Bruder wollte das Haus in Flammen sehen

Vorarlberg / 02.12.2019 • 22:37 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Angeklagte musste seine Rechtfertigung vor Gericht aus einem vorbereiteten Text vorlesen. VN/gs
Der Angeklagte musste seine Rechtfertigung vor Gericht aus einem vorbereiteten Text vorlesen. VN/gs

54-Jähriger kommt wegen versuchter Brandstiftung in stationäre psychiatrische Behandlung.

Feldkirch Ein einsamer Radfahrer in dunkler Nacht, mit vollem Benzinkanister und einer eindeutigen Absicht: Sein Weg führt ihn zum Haus seines Bruders, wo er die brennbare Flüssigkeit rund ums Gebäude und über ein Auto schüttet. Doch dann hält er inne. Er bemerkt zwei junge Männer, fühlt sich beobachtet und strampelt auf den Pedalen davon. Ohne sein „Werk“ zu Ende zu führen.

Die Beobachter nehmen deutlichen Benzingeruch wahr, hegen Verdacht auf versuchte Brandstiftung und informieren die Polizei. So geschehen im Mai diese Jahres im Vorarlberger Unterland.

Ein Hang zum Feuer

Ermittlungen folgen und ein Prozess am Landesgericht. Auf der Anklagebank sitzt jener Radfahrer, beschuldigt der versuchten Brandstiftung. Der Mann ist strafrechtlich unbescholten, aus psychiatrischer Sicht hingegen seit beinahe 20 Jahren auffällig. Es begann mit Konzentrationsschwierigkeiten, dann folgten laut Gerichtspsychiater Reinhard Haller „eigenartige Gedanken“, eine chronische Schizophrenie und Aufenthalte in psychiatrischen Anstalten. Immer wieder war es das Feuer, das den Unterländer beschäftigte. Einmal ließ er eine Herdplatte eingeschaltet, so dass ein Haus beinahe abgefackelt worden wäre.

Angeklagter liest vor

Bei der Verhandlung wird klar, dass der Angeklagte paranoid schizophren ist. Staatsanwalt Manfred Melchhammer: „Der Mann hat Ende 2018 seine Medikamente abgesetzt.“ Vor Richterin Nadine Heim vermag der 54-Jährige nicht, sich ihren Fragen unvermittelt zu stellen, sondern liest seine Rechtfertigung aus einem vorbereiteten Text vor: „Ich habe einmal ein Papier in einer Vase angezündet und ein anderes Mal Fotos, die ich dann aber in einen Kanal warf. Beide Male geschah dies unter Aufsicht. Ich weiß, dass Feuer ein Element ist, mit dem man nicht spielt. An jenem spannungsreichen Abend aber war es nicht meine Absicht, das Haus und Auto meines Bruders anzuzünden. Es gab vorher Streit und ich wollte ihm mit dem Verschütten des Benzins nur einen Denkzettel verpassen. Denn es gab ein mir sehr bedeutungsvolles Buch, aus dem ich beten wollte, und mit dessen Verschwinden er sicher etwas zu tun hatte.“

Verteidiger German Bertsch („Da war keine Anlasstat!“) plädiert wegen mangelnder Beweise auf Freispruch. Doch der Beschuldigte wird im Sinne der Anklage schuldig gesprochen und in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen. Bis er stabil genug für eine bedingte Entlassung ist. VN-GS