Ivica Mijajlovic wieder Slam-Meister

Vorarlberg / 03.12.2019 • 16:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Neben der Qualifikation für die österreichische Meisterschaft gab es für Gewinner Ivica Mijajlovic auch eine Kuhglocke als Trophäe. UYSAL

Landesmeisterschaft 2019 der Ländle Poetry Slammer in Feldkirch.

Feldkirch In Vorarlberg existiert eine lebhafte Slammer Szene, die von Ländle Slam in ihrem Engagement sehr stark unterstützt wird. Es finden während des Jahres regelmäßig Poetry Wettbewerbe in den verschiedenen Kulturinitiativen statt. Im Rahmen des „feldkircher lyrikpreisfestivals 2019“ traten vergangenen Freitag im Theater am Saumarkt Vorarlbergs acht beste Slammer gegeneinander an. Durch den Abend führten Tom Astleitner und Steffen Brinkmann.

Acht abwechslungsreiche Auftritte

Manuela Mühlegger trat als Nummer eins an. Sie zerschnitt wortgewaltig Stricke von „Jasagern und Bausparern“. „Wir versäumen das Große und Ganze“, meint sie in ihrem Auftritt und forderte die Gäste auf sich nicht nur „leichte Ziele“ zu setzen. Anschließend ging Jay-Man an den Start. Er drückte seinen Hass gegen Rassisten aus, boykottiert Nestle-Produkte und machte sich für Solidarität stark. In zahlreichen „Punch-Lines“, wie man sie in Rap-Texten kennt, holte er sprachlich zum Rundumschlag aus. Theresia Gröchenig sieht das Bildungssystem als großes „Schlamassel“. Wir sollen alle mit sehr guten Noten starten bis wir beim „ungenügend“ ankommen und Schüler folglich resignieren. „Ich vermisse Buntstifte an Regentagen“, träumt sie.

Die acht Finalisten sowie die Moderatoren des Abends (vorne). Das Publikum bekam abwechslungsreiche Texte zu hören. Uysal
Die acht Finalisten sowie die Moderatoren des Abends (vorne). Das Publikum bekam abwechslungsreiche Texte zu hören. Uysal

Überrascht hat Tarik-Samy Khalil mit seinem Auftritt. Unkonventionell reflektiert er die Diskriminierung, die er am eigenen Leibe erfährt. „Extremisten gibt es in jeder Kultur“, ruft er auf. Ivica Mijajlovic feiert Wahltag mit seiner eigenen Partei „Sex“. Beim Mitmach-Slamtext zählt er sein Wahlprogramm auf, das „Orgasmus-Zulagen, Penetration gegen Frustration und Oral statt Uran“ beinhaltet. In einen anderen Kontext stellte Nadine Bösch ihren Text. In Anaphern erzählt sie eine Geschichte über Vergewaltigung. „Still, still, still … Weil er es wieder will.“

Simon Ludescher ist Lehrer und schrieb eine Fortsetzung zum kleinen Ich-bin-Ich. Als Ausweis-stehlendes, Disko-schleichendes, Fratzen-klauendes Geschöpf hatte die Geschichte auch eine Moral zum Schluss. Luna Levay schloss die erste Runde mit einer Performance über ihre Tante ab, die mit ihrer Tapferkeit und Lebensfreude dann doch den Kampf gegen den Krebs verlor. Mit einem Kuss auf die Stirn nahm sie bewegend Abschied.

Grand Slam Finale

Ins Finale zog dann Jay-Man gemeinsam mit Mijajlovic und Levay. „Als ich das Datum von diesem Event gelesen habe, wusste ich ‚Ich muss diesen Text lesen‘“, erzählt Titelverteidiger Mijajlovic. In einer absolut rührenden Geschichte über einen verstorbenen Freund, der heute Geburtstag gefeiert hätte, hielt das Publikum den Atem an. Selbst der Poet war sichtlich voller Kummer, als er mit letzten Worten „Alles Gute zum Geburtstag ‚T‘!“ die Bühne prompt verließ. Damit sicherte er sich seinen zweiten Sieg in Folge und darf zu Österreich-Meisterschaften fahren. ETU