Rhesi auf Konsenskurs

Vorarlberg / 02.12.2019 • 19:17 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Hochwasser am Rhein. Das kam in den vergangenen Jahren häufiger vor. Rhesi soll die Gefahr reduzieren.VN/Steurer
Hochwasser am Rhein. Das kam in den vergangenen Jahren häufiger vor. Rhesi soll die Gefahr reduzieren.VN/Steurer

Schweizer Naturschützer wollen lieber verhandeln als juristischen Instanzenweg gehen.

Bregenz, St. Margrethen Der Vorarlberger Landeshauptmann ist in Bezug auf das Hochwasserschutzprojekt Rhein-Erholung-Sicherheit (Rhesi) derzeit guter Laune. „Die Schweizer Naturschützer haben auf eine Beeinspruchung des abschlägigen Bescheids vom St. Galler Tiefbauamt zu ihrem Veto gegen das Generelle Projekt verzichtet. Das ist eine gute Botschaft fürs Projekt“, gab Wallner gegenüber den VN bekannt. „Wir hätten wahrscheinlich mit Verzögerungen rechnen müssen, hätten die Naturschützer zu einem Zug durch die Instanzen angesetzt“, zeigt sich der Landeshauptmann erleichtert.

Erleichterung

Erleichtert ist auch Rhesi-Projektleiter Markus Mähr (45) ob des Verzichts von WWF und Pro Natura Ostschweiz auf weitere rechtliche Schritte gegen das Generelle Projekt. „Wir haben den Schweizer Naturschutzgruppen wie auch der Initiative RhesiNat aus Koblach sämtliche Planungsunterlagen zur Verfügung gestellt“, betont Mähr. Mit den Naturschützern wolle man weiterhin das Gespräch führen. Die österreichischen Naturschutzgruppen hatten die vollumfänglichen Planungsunterlagen zuvor ebenso erhalten.

Bei der letzten Sitzung der Gemeinsamen Rheinkommission (GRK) erhielten die hochrangigen Vertreter aus der Schweiz und Österreich das letzte Update zum Projekt. „Da wurden wir auch über die Entscheidung der Schweizer Naturschützer informiert“, berichtet Wallner.

Diese hatten im August dieses Jahres einen Antrag an das Bau­departement St. Gallen gestellt, in dem sie das vorliegende Generelle Projekt scharf kritisierten und ein zusätzliches Verfahren forderten. Inhaltlich bemängelten sie die ihrer Meinung nach zu geringe Aufweitung des Rheins und die Zahl der sogenannten Trittsteine. Es seien zu wenige.

Dammabrückung

Insgesamt sind nach vorliegendem Plan vier Aufweitungen des Alpenrheins auf dem 26 Kilometer langen Abschnitt vom Illspitz bis zur Bodenseemündung vorgesehen. Auf Höhe Koblach ist eine sogenannte Dammabrückung geplant. Das heißt: Der jetzige Außendamm wird Richtung Siedlungsraum verschoben, um dem Fluss mehr Platz zu geben. Das Hochwasserschutzprojekt Rhesi soll die Durchflusskapazität an den engsten Flussstellen von derzeit 3100 m3/Sekunde auf 4300 m3/Sekunde erweitern. Zusätzlich soll der Fluss in besagtem Abschnitt eine deutliche ökologische Aufwertung erfahren.

Stellungnahme

Von den Schweizer Naturschützern bestätigt Pro-Natura-Geschäftsführer Christian Meienberger den Verzicht auf weitere Rechtsmittel gegen das Generelle Projekt. Kommentieren wollte er diese Entscheidung nicht.

Beim heimischen Naturschutzbund, der in Sachen Rhesi eng mit den Schweizer Naturschutzgruppen zusammenarbeitet, zeigt man sich von dieser Entscheidung überrascht. „Als wir uns letztes Mal getroffen haben, standen die Kollegen noch in der Entscheidungsphase“, erzählt Bianca Burtscher (49). Man werde bis Ende des Jahres noch eine gemeinsame Stellungnahme zum Projekt erarbeiten. „Auf uns wartet jetzt sehr viel Arbeit. Wir müssen mehrere Ordner Planungsunterlagen in kurzer Zeit durchackern. Aber das schaffen wir. “

„Beim letzten Treffen waren die Kollegen noch in der Entscheidungsphase.“

Rhesi-Zeitplan

2021 Start des Verfahrens

2024 Baustart mit Umgestaltungen auf Höhe Widnau-Lustenau

2030 Arbeiten beim Diepoldsauer Durchstich auf 5 Kilometer

2032 Arbeiten beim Fußacher Durchstich

2035/2036 Arbeiten vom Diepoldsauer Durchstich Richtung Süden

2040 Arbeiten auf Höhe Koblach, Meiningen

Gesamtkosten Rhesi: 900 Millionen Euro