Vom Luftschiff in die Steilwand

Vorarlberg / 09.12.2019 • 20:46 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Vorarlberger Sportkletterer Beat Kammerlander (Mitte) war den Freeridern bei der Auswahl des Gipfels behilflich.
Der Vorarlberger Sportkletterer Beat Kammerlander (Mitte) war den Freeridern bei der Auswahl des Gipfels behilflich.

Zeppelinskiing im Brandnertal: Drei Freerider in Aktion.

Schwarzach Am Tag X musste alles passen: der Schnee, das Wetter, die Temperatur, der Wind. „Wir brauchen Minustemperaturen. Das hat mit dem Heliumvolumen zu tun: Je kälter es ist, desto mehr Helium können wir mitnehmen, desto mehr Auftrieb haben wir und desto mehr Reserve“, erläutert Zeppelin-Chefpilot Fritz Günther im Zuge eines Erkundungsflugs im Vorfeld. Mitte Februar dieses Jahres ist es schließlich soweit. Nach über zwei Jahren Vorbereitungszeit steigen die drei Tiroler Freerider Stefan Ager, Andreas Gumpenberger und Fabian Lentsch in Friedrichshafen in die Kabine eines 75 Meter langen Zeppelins. Ihr Ziel: das Brandnertal, genauer gesagt der Kleine Valkastiel (2233 Meter). Dort wollen sie sich vom Luftschiff abseilen und an der unzugänglichen Steilwand ihre Spuren in den Schnee ziehen. Bildlich festgehalten wird das Abenteuer von einem ServusTV-Kamerateam.

Am Anfang war ein Ballon

„Wir haben das vor ein paar Jahren schon einmal mit einem Heißluftballon bei uns im Ötztal gemacht. Den konnte man ja nicht lenken, deshalb haben wir aus Spaß gesagt: ,Machen wir es halt mit dem Zeppelin‘“, erzählt Stefan Ager im VN-Gespräch. Irgendwann wurde aus der verrückten Idee, ein immer konkreteres Abenteuer. Nächstes Ziel: Friedrichshafen. „Ein bisschen Überzeugungsarbeit mussten wir bei der Zeppelinfirma schon leisten. Unser Glück war, dass kurz vor unserer Anfrage ein neuer Geschäftsführer angefangen hat, der privat Skitourengeher ist und Feuer und Flamme für das Projekt war“, ergänzt Ager. Bei der Auswahl des Berges holten sich die Freerider Unterstützung bei einer Vorarlberger Sportkletterlegende. Beat Kammerlander (60) nahm Stefan Ager und Andreas Gumpenberger mit auf eine Zimbaüberschreitung. Aufgrund der Anforderungen (maximal eine Stunde Anflug und nicht viel höher als 2100 Meter) fiel die Wahl schließlich auf den Kleinen Valkastiel. „Da ist eigentlich niemand unterwegs, weil es ein komplizierter, weiter Zustieg ist. Ganz ins Tal zu fahren ist von dieser Seite auch nicht einfach“, beschreibt Kammerlander die Route.

50 Meter über dem Gipfel

Es folgte eine Expedition im Sommer und eine weitere im Winter. Am Tag X gab es nur einen Versuch. Über ein 50 Meter langes Seil ging es hinab in die Tiefe. Andreas Gumpenberger über den Moment der Wahrheit: „Als ich unter dem Zeppelin hing, hatte ich das Gefühl, ich seile mich von einer Wolke ab. Es fühlte sich ziemlich skurril an.“ Am kommenden Montag ist die Dokumentation „Zeppelinskiing –Mit dem Luftschiff in die Berge“ auf ServusTV zu sehen. Beat Kammerlander war bei der Premiere dabei: „Wie das Ganze aufbereitet ist, ist richtig spannend. Vom Anfang bis zum Ende“, resümiert er. VN-ger

„Ein bisschen Überzeugungsarbeit mussten wir bei der Zeppelinfirma schon leisten.“

Die drei Athleten schreiten zur Tat: Von Friedrichshafen ging es über Bregenz in Richtung Brandnertal.
Die drei Athleten schreiten zur Tat: Von Friedrichshafen ging es über Bregenz in Richtung Brandnertal.
Der Tag X: Der Zeppelin am wolkenlosen Himmel über dem Kleinen Valkastiel. ServusTV
Der Tag X: Der Zeppelin am wolkenlosen Himmel über dem Kleinen Valkastiel. ServusTV

„Bergwelten: Zeppelinskiing – Mit dem Luftschiff in die Berge“ ist am kommenden Montag, 16. Dezember, ab 20.15 Uhr auf ServusTV zu sehen.