Carport des Chefs abgefackelt

Vorarlberg / 06.12.2019 • 22:23 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Warten auf das Urteil: Der Angeklagte vor dem Verhandlungsaal. VN/GS
Warten auf das Urteil: Der Angeklagte vor dem Verhandlungsaal. VN/GS

Arbeitskollegen wollten ihrem Brötchengeber eine Lektion erteilen – zwei Jahre Haft.

Feldkirch Es war in einer Septembernacht, als in einer Vorarlberger Gemeinde ein Carport in Flammen aufging. Von den zwei darin
abgestellten Autos blieb nur noch verrußter Schrott. Geräusche und Brandgeruch rissen ein im angrenzenden Haus wohnendes Ehepaar noch rechtzeitig aus dem Schlaf. Die Leute alarmierten sofort die Feuerwehr, die das Übergreifen der Flammen auf das Wohnhaus verhindern konnte.

Schon bald war klar: Das Feuer wurde absichtlich gelegt. Nur wenige Tage später gelang es Beamten des Landeskriminalamtes und der örtlichen Polizeiinspektion, die Brandstifter auszuforschen und in die Untersuchungshaft einzuliefern. Es handelte sich um einen 29-jährigen türkischen Staatsbürger und einen 32-jährigen Deutschen, zwei Arbeitskollegen in derselben Firma und beide mit demselben Motiv: Rache an ihrem Chef.

Umfassend geständig

In jener Tatnacht frönten die Beiden zunächst dem reichlichen Genuss von Alkohol. Dann wurde die Idee geboren, das Carport des Chefs abzufackeln. Sie besorgten sich einen Kanister, befüllten ihn an einer Tankstelle mit Benzin und schritten zur Tat.

Während der Deutsche abgesondert verfolgt wird, muss sich am Landesgericht Feldkirch zunächst sein türkischer Kollege wegen Verbrechens der Brandstiftung verantworten. Auf die Frage der Richterin, ob er denn Kinder habe, antwortet er: „Ich weiß es nicht . . . nein! Ich habe keine Kinder.“ Der 29-Jährige ist ansonsten unbescholten. Und voll umfassend geständig, die Tat begangen zu haben. Zum Motiv der Brandstiftung erklärt er: „Unser Chef hat uns finanziell geschädigt. Deshalb wollten auch wir ihm finanziellen Schaden zufügen. Eigentlich waren es nicht direkt Rachegelüste. Es ging uns mehr darum, ihm eine Lektion zu erteilen.“

„Kurzschlusshandlung“

Heute bereut er die Feuerlegung, die sich unauslöschlich in sein Gedächtnis gebrannt habe. Inständig, demütig und mit bisweilen eigenartiger Argumentation: „Ich bin gegen die Ungerechtigkeit in dieser Welt. Es geht mir darum, den Bedrängten zu helfen. Aber diese Tat war hinterlistig und hätte zum Tod führen können! Auch wenn es eine Kurzschlusshandlung war . . .“

Sein Verteidiger Rechtsanwalt Thomas Raneburger wirft vor dem Schöffensenat ein, auch die Rolle des Alkohols zu berücksichtigen, die wesentlich zum Tatvorsatz geführt habe. „Mein Mandant ist sich seiner unsäglichen Dummheit bewusst. Die Tat wird ihn noch jahrelang beschäftigen.“ Der Angeklagte wird wegen Verbrechens der Brandstiftung zu 24 Monaten unbedingter Freiheitsstrafe verurteilt. Der Versicherung hat er den Betrag von 324.800 Euro zu bezahlen. Weder Verteidigung noch Staatsanwaltschaft legen Rechtsmittel gegen das Urteil ein.

„Mein Mandant ist sich der unsäglichen Dummheit, die er beging, bewusst.“

Warten auf das Urteil: Der Angeklagte vor dem Verhandlungssaal.vn/gs
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