Mang-Projekt schlägt hohe Wellen

Vorarlberg / 03.12.2019 • 19:20 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Nicht schön genug? Der Torfschupfe auf der Hinteren Insel droht die Abrissbirne. Stefan Stern
Nicht schön genug? Der Torfschupfe auf der Hinteren Insel droht die Abrissbirne. Stefan Stern

Bodenseeklinik-Chef will denkmalgeschütztes Gebäude abreißen lassen.

Lindau Als Schönheitschirurg repariert Werner Mang (70) Fassaden mit dem Skalpell, in anderer Funktion darf es offenbar auch mal die Abrissbirne sein. Die „Familienstiftung Professor Mang“ besitzt bereits mehr als ein Dutzend Altstadthäuser in Lindau. In einem Interview mit der „Schwäbischen Zeitung“ scherzte der Bodenseeklinik-Chef: „Jede Nase eine neue Etage.“ Bei seinem neuesten Projekt soll es allerdings nicht bei einem „kosmetischen Eingriff“ bleiben. Der Lindauer Stadtrat stimmte vor wenigen Tagen in einer nicht öffentlichen Sitzung mehrheitlich für den von Mang beantragten Abriss der sogenannten „Torfschupfe“. Der Verein Eisenbahn- und Schifffahrtsmuseum und das Netzwerk pro Denkmal Lindau sind empört. Sie fragen sich: „Wie glaubwürdig sind unser (Noch-) Oberbürgermeister und unser Stadtrat, wenn die eigenen, im Rahmenplan dokumentierten und am Mittwoch verabschiedeten Planungsabsichten in derselben Sitzung dermaßen konterkariert werden?“

Die knapp 150 Jahre alte Torfschupfe auf der Hinteren Insel ist Teil des ersten Lindauer Bahnhofs. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz. Die Abrissgegner untermauern ihre Kritik mit der Stellungnahme des Landesamt für Denkmalschutz, in der es heißt: „Die im Text der Denkmalliste genannten Gebäude lassen bis heute anschaulich den Komplex der Wirtschaftsgebäude dieses ersten Bahnhofs erkennen. Die Torfschupfe bildet in ihrer Funktion als Brennstofflager dabei einen integralen Bestandteil dieser Wirtschaftsgebäude und ist somit für das Verständnis des ursprünglich funktionalen Betriebsablaufs unerlässlich. Bei dem Gebäude handelt es sich daher um ein außerordentlich wertvolles Zeugnis der bayerischen Eisenbahngeschichte und zudem um einen einzigartigen Vertreter dieser Gattung.“ Der Beschluss schlägt auch innerhalb des Stadtrats hohe Wellen. Mathias Hotz, der bei der Abstimmung gegen den Abriss stimmte, hält die Erörterung und Abstimmung dieses Themas in einer nicht öffentlichen Sitzung nicht nur für rechtswidrig. „Dass dem Stadtrat weder eine Sitzungsvorlage noch die Stellungnahme des Landesamts für Denkmalpflege präsentiert wurde, bedeutet außerdem eine grobe Missachtung demokratischer Gepflogenheiten“, legt er nach.

Was den einzelnen Stadtrat dazu bewogen hat, für den Abriss zu stimmen, ist nicht bekannt. „Es war eine nicht öffentliche Sitzung. Darüber berichten wir grundsätzlich nicht“, erläutert Jürgen Widmer, Pressesprecher der Stadt Lindau. Grundsätzlich sei es so, dass das Denkmalschutzgesetz auch gewisse Ausnahmekriterien formuliere. Laut Widmer ist ein Abriss etwa dann möglich, wenn das Gebäude der städtebaulichen Entwicklung im Wege steht, das Denkmal nicht mehr saniert werden kann oder die Sanierung wirtschaftlich nicht zumutbar ist. Derzeit laufe eine Überprüfung. „Wenn wir sagen, wir sehen die Kriterien als ausreichend erfüllt an, könnte der Abriss erfolgen“, führt der Pressesprecher aus. vn-ger