Was Mieten teuer macht

Vorarlberg / 08.12.2019 • 19:59 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Wohnungen werden in Vorarlberg für sehr kurze Zeit vergeben.

SCHWARZACH Wohnen ist teuer in Vorarlberg. Die durchschnittliche Monatsmiete pro Quadratmeter belief sich im vergangenen Jahr inklusive Betriebskosten auf neun Euro. Österreichweit handelte es sich um 7,80 Euro. Was sich nach einem kleinen Unterschied anhört, ist im Endeffekt ein großer: Bei einer 100 Quadratmeter-Wohnung handelt es sich Monat für Monat um immerhin 120 Euro.

Für das hohe Preisniveau in Vorarlberg gibt es viele Gründe. „Überschaubares Angebot, beträchtliche Nachfrage“, beispielsweise. Sehr wahrscheinlich ausschlaggebend ist darüber hinaus aber auch die Mietvertragsdauer: Sie ist hierzulande so niedrig wie sonst nirgends in Österreich.

Drei Viertel befristet

In Vorarlberg sind fast drei Viertel der Mietwohnungen befristet. Bei ihnen beträgt die mittlere Mietvertragsdauer laut Statistik Austria gerade einmal 2,8 Jahre. Wobei „mittlere“ bedeutet, dass die Dauer bei 50 Prozent der Immobilien größer ist und bei 50 Prozent niedriger. In Wien beträgt dieser Wert ganze 8,3 Jahre. In allen anderen Ländern sind es zwischen 4,3 und 5,7 Jahren (siehe Grafik).

Einer Detailauswertung der Statistik Austria ist zu entnehmen, dass 2018 in Vorarlberg 37,1 Prozent der befristeten Wohnungen eine Vertragsdauer von weniger als zwei Jahren hatten. Bei weiteren 28,9 Prozent belief sie sich auf zwei bis weniger als fünf Jahre. Das ergibt in Summe zwei Drittel mit überschaubarer Laufzeit.

Kurze Befristungen sind grundsätzlich eher gut für Vermieter und schlecht für Mieter, wie Wohnungsexperte Michael Klien vom Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO bestätigt: „Vermieter kommen so zur Möglichkeit, die Preise alle zwei, drei Jahre ans Marktniveau anzupassen.“ Das sei in der Regel wesentlich attraktiver als eine bloße Anpassung an die Inflation oder eine andere Indexierung, wie sie bei gewöhnlichen Mietverträgen im Rahmen der Laufzeit gebräuchlich ist. Mieter müssen dagegen öfter die Wohnung wechseln und stark steigende Preise hinnehmen.

„Es gibt wenig Anreize, unbefristet zu vermieten“, analysiert der gebürtige Dornbirner Micheal Klien weiter. Im Gegenteil, für viele Vermieter hätten Befristungen auch etwas Beruhigendes: „Sie sind eine Art Versicherung.“ Im Fall des Falles sind sie nicht ewig an unliebsame Mieter gebunden, sondern werden sie automatisch wieder los. Grundsätzlich wird das laut Klien aber einer der zentralen Punkte einer Mietrechtsreform sein. Bei ihr werde es darum gehen, die Interessen beider Seiten möglichst gut unter einen Hut zu bringen.

Vertragsdauer hat Einfluss

Aus der Statistik wird deutlich, dass die Miethöhe nicht zuletzt mit der Vertragsdauer zusammenhängt. Bei weniger als zwei Jahren beträgt sie 9,80 Euro pro Quadratmeter. Bei zwei bis weniger als fünf Jahren handelt es sich um 9,60 Euro, bei fünf bis unter zehn Jahren um genau acht Euro und bei zehn bis weniger als 20 Jahren um 7,80 Euro. Am niedrigsten ist die Miete bei einer de facto unbefristeten Vertragsdauer von über 30 Jahren – hier beläuft sie sich auf gerade einmal sechs Euro. JOH