Kein Kind muss Stadt verlassen

Vorarlberg / 28.11.2019 • 19:54 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Tage des Pädagogischen Förderzentrums sind gezählt. Es könnte aber noch über die oft genannten vier Jahre hinaus bestehen. VN/Schweigkofler
Die Tage des Pädagogischen Förderzentrums sind gezählt. Es könnte aber noch über die oft genannten vier Jahre hinaus bestehen. VN/Schweigkofler

In Feldkirch tut sich was in Sachen PFZ. Die Volksschule Altenstadt spielt dabei eine Rolle.

Gernot Schweigkofler

Feldkirch In Feldkirch vergeht aktuell kaum ein Tag, an dem nicht neue Gerüchte über die weitere Entwicklung des Pädagogischen Förderzentrums entstehen. Im Herbst ist bekannt geworden, dass in der neu zu errichtenden Volksschule Altenstadt das Pädagogische Förderzentrum nicht untergebracht werden soll. Von der Bildungsdirektion wurde vielmehr angeregt, dieses aufzulassen und verstärkt inklusive Zugänge zu schaffen. Die Kinder sollen also verstärkt Regelschulen besuchen. Die Diskussion wird erbittert und mit viel Emotionen geführt. Immerhin geht es ja auch um besonders schutzbedürftige Kinder, und viele der Eltern der Schüler haben es mit ihren Kindern zuerst in der Regelschule versucht. Für sie gibt es keine Alternative zur Sonderschule.

Es gibt aber auch Entwicklungen, die durchaus beachtenswert sind. Diese Woche wurde etwa im Bildungsausschuss darüber diskutiert, wie der neue Grundsatzbeschluss für die VS Altenstadt ausschauen könnte. Ein Einbeziehen des Pädagogischen Förderzentrums, wie im bestehenden Beschluss von 2016, soll hier nicht mehr dabei sein. Aber der neuen Volksschule Altenstadt soll trotzdem eine wichtige Rolle zufallen. Denn in der Schule sollen „zwölf bis 14 Kinder“ mit besonderem Betreuungsbedarf unterrichtet werden. Das entspreche fast dem aktuellen Bedarf des PFZ in der Primarstufe, erklärt Vizebürgermeisterin Gudrun Petz-Bechter (VP) gegenüber den VN. Die Schule werde mehr Klassenräume erhalten als das bisher üblich sei. Man werde mit einer „stabilen Dreizügigkeit“ – also drei Klassen pro Jahrgang – agieren: Dabei wird auf Inklusion gesetzt, und es würden ausreichend Möglichkeiten für Kleingruppen geschaffen. Zudem werden an allen Schulen Feldkirchs die Rahmenbedingungen geschaffen, um inklusiv unterrichten zu können. Ziel sei es, dass möglichst viele Kinder mit Behinderungen mittelfristig in ihrem Ortsteil die Schule besuchen können. Petz-Bechter spricht ein Versprechen aus, das eine zentrale Forderung vieler Eltern beinhaltet: „Jedes Kind wird einen geeigneten Schulplatz in Feldkirch vorfinden.“ Eine Einschränkung gibt es dabei: Wer auf einen Sonderschulplatz besteht, wird diesen mittelfristig in Feldkirch nicht mehr vorfinden.

Mehr als vier Jahre

Für den Vorschlag dürfte Petz-Bechter auch eine Mehrheit in der Stadtvertretung vorfinden. Die Grünen haben signalisiert, dass sie einen derartigen Beschluss (also mit Schaffung inklusiver Settings) mittragen würden. Die Neos wollen noch im Club diskutieren, kritisieren aber, dass von VP-Seite zu wenig Gesprächsbereitschaft herrsche. Brigitte Baschny (SP) ist der Meinung, dass es Zeit sei, einen Baubeschluss „mit dem dort möglichen sonderpädagogischen Angebot“ für die VS Altenstadt zu fällen. Eindeutig für den Erhalt der Sonderschule sprechen sich die Feldkircher Freiheitlichen aus. Sie wollen am alten Grundsatzbeschluss festhalten. „Es braucht beide Angebote für unsere Kinder, sowohl die Möglichkeit zur Inklusion als auch die Möglichkeit zum Besuch einer Sonderschule“, stellen die Freiheitlichen klar. Im Vorfeld der letzten Stadtvertretungssitzung sei von Petz-Bechter ein falsches Bild der Stimmungslage der Eltern gezeichnet worden, das Vertrauen sei hier erschüttert, üben sie zudem scharfe Kritik. 

Es könnte jedenfalls mehr als vier Jahre bis zur Schließung des PFZ dauern. Denn erst müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein, wie Christian Kompatscher von der Bildungsdirektion betont. So etwa eine Lösung für die Berufsvorbereitungsklassen, die ins Poly Feldkirch wandern sollen. Das jetzige Schulgebäude platzt aus allen Nähten, vom Neubau ist man weit entfernt. Oder genügend Räumlichkeiten an den Mittelschulen. „Die Übergangslösung ist das PFZ“, betont Kompatscher. Solange nicht alle Voraussetzungen erfüllt seien, werde die Bildungsdirektion einem Schließungsantrag nicht zustimmen.

„Jedes Feldkircher Kind wird einen geeigneten Schulplatz in Feldkirch vorfinden. “