Aus tiefer Dankbarkeit zu Tränen gerührt

Vorarlberg / 04.12.2019 • 18:42 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Joe Fritsche und Dieter Reimers bringen der betagten Witwe Herta regelmäßig Lebensmittel nach Hause. Dank Spenden kann Stunde des Herzens helfen.  VN/kum
Joe Fritsche und Dieter Reimers bringen der betagten Witwe Herta regelmäßig Lebensmittel nach Hause. Dank Spenden kann Stunde des Herzens helfen.  VN/kum

Stunde des Herzens stellt armen alten Menschen Lebensmittel zu.

Vandans Friederikes Blick hellt sich schlagartig auf, als Joe Fritsche von der Hilfsorganisation Stunde des Herzens und sein Mitstreiter Dieter Reimers mit einem Korb voller Lebensmittel zur Tür hereinkommen. „Auf euch habe ich gewartet, weil ihr dem Flecki immer Leckerli mitbringt“, sagt die 96-Jährige und strahlt übers ganze Gesicht. Der Hund bedeutet ihr alles. „Wenn der nicht bei mir im Bett ist, kann ich nicht schlafen.“ Vierbeiner haben in ihrem Leben eine große Rolle gespielt. „Ich hatte immer Hunde.“ Für sie empfand sie große Zuneigung. Auch ihrer Arbeit war sie sehr zugetan. „Ich habe viel und gerne gearbeitet und bis zu 80 Leute verköstigt. Mich lobte man oft für meine Gerichte.“ Die betagte Frau blickt gerne auf ihr Leben zurück. Das Wissen, dass sie immer ihr Bestes gegeben hat, macht sie zufrieden. Als Reimers Flecki ein Hundekeks anbietet und Fritsche ihr eine Winterjacke schenkt, ist sie gerührt. „Ihr seid die einzigen Menschen, die sich um mich kümmern.“ Die zwei Männer leisten ihr noch ein wenig Gesellschaft, bevor sie Resi (86) die übliche Lebensmittelspende bringen.

Um Gotteslohn gearbeitet

Resi ist bettlägerig. Wie immer hat Reimers einen Sack voll alter Semmel mitgebracht. „Resi gibt sie dem Bauern in der Nachbarschaft. Dafür bekommt sie von ihm Milch.“ Die bettlägerige Frau sieht gerade fern. Das Gerät hat sie von Stunde des Herzens geschenkt bekommen. Sie selbst hätte sich den Fernseher niemals leisten können. Resi muss knapp haushalten. Die vierfache Mutter lebt von Sozialhilfe. Eine eigene Pension bekommt sie nicht, obwohl sie immer viel gearbeitet hat. Aber sie arbeitete um Gotteslohn, zu Hause und 23 Jahre in einem Kloster. „Ich war immer zu gut. Gutheit ist Dummheit.“ Sie engagierte sich auch 35 Jahre ehrenamtlich für den Tierschutz. „Mir hat man Tiere vor die Tür gestellt. Ich habe einen Platz für sie gesucht.“ Die Liebe zu Tieren ist ihr geblieben. Kater Felix teilt mit ihr das Leben. „Für ihn lebe ich noch“, sagt sie und ist dankbar, dass die beiden Männer auch Katzenfutter mitgebracht haben.

Für die Familie gelebt

Große Dankbarkeit wird ihnen auch im nächsten Haus entgegengebracht. Erika (77) und ihre Tochter Gabi (56) haben bereits auf sie gewartet. Der Mittwoch ist ein Freudentag für die beiden Frauen, weil dann endlich wieder Lebensmittel ins Haus kommen. Gabi weint sogar vor lauter Dankbarkeit über den Besuch. „Ohne Joe und Dieter wäre meine Mutter arm dran“, sagt sie mit tränenerstickter Stimme. Ihre Mama nickt und meint: „Ich bin überzeugt, dass mir mein verstorbener Sohn diese Männer geschickt hat.“ Dass die geschiedene Frau heute bedürftig ist, erklärt sich so: Zum einen lebte die dreifache Mutter für die Familie. Zum andern arbeitete sie mehrere Saisonen im Gastgewerbe. „Ich war aber die meiste Zeit nicht versichert.“ Deshalb lebt Erika, die Diabetikerin ist und zu erblinden droht, heute von Sozialhilfe. Als Fritsche ihr erklärt, dass er die Kosten fürs Heizen und die dringend benötigte Brille übernehmen wird, bricht auch sie vor Rührung in Tränen aus. Jetzt kann sie dem Winter gelassen entgegensehen und muss im eigenen Heim nicht frieren.

„Hätte gerne Christkind gespielt“

Fritsches nächste „Kundschaft“ weiß, wie Kälte sich anfühlt. „Als wir Herta zum ersten Mal besuchten, glitzerte das Eis von der Schlafzimmerdecke. Nur in der Küche war es warm dank einem Holzherd“, verrät Fritsche. Wie alles im Leben nahm die gläubige Frau, die von einer kleinen Witwenpension lebt, auch den bescheidenen Wohnstandard gottergeben an. „Wenn man nichts anderes kennt, ist man zufrieden.“ Und doch: Als ihr Stunde des Herzens zu einem Bad und Warmwasser verhalf, flossen auch bei ihr die Tränen, so tief war ihre Dankbarkeit. Selbst reich beschenkt bedauert die 86-Jährige, dass sie nie Christkind spielen konnte: „Ich hätte gerne Geschenke vor Haustüren gelegt. Aber das konnte ich nicht, weil ich selbst nie etwas hatte.“

„Als wir Herta zum ersten Mal besuchten, glitzerte das Eis von der Schlafzimmerdecke.“