Ein Mediziner mit Gemeinsinn

Vorarlberg / 03.12.2019 • 17:28 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Harald Giesriegl: Unermüdlicher Einsatz für seine Patientinnen.
Harald Giesriegl: Unermüdlicher Einsatz für seine Patientinnen.

Dr. Harald Giesriegl, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, starb mit 85 Jahren.

SCHRUNS Am 20. November 2019 starb nach kurzer, schwerer Krankheit, jedoch unerwartet rasch, Dr. med. Harald Giesriegl (85), Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe i. R.

Harald Giesriegl wurde am 23. August 1934 in Linz geboren. Seine Kindheit war vor allem von den entbehrungsreichen Zeiten geprägt, die der Zweite Weltkrieg mit sich brachte. So erzählte er oft die Geschichte von einem schweren Bombenangriff auf Linz, der nicht nur die Wohnungsfenster, sondern auch die Torte, die in der Speisekammer für den Ostersonntag bereitstand, zerstörte. In Erinnerung waren ihm auch noch immer die Bettelgänge, die seine Mutter zu den Bauern in die Umgebung von Linz machen musste, um die dringend benötigten Lebensmittel zu erbitten.

Berufliche Ausbildung

Harald Giesriegl maturierte in Linz und studierte anschließend in Innsbruck, Brüssel und Wien Humanmedizin. Wien war auch die Stadt, in der er sich auf die Frauenheilkunde und Geburtshilfe spezialisierte und in der er elf Jahre, u. a. an der Ersten Universitätsfrauenklinik, verbrachte. Darauf folgten vier Jahre an der Frauenklinik in Zürich. Anfang der 1970er-Jahre wurde Harald Giesriegl Primar am Krankenhaus Feldkirch und 1975 eröffnete er seine Ordination in Schruns. Gleichzeitig arbeitete er bis zu dessen Schließung in den frühen 1990er-Jahren als Geburtshelfer im Krankenhaus Josefsheim.

Im Jahre 1980 lernte Harald Gies­riegl seine spätere Gattin kennen. Erst als Haushaltshilfe angestellt, wurde daraus schnell mehr und 1985 schlossen sie in Schruns den Bund fürs Leben. Im gleichen Jahr wurde ihre gemeinsame Tochter Bettina geboren.

Soziales Engagement

1987 legten sie mit dem Erwerb der alten Borger Villa in Schruns den Grundstein für ihr gemeinsames Lebenswerk. Harald Giesriegl und seine Gattin schufen aus dem Gebäude mit viel Ideenreichtum und persönlichem Einsatz den gemeinsamen Familiensitz. Harald Giesriegl blieb aber bis zuletzt auch seiner Geburtsstadt Linz, die er jährlich besuchte, treu. Auch der Sommerurlaub in Litzlberg am Attersee war über viele Jahre ein Fixtermin. Er arbeitete bis zu seinem 74. Lebensjahr als Gynäkologe in Schruns und war auch darüber hinaus immer bereit, seine Erfahrung zum Wohle seiner Patientinnen einzusetzen. Über all die Jahre war Harald Giesriegl auch sozial engagiert. Als langjähriges Mitglied des Lions Club Bludenz und der Bruderschaft St. Christoph setzte er sich für soziale Projekte und für Kulturförderung ein. Die Teilnahme am Clubleben der Lions und die Mitarbeit an den sozialen Aktivitäten waren Teil seines Selbstverständnisses als gesellschaftlich engagierter Mensch.

In der Lions-Organisation übernahm er auch hochrangige Ehrenfunktionen, wie jene eines Regionenleiters in Vorarlberg für die Jahre 2008 bis 2011. In dieser Funktion leistete er einen wesentlichen Beitrag zur Gründung des Lions Club Silvretta. Viele Jahre förderte er die sommerlichen Praktika von osteuropäischen Medizinstudenten in Vorarlbergs Spitälern mit seinen Netzwerken.

Prägende Erlebnisse

Sein verdienstvolles Wirken wurde durch den Distrikt mit der hohen Auszeichnung des „Melvin Jones Award“ gewürdigt. Ebenso prägend für ihn waren langjährige Freundschaften. So gab es zum Beispiel mit den Freundeskreisen „Die Wälderrunde“ und „Die Viererbande“ sehr viele schöne Erlebnisse – oft mit kulturellem Hintergrund. 2014 kam mit Florian das erste Enkelkind zur Welt, 2016 folgte dann Annika. Beide Enkel haben ihre Zeit mit dem Opa sehr genossen – und er sie mit ihnen. Sein letztes Lebensjahr war nicht einfach, denn die vielen Krankenhausaufenthalte und kräftezehrenden Therapien hinterließen ihre Spuren. Nach einem mehrwöchigen Aufenthalt auf der Palliativstation im Krankenhaus Hohenems verstarb Harald Giesriegl unerwartet in seinem Heim in Schruns.

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