Ex-Primar klagt gegen fristlose Kündigung

Vorarlberg / 06.12.2019 • 21:43 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Michael Willis fühlte sich laut eigenem Bekunden sehr wohl in Vorarlberg.
Michael Willis fühlte sich laut eigenem Bekunden sehr wohl in Vorarlberg.

Michael Willis hätte sich vom Stiftungsvorstand mehr Offenheit erwartet.

Frastanz Nicht einmal zwei Jahre dauerte das Engagement von Michael Willis als Leiter des Suchtkrankenhauses Maria Ebene in Frastanz. Interne Querelen führten, wie berichtet, zu einer sofortigen Trennung. Inzwischen hat Willis beim Arbeitsgericht in Feldkirch gegen die fristlose Kündigung eine erste Klage eingereicht.

 

Wie geht es Ihnen, und wie lässt sich so ein Einschnitt verarbeiten?

Willis Ich war von der Entscheidung überrascht. Persönlich ist ein solcher Einschnitt mit einer großen Belastung verbunden, aber auch die Versorgung der Patienten und das Wohl der Mitarbeiter beschäftigen mich. Mir geht es nicht anders als vielen von unseren Patienten: Aus Rückschlägen muss man lernen und sich nach vorne orientieren.

 

Konnten Sie die Maßnahme schon reflektieren?

Willis Ich habe mir natürlich Gedanken über die Ereignisse der vergangenen Wochen gemacht. Ich bin wohl an der Beharrlichkeit einiger weniger Mitarbeiter gescheitert, welche ihre Privilegien nicht aufgeben wollten.

 

Können Sie sich erklären, was zur sofortigen Trennung geführt hat?

Willis Nein. Das Verhalten des Präsidenten Fink im Zuge der Entlassung ist für mich unverständlich. Dieser hatte noch am Tag vor der Entlassung über die VN verlauten lassen, dass es im Krankenhaus Maria Ebene nur Unstimmigkeiten gebe, aber keinen akuten Handlungsbedarf. Tags darauf wurde ich entlassen. Noch weniger verständlich war, dass sich Präsident Fink weigerte, die Entlassung zu begründen. Hier hätte ich mir Offenheit erwartet. Ich bin gespannt, was man mir vorwerfen will. Ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen. Ich habe mein ganzes Können, meine Erfahrung und mein volles Engagement eingebracht. Ich empfinde diese Art der „Verabschiedung“ als ungerechtfertigt und unwürdig.

 

Es soll Bedenkzeit gegeben haben …warum ließen Sie die verstreichen? Haben Sie keine Zukunft mehr auf Maria Ebene gesehen?

Willis Die Bedenkzeit bezog sich nicht darauf, ob ich weiter an der Klinik bleiben wolle. Die Entscheidung, dass ich die Stiftung verlassen muss, war schon getroffen. Die Bedenkzeit bezog sich nur mehr auf die Art der Entlassung. Ich hätte mir eine Fortführung der Arbeit gut vorstellen können.

 

Stimmen die Mobbingvorwürfe?

Willis Die Neugestaltung der Suchtbehandlung am Krankenhaus war alternativlos und wurde auch durch den Vorstand gewünscht. Natürlich hatte die Neuorientierung zur Folge, dass bestimmte vorhandene Strukturen aufgebrochen und etablierte betriebsinterne Hierarchien hinterfragt werden mussten. Dies stieß bei einzelnen alteingesessenen und vernetzten Mitarbeitern auf wenig Gegenliebe. Mein Eindruck war, dass gerade diese Mitarbeiter in unsachlicher Weise Einfluss auf den Präsidenten genommen hatten, was zur vorzeitigen Auflösung geführt hatte. Letztendlich ist wohl dem Druck einzelner Unruhestifter nachgegeben worden. Ich hätte mir mehr Rückendeckung vom Präsidenten erhofft. Die Mobbingvorwürfe muss ich klar zurückweisen. Vorgabe von Arbeitsinhalten und Strukturierung von Arbeitsabläufen sind wichtiger Teil der Führungsarbeit und kein Mobbing. Gerade mir war es ein Anliegen, meine Mitarbeiter vor unqualifizierten und unsachlichen Äußerungen anderer Mitarbeiter zu schützen. Im Ärztebereich zum Beispiel war mir eine Kommunikation auf Augenhöhe wichtig, was auch dazu führte, dass der seit Jahren herrschende Ärztemangel am Krankenhaus zuletzt kein Thema mehr war.

 

Überlegen Sie, gegen die fristlose Kündigung gerichtlich vorzugehen?

Willis Ich habe durch einen Anwalt bereits eine erste Klage einreichen lassen.

 

Wirft eine solche Maßnahme nicht Schatten auf die eigene Kompetenz?

Willis Das sehe ich nicht so. Die Notwendigkeit und Qualität der von mir umgesetzten Veränderungen in der Suchtbehandlung stehen außer Frage. Es lag nicht an mir, dass die Umsetzung in der gebotenen Form nicht möglich war. Der eingeschlagene Weg muss fortgeführt werden, um den Patienten eine optimale Therapie zu gewähren und den Mitarbeitern ein zufriedenstellendes Arbeiten zu ermöglichen. Ich kann nur hoffen, dass sich meine Nachfolger nicht mit zu vielen außerfachlichen Reibungspunkten konfrontiert sehen und sich voll und ganz auf die Umsetzung einer modernen Suchtbehandlung fokussieren können.