Die Odyssee eines Rucksacks

Vorarlberg / 08.12.2019 • 22:32 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
28-jährige Frau musste sich vor Gericht verantworten. VN/GS
28-jährige Frau musste sich vor Gericht verantworten. VN/GS

Rätsel um Diebstahl in Bregenzer Drogenszene beschäftigt die Justiz.

feldkirch Weinend betritt die 28-jährige Angeklagte den Verhandlungssaal im Landesgericht Feldkirch. „Wir kennen uns seit zehn Jahren, und jetzt das“, begründet sie die Frage von Richterin Claudia Hagen nach dem Grund der Tränen.

Es war im Sommer. Ein herrlicher Tag am Bregenzer Molo. Eine Gruppe von jungen Leuten genoss nicht nur die Sonnenstrahlen am Ufer des Bodensees, sondern auch jede Menge geistiger Getränke und andere berauschende Substanzen. Für einen jungen Mann aus der geselligen Runde wurde es dabei zu viel des „Guten“. Er kollabierte auf dem Weg in die Stadt, stürzte zu Boden und blieb bewusstlos liegen.

„Ein paar Watschen“

Seine damalige Begleiterin und nunmehr Angeklagte schildert die Geschehnisse: „Ich habe ihm ein paar Watschen gegeben, damit er aufwacht. Doch umsonst. Wir mussten die Rettung alarmieren. Vorher aber nahm ich ihm seinen Rucksack ab. Damit die Rettungsleute die Drogen darin nicht finden.“

Dieser „Freundschaftsdienst“ sollte sich allerdings nicht als wohlgemeint entpuppen. Denn er endete für die 28-Jährige mit einer Diebstahlsanzeige und nun mit einem Prozess. Der Frau wird vorgeworfen, aus dem Rucksack nicht nur die sogenannten Drogen, bei denen es sich tatsächlich um eine Wochenration an Substitutionsmitteln (Drogenersatzmedikamente) in Form von Tabletten für den süchtigen Besitzer handelte, sondern auch eine Geldtasche, eine JBL-Box (Musiklautsprecher), schriftliche ärztliche Befunde und ein Handy entwendet zu haben.

Ein Stricher

Empört weist die Beschuldigte die Anklage von sich. Denn der von ihr angeblich Bestohlene sei ein homosexueller Stricher, der sich da und dort mit sexuellen Diensten etwas Zubrot besorge. „Ich habe den Rucksack dann einem schwulen Freund von ihm überlassen“, behauptet die Angeklagte und nennt diesen Kumpanen sogar mit Namen. Doch weder dieser Name noch der angebliche Freund ist dem Geschädigten, der als Zeuge vor Gericht auftritt, bekannt. Der behauptet vielmehr: „Sie hat das Zeug gestohlen, damit sie die Tabletten selbst einnehmen kann.“ Irgendwie steht dann die Behauptung im Raum, der Rucksack sei von irgendjemandem im Krankenhaus abgebeben worden. Was sich allerdings als unwahr herausstellte.

Sicher ist hingegen, dass der, inzwischen entleerte, Rucksack eine Woche nach dem Vorfall in einem Supermarkt auftauchte. Bis klar ist, welchen Weg das Gepäckstück genommen hatte und in welchen Händen er sich befand, werden noch Zeugen befragt. Der Prozess wird deshalb bis auf Weiteres vertagt. VN-GS