Trotz Hundewetter: Klimademo mit 1500 Menschen in Bregenz

Vorarlberg / 29.11.2019 • 18:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Vorarlberger Bildungsdirektion hatte den Streik zur schulbezogenen Veranstaltung erklärt.  Fotos: VN/Stiplovsek
Die Vorarlberger Bildungsdirektion hatte den Streik zur schulbezogenen Veranstaltung erklärt. Fotos: VN/Stiplovsek

1500 Teilnehmer beim vierten globalen Klimastreik in Bregenz am heutigen Black Friday.

Bregenz Man könnte eine Uhr danach richten: Findet in Vorarlberg, wie im vergangenen Jahr sehr häufig, eine Demonstration oder ein Streik statt, zeigt sich Petrus gnadenlos. So auch beim vierten globalen Klimastreik der Fridays-for-Future-Bewegung am Freitag. Mit dabei auch die beiden Schüler Niklas Germann (14) und Andrea Felder (15), die mit Müllsack und Greifzange bewaffnet waren. Damit wollen sie Kritikern zuvorkommen, die sich über vermüllte Straßen nach den Demos beschweren. „Wir sind optimistisch, dass trotz des Regens wieder zahlreiche Schüler kommen werden.“ Gekommen sind am Freitag laut Polizei 1500 Personen. Die Teilnehmerzahl (4000) des September-Streiks wurde damit allerdings nicht erreicht.

Den Vorwurf, dass nach den Demos Müll auf den Straßen bleibt, wollten sich die Fridays-for-Future-Mitglieder nicht gefallen lassen.
Den Vorwurf, dass nach den Demos Müll auf den Straßen bleibt, wollten sich die Fridays-for-Future-Mitglieder nicht gefallen lassen.

Zum ersten Mal dabei sind Wolfgang Kathan und Irmgard Jacq. Die beiden sind zwar schon länger keine Schüler mehr, wollten sich aber selbst ein Bild der Freitagsdemonstration machen. „Es ist richtig und wichtig, was die jungen Menschen machen. Erstaunlich auch, wie viele junge Menschen die Bewegung auf die Straße gebracht hat“, sagt Kathan. Seine Begleiterin steht dem Streik ambivalent gegenüber: „Ich finde die Sache, für die sich die Jugendlichen einsetzen, an und für sich gut.“ Suboptimal findet sie allerdings den Zeitpunkt: „Bildung ist ein Geschenk, das in Österreich kostenlos ist. Das sollten die Jungen mehr schätzen“, sagt Jacq. Sie würde sich wünschen, dass die Schülerinnen und Schüler in diesem Ausmaß auch in den Ferien streiken würden.

Schulbezogene Veranstaltung

„Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut“, skandierten die überwiegend jungen Protestanten und schrien sich trotz strömenden Regens in Stimmung. Wie die Male zuvor setzte sich der Zug der protestierenden Jugendlichen vom Bregenzer Bahnhof aus in Bewegung. Die Polizei führte den Demonstrationszug aufgrund des Weihnachtsmarktes allerdings nicht wie sonst über den Kornmarktplatz, sondern durch die Anton-Schneider-Straße mit dem Endpunkt Landhaus. Dort wurden verschiedene Ansprachen, etwa von Umweltaktivistin Hildegard Breiner, gehalten.

Die Bildungsdirektionen in Wien und Vorarlberg haben den von Fridays for Future ausgerufenen erneuten Klimastreik am Freitag wieder zur schulbezogenen Veranstaltung erklärt. Damit konnten Schüler automatisch im Rahmen des Unterrichts an der Demo teilnehmen. Voraussetzung war allerdings die Beaufsichtigung durch Lehrer.

Umweltaktivistin und Russ-Preis-Trägerin Hildegard Breiner hielt eine Ansprache vor dem Landhaus.
Umweltaktivistin und Russ-Preis-Trägerin Hildegard Breiner hielt eine Ansprache vor dem Landhaus.

Die Jugendlichen in Vorarlberg taten es Millionen von Alterskolleginnen und -kollegen aus aller Welt gleich und protestierten gegen die Klimasünden, die den nachfolgenden Generationen eine stark beschädigte Welt zu hinterlassen drohen. Die Forderungen der Friday-for-Future-Bewegung lautet, die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Dafür brauche es einen Neustart bei der Klimapolitik.

Weltweit waren Klimaproteste in 2400 Städten angesetzt, protestiert wurde am Freitag etwa auch in Berlin mit 60.000 Teilnehmern oder in mehreren französischen Städten. Dort haben Aktivisten Amazon-Lager blockiert, um gegen übermäßigen Konsum an Tagen wie dem Black Friday zu demonstrieren.