die Aktivistinnen und Aktivisten beim Bregenzer Bahnhof versammeln, um gemeinsam wieder vor das Landhaus zu marschieren. Das Motto an diesem „Black Friday“: „Raus aus Fossilen, rein in die Zukunft!“ Wie bereits bei dem letzten Großstreik im September wird auch dieser in Vorarlberg als schulbezogene Veranstaltung behandelt werden.