Selbstbestimmung leben, Lebensqualität geben

Vorarlberg / 03.12.2019 • 17:17 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Für Doris Zotter ist für die Betreuung alter Menschen soziale Kompetenz eine Grundvoraussetzung. BI
Für Doris Zotter ist für die Betreuung alter Menschen soziale Kompetenz eine Grundvoraussetzung. BI

Doris Zotter leitet das Projekt „Tagesbetreuung“ in Nüziders.

NÜZIDERS Zur Altenpflege hatte Doris Zotter immer schon einen ganz persönlichen Zugang. In diesem Pflegebereich hat sie sich ein umfassendes Wissen angeeignet. Seit 2006 obliegt ihr die Wohnbereichsleitung im Sozialzentrum Nüziders. Letztes Jahr wurde von der engagierten Gesundheitsfachfrau das Projekt „Tagesbetreuung“ übernommen, das sehr viel Resonanz erfährt.

 

Was sind Ihre Hauptaufgaben im Rahmen der Tagesbetreuung?

ZOTTER Ich koordiniere die Mitarbeiter, führe Aufnahmegespräche für die Tagesgäste, berate Angehörige und informiere über Krankheitsbilder. Unsere Tagesgäste erleiden mitunter schnelle Veränderung, dann ist eine fachliche Beratung nötig. Das Einzugsgebiet erstreckt sich von Bludenz über das Kloster- und Brandnertal bis nach Nenzing. Unser Team besteht aus fünf Mitarbeitern, wir haben acht bis zehn Gäste pro Tag.

 

Wie wird ein Tag bei Ihnen gestaltet?

ZOTTER Die Gäste treffen ab 8 Uhr bei uns ein. Sie werden von den Angehörigen gebracht. Im Anschluss gibt es ein kleines Frühstück. Um 9.15 Uhr findet dann ein Sitzkreis mit ganzheitlichem Gedächtnistraining und Aktivierung statt. So wird beispielsweise das Lied „Die kleine Schaffnerin“ gesungen und mit Bewegung untermalt. Die Leute blühen dabei auf. Vor dem Mittagessen ist eine kleine Pause, die mit Spaziergängen, Helfen beim Kochen oder anderen Möglichkeiten verbracht werden kann.

 

Wie ist der weitere Tagesverlauf?

ZOTTER Das Mittagessen ist ein wichtiger Bestandteil des Tagesgeschehens. Es ist ein sozialer Akt, der Suppentopf steht mitten auf dem Tisch und alle schöpfen daraus. Auch ein Gebet als Ritual fördert die Gemeinschaft. Nachher halten die meisten Gäste ein Mittagsschläfchen auf den Lehnstühlen. Anfangs haben wir Sofas angeboten, aber die Lehnstühle sind sehr begehrt, sie vermitteln ein Gefühl der Geborgenheit. Die Halbtagsgäste werden um 13 Uhr abgeholt. Am Nachmittag wird ein unterschiedliches Programm angeboten, das sich nach der Jahreszeit richtet. So wurde im Frühjahr ein Hochbeet gebaut, welches mit Kräutern und Salat bepflanzt wurde. Aktuell bereiten wir den Bau einer Krippe vor.

 

Was wird sonst noch angeboten?

ZOTTER Wir haben beispielsweise im Herbst gemeinsam mit dem stationären Bereich eine Modeschau veranstaltet. Die Gäste haben die neue Herbstmode zu ihren Lieblingsliedern präsentiert, manche davon sogar mit dem Rollator. Dies vermittelte insbesondere den Frauen das Gefühl, immer noch gesehen zu werden.

 

Wie wichtig ist das Thema Demenz?

ZOTTER Das ist ein sehr wichtiges Thema. Um den Menschen abzuholen, wo er steht, in seinen Schuhen zu gehen, ist die Biografie-Arbeit unerlässlich. Wo ist der Gast aufgewachsen? Wie können Erinnerungen geweckt werden – mit Musik oder mit Düften? Es ist mir ein Anliegen, den Tagesgästen Lebensqualität zu bieten und schöne Erinnerungen zu schaffen.

 

Und die Selbstbestimmung?

ZOTTER Die Selbstbestimmtheit ist sehr wichtig. Alte Menschen sollen ihre Bedürfnisse sagen können. Oftmals meinen Angehörige genau zu wissen, was die Betroffenen wollen. Aber es ist entscheidend, dass diese selbstbestimmt Entscheidungen treffen.

 

Was ist die wichtigste Voraussetzung für einen Pflegeberuf?

ZOTTER Soziale Kompetenz! Das Fachliche kann erlernt werden. Aber das Hineinversetzen in alte Menschen, die nötige Empathie, die muss man mitbringen. BI

Zur Person

DORIS ZOTTER

Geboren 27. März 1977

Familie ledig

Wohnort Nüziders

Beruflicher Werdegang Fachschule für wirtschaftliche Berufe, Pflege-Assistenz-Ausbildung, psychiatrisches Diplom am Landeskrankenhaus Rankweil

Hobbys wandern, schwimmen, lesen