Ex-Primar von Maria Ebene klagt gegen fristlose Kündigung

Vorarlberg / 06.12.2019 • 15:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Suchtexperte Michael Willis war auf Maria Ebene nur ein kurzes Gastspiel beschieden. VOL.AT

Michael Willis hätte sich vom Stiftungsvorstand mehr Offenheit erwartet.

Frastanz Nicht einmal zwei Jahre dauerte das Engagement von Michael Willis als Leiter des Suchtkrankenhauses Maria Ebene in Frastanz. Interne Querelen führten, wie berichtet, zu einer sofortigen Trennung. Inzwischen hat der aus Tirol stammende Suchtexperte beim Arbeitsgericht in Feldkirch gegen die fristlose Kündigung eine erste Klage eingereicht.

Wie geht es Ihnen, und wie lässt sich so ein Einschnitt verarbeiten?

Willis Ich war von der Entscheidung überrascht und bin es immer noch. Persönlich ist ein solcher Einschnitt mit einer großen Belastung verbundenen, aber auch die Versorgung der Patienten und das Wohl der Mitarbeiter beschäftigen mich. Mir geht es in dieser Situation nicht anders als vielen von unseren Patienten: Aus Rückschlägen muss man lernen und sich nach vorne orientieren.

Konnten Sie die Maßnahme schon reflektieren?

Willis Ich habe mir natürlich Gedanken über die Ereignisse der letzten Wochen gemacht. Ich bin wohl an der Beharrlichkeit einiger weniger Mitarbeiter gescheitert, welche ihre Privilegien nicht aufgeben wollten.

Können Sie sich erklären, was zu diesem drastischen Schritt einer sofortigen Trennung geführt hat?

Willis Nein. Das Verhalten des Präsidenten Fink im Zuge der Entlassung ist für mich unverständlich. Dieser hatte noch am Tag vor der Entlassung über die VN verlauten lassen, dass es im Krankenhaus Maria Ebene nur Unstimmigkeiten gebe, aber keinen akuten Handlungsbedarf. Tags darauf wurde ich entlassen. Noch weniger verständlich war, dass sich Präsident Fink weigerte, die Entlassung zu begründen. Hier hätte ich mir Offenheit erwartet. Ich bin gespannt, was man mir vorwerfen will. Ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen. Ich habe mein ganzes Können, meine Erfahrung und mein volles Engagement eingebracht. Ich empfinde diese Art der „Verabschiedung“ als ungerechtfertigt und unwürdig.   

Es soll Bedenkzeit gegeben haben…warum ließen Sie die verstreichen? Haben Sie keine Zukunft mehr auf Maria Ebene gesehen?

Willis Die Bedenkzeit bezog sich nicht darauf, ob ich weiter an der Klinik bleiben wolle oder nicht. Die Entscheidung, dass ich die Stiftung verlassen muss, war schon getroffen. Die Bedenkzeit bezog sich nur mehr auf die Art der Entlassung. Ich hätte mir eine Fortführung der Arbeit gut vorstellen können.

Wie war Ihr Verhältnis zum Stiftungsvorstand? Stimmen die Mobbingvorwürfe?

Willis Die Neugestaltung der Suchtbehandlung am Krankenhaus war alternativlos und wurde auch durch den Vorstand gewünscht. Natürlich hatte die Neuorientierung zur Folge, dass bestimmte vorhandene Strukturen aufgebrochen und etablierte betriebsinterne Hierarchien hinterfragt werden mussten. Dies stieß bei einzelnen alteingesessenen und vernetzten Mitarbeitern auf wenig Gegenliebe. Mein Eindruck war, dass gerade diese Mitarbeiter in unsachlicher Weise Einfluss auf den Präsidenten genommen hatten, was zur vorzeitigen Auflösung geführt hatte. Letztendlich ist wohl dem Druck einzelner Unruhestifter nachgegeben worden. Ich hätte mir mehr Rückendeckung vom Präsidenten erhofft. Die Mobbingvorwürfe muss ich klar zurückweisen. Die Vorgabe von Arbeitsinhalten und Strukturierung von Arbeitsabläufen sind wichtiger Teil der Führungsarbeit und kein Mobbing. Gerade mir war es ein Anliegen, meine Mitarbeiter vor unqualifizierten und unsachlichen Äußerungen anderer Mitarbeiter zu schützen. Im Ärztebereich zum Beispiel war mir eine Kommunikation auf Augenhöhe wichtig, was auch dazu führte, dass der seit Jahren herrschende Ärztemangel am Krankenhaus zuletzt kein Thema mehr war.

Überlegen Sie, gegen die fristlose Kündigung gerichtlich vorzugehen?

Willis Ich habe durch einen Anwalt bereits eine erste Klage einreichen lassen.

Wirft eine solche Maßnahme nicht auch Schatten auf die eigene Kompetenz?

Willis Das sehe ich nicht so. Die Notwendigkeit und Qualität der von mir umgesetzten Veränderungen in der Suchtbehandlung stehen außer Frage. Es lag nicht an mir, dass die Umsetzung in der gebotenen Form nicht möglich war. Der eingeschlagene Weg muss fortgeführt werden, um den Patienten des Krankenhauses Maria Ebene eine optimale Therapie zu gewähren und den Mitarbeitern ein zufriedenstellendes Arbeiten zu ermöglichen. Ich kann nur hoffen, dass sich meine Nachfolger nicht mit zu vielen außerfachlichen Reibungspunkten konfrontiert sehen und sich voll und ganz auf die Umsetzung einer modernen Suchtbehandlung fokussieren können.

Sie haben ein neues Konzept für eine moderne Suchtbehandlung erarbeitet. Was geschieht damit?

Willis Die Neuausrichtung der Suchtbehandlung hat sich in den letzten eineinhalb Jahren in der täglichen Arbeit entwickelt. Der Handlungsbedarf war aufgrund der verminderten Nachfrage für die stationäre Therapie und den veränderten Anforderungen der Patienten notwendig. Die Einführung der Sporttherapie und das rauchfreie Krankenhaus waren beispielsweise wichtige Schritte. Die Veränderungen wurden von den Patienten gut angenommen, die Nachfrage nach der stationären Therapie hat sehr zugenommen, bei meinem Abgang war die Wartezeit auf eine stationäre Aufnahme so lang wie seit Jahren nicht mehr. Die Neuausrichtung ist auch keine Erfindung von mir, sondern nur die konsequente Umsetzung einer State-of-the-Art-Therapie von Suchterkrankungen, wie sie in den meisten Suchtkliniken international durchgeführt wird. In der Maria Ebene wird sich nun die Durchführung verzögern, aber meine Nachfolger werden sicher den eingeschlagenen Weg fortschreiten. Gerade die Patienten in Vorarlberg haben sich auch eine State-of-the-Art-Therapie verdient.

War die interne Kommunikation wirklich so schlecht wie behauptet?

Willis Die von mir vorgefundene interne Kommunikation war wirklich verbesserungswürdig. Über die Jahre hinweg haben sich Hierarchien und ganz spezifische Kommunikationswege ausgebildet, welche eine Zusammenarbeit erschwerten. Mir ist es nicht gelungen, diese etablierten Wege der Kommunikation zu durchbrechen. Auch war meinerseits oftmals der Hinweis auf die etablierten Leitlinien in der Suchttherapie wohl für manche Mitarbeiter ein Angriff, da er eine Veränderung der Therapie implizierte. Aber die Suchttherapie ist im steten Wandel, ein Beharren an etablierten Strukturen hilft weder den Patienten noch den Mitarbeitern weiter.