VGKK im Beschlussfieber

Vorarlberg / 05.12.2019 • 20:28 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Das Vorarlberger Modell der Hauskrankenpflege ist in Österreich einzigartig. Es soll auch unter einer Österreichischen Gesundheitskasse erhalten bleiben.apa
Das Vorarlberger Modell der Hauskrankenpflege ist in Österreich einzigartig. Es soll auch unter einer Österreichischen Gesundheitskasse erhalten bleiben.apa

Verträge noch schnell vor Beginn einer neuen Kassen-Ära verlängert.

dornbirn Es geht rund in der Vorarlberger Gebietskrankenkasse (VGKK). In buchstäblich letzter Minute wurden einige weitreichende Beschlüsse gefasst. Gestern Abend tagte zum Ende der VGKK-Ära noch einmal der Vorstand und verlängerte das Zahnprophylaxeprogramm um fünf Jahre. Die freiwillige Förderung der Hauskrankenpflege mit einem Finanzvolumen von 460.000 Euro soll ebenfalls weitergehen. Andere Verträge sind schon unter Dach und Fach, etwa jene mit der Ärztekammer und Systempartnern wie den Physio- und Psychotherapeuten. „Damit sind die Verträge im Land zumindest bis Ende 2020 gesichert“, gibt VGKK-Obmann Manfred Brunner vorläufig Entwarnung. Die Beschlüsse müssen zwar noch den Überleitungsausschuss der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) passieren, Einsprüche seien von dieser Seite jedoch nicht zu erwarten, ist Brunner diesbezüglich zuversichtlich. Für das Jahr 2021 heißt es dann wieder verhandeln, und zwar in Wien.

Doppelführung

Manfred Brunner, ab 1. Jänner 2020 Landesstellen-Vorsitzender der ÖGK Vorarlberg, will aber nicht nur in dieser Funktion den Interessen der Vorarlberger Versicherten in der Bundeshauptstadt zum Durchbruch verhelfen, sondern auch über die politische Schiene der Arbeiterkammer. Dort soll er nämlich das Ressort „Gesundheit und Pflege“ übernehmen, was ihm eine weitere Türe öffnet. Innerhalb der ÖGK-Landesstelle selbst kommt es, sofern der Verfassungsgerichtshof die nach wie vor umstrittene Zentralisierung der Gebietskrankenkassen nicht in diesem Teil aufhebt, zu einer Doppelführung mit halbjährlich wechselndem Vorsitz. Wie die VN bereits berichteten, wird von Seiten der Wirtschaft Wirtschaftsbunddirektor Jürgen Kessler als Pendant zu Brunner in dieses Amt gehoben. Es gibt das Zugeständnis, dass von Anfang an an einem Strang gezogen werden soll.

Im Alleingang brachte die Vorarlberger Gebietskrankenkasse aus ihrer Sicht wichtige und notwendige Verträge noch auf Schiene. Dazu gehören das Zahnprophylaxeprogramm mit seinem Maskottchen Max Prophylax. Weil gut unterwegs, möchte die VGKK auch in den kommenden fünf Jahre kräftig in die Zahngesundheit der Kinder investieren. Die Reihenuntersuchungen lässt sich allein die VGKK rund 250.000 Euro jährlich kosten. Alle Sozialversicherungsträger zusammengenommen stellen für diese Gesundheitsinitiative 313.000 Euro bereit. Das Zahnprophylaxeprogramm, das Beratungen in Wöchnerinnenstationen und bei Kinderärzten sowie Gruppenprophylaxe in Kindergärten, Schulen und Behinderteneinrichtungen umfasst, kostet die VGKK 107.000 Euro. Das Land zahlt 250.000 Euro für diese Maßnahmen dazu. Hehres Ziel für 2020: Mindestens 80 Prozent der Sechsjährigen sollen bei den Milchzähnen und 90 Prozent der zwölf-Jährigen bei den bleibenden Zähnen kariesfrei sein.

Seit Einführung der Datenschutzgrundverordnung kämpft der durchführende aks allerdings mit einem Teilnahmeschwund bei den Reihenuntersuchungen, an denen vorher jeweils etwa 25.000 Kinder teilnahmen. Im vergangenen Schuljahr, als sich Direktionen mit dem Hinweis auf den Datenschutz weigerten, die Klassenlisten mit den Schülerdaten herauszugeben, nahmen zehn Prozent weniger Schüler am Programm teil. Max Prophylax hätte sich an der Bürokratie beinahe die Zähne ausgebissen. Während der Sommermonate wurde mit der Bildungsdirektion, der Vorarlberger Gebietskrankenkasse sowie Juristen jedoch eine neue Lösung erarbeitet.

Nun gibt es ein rechtlich haltbares Konstrukt, der administrative und organisatorische Aufwand ist allerdings hoch, denn nun müssen Erziehungsberechtigte eine schriftliche Einverständniserklärung unterschreiben und in der Schule abgeben. Damit nicht genug. Auch am Computerprogramm waren Anpassungen nötig, um eventuelle Abmeldungen von Schülern sofort zu erkennen. Ein Widerruf ist nämlich jederzeit möglich. Rund 32.000 Einverständniserklärungen sind vor Schulbeginn an 250 Schulen versandt worden. Noch einmal 10.000 gingen an etwa 260 Kindergärten. Die bisher mit dem neuen System gemachten Erfahrungen sind laut aks-Geschäftsführer Georg Posch durchwachsen.

Sorge um Darmvorsorge

Sorgen macht sich Brunner auch um das Darmkrebsvorsorgeprogramm. Noch ist unklar, was mit der in Vorarlberg erfolgreich laufenden Initiative passiert, die hier im Ärztevertrag geregelt ist. Bekanntlich soll es unter der ÖGK einen bundesweiten Gesamtvertrag für Ärzte geben. „Im besten Fall schafft es die Darmkrebsvorsorge in diesen Vertrag“, sagt Manfred Brunner. Für den anderen Fall hofft er, dass sie zumindest nicht aus dem Vorarlberger Vertrag fliegt.

„Im besten Fall schafft es die Darmkrebsvorsorge in den neuen Gesamtvertrag.“