Warum junge Menschen Zukunftsängste haben

Vorarlberg / 08.12.2019 • 16:50 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Podiumsteilnehmer Martin Hagen, Wolfgang Türtscher, Aaron Wölfling und der Moderator Thomas Matt. ERH
Die Podiumsteilnehmer Martin Hagen, Wolfgang Türtscher, Aaron Wölfling und der Moderator Thomas Matt. ERH

Im Kolpinghaus fand ein gesellschaftspolitischer Stammtisch statt.

dornbirn Vor 50 Jahren ging die Angst um, dass das Öl, aus damaliger Sicht, nur noch 30 Jahre aus der Erde sprudeln könnte. Das Blatt hat sich gewendet. „Ich wäre froh, wenn es so gekommen wäre“, sagt Aaron Wölfling, 17, auf dem Heimweg vom gesellschaftspolitischen Stammtisch im Kolpinghaus, wo er Teilnehmer auf dem Podium war. Entspricht es dem Titel der Veranstaltung des Ethikcenters der Katholischen Kirche Vorarlberg, „Eiszeit zwischen Jung & Alt“, dass der Schüler Aaron Wölfling und der Lehrer Wolfgang Türtscher, unterschiedliche Ansichten haben?

„Jugendliche, die nicht demonstrieren, sind nicht jung“, zeigte Wolfgang Türtscher, Obmann der ÖAAB Lehrerinnen und Lehrer, Verständnis. Er bewundert das Engagement, aber es stört ihn, wenn während der Schulzeit demonstriert wird. Aaron Wölfling, von Moderator Thomas Matt als Gesicht der Fridays for Future Bewegung in Vorarlberg vorgestellt, konterte: „Genau durch den Boykott haben wir uns erst richtig Gehör verschafft und die nötige Aufmerksamkeit für unsere Angst vor der Zukunft bekommen.“

Keine Glaubenssache

Kein Zweifel besteht für Martin Hagen, Geschäftsführer der offenen Jugendarbeit Dornbirn, dass die Erderwärmung menschengemacht ist: „Es ist keine Glaubenssache, sondern wissenschaftlich erwiesen.“ Den individuellen Verzicht jedes Einzelnen einzufordern, löse das Problem nicht, auch nicht das viel zitierte Plastiksackerl. Die Diskussion auf moralischer und persönlicher Ebene und die Frage, „Was tust du selbst?“, treffe nicht die Hauptverursacher der Klima­krise. Im Impulsreferat benannte er die Reihenfolge jener, die den viel zu hohen CO2-Ausstoß zu verantworten haben: Energiewirtschaft (Erdöl, Kohle), Industrie, Verkehr, Bauwirtschaft und die Landwirtschaft. Die Fridays for Future Proteste hätten immerhin bewirkt, dass der Klimanotstand ausgerufen wurde und jetzt sei es Aufgabe der Staaten, kluge Entscheidungen zu treffen, so Hagen. Auf das eigene verantwortungsvolle Handeln als Vorbildwirkung legten manche der Besucher großen Wert. Die Ängste der Menschen nicht kleinreden wollte Thomas Matt nach einer Meldung aus dem Publikum, meinte aber „vielleicht ist anstelle der Resignation noch Zeit für was anderes.“ „Jetzt haben wir noch die Zeit, etwas zu ändern“, so Aaron Wölfling, ergänzte allerdings: „Der Klimawandel ist seit mehr als 30 Jahren bekannt und wir stehen jetzt bei 1,1 Grad globaler Erwärmung“. Weiter führte er aus: „Schon bei 1,5 Grad Erwärmung besteht die Gefahr, dass Ökosysteme zum Kippen gebracht werden, und ich kenne viele Leute, die eine riesige Angst haben davor. Die Politik muss jetzt die Rahmenbedingungen schaffen – ökologisches Verhalten muss lukrativ sein“. ERH