In der Schule darf geschmatzt werden

Vorarlberg / 11.12.2019 • 20:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Sophia Haag (10) aus Schwarzach ist mit Tieren aufgewachsen. Im Rahmen von "Schule am Bauerhof" besuchen auch viele Klassen den Hof ihrer Eltern. VN/Lerch
Sophia Haag (10) aus Schwarzach ist mit Tieren aufgewachsen. Im Rahmen von „Schule am Bauerhof“ besuchen auch viele Klassen den Hof ihrer Eltern. VN/Lerch

Das Projekt „Schmatzi“ hat an den Vorarlberger Volksschulen Einzug gehalten.

Geraldine Reiner

Schwarzach Schnappi das Krokodil war gestern. Jetzt kommt Schmatzi. Schmatzi ist zwar kein Tier, der Name aber Programm. Mit dem Projekt soll Kindern auf spielerische Art und Weise die Bedeutung von gesunden, regionalen und saisonalen Lebensmitteln nähergebracht werden. Im November haben die ersten zwölf Vorarlberger Volksschullehrer die Schmatzi-Fortbildung an der Pädagogischen Hochschule in Feldkirch besucht. Am Mittwoch fand die offizielle Präsentation auf dem Hof der Familie Haag in Schwarzach statt.  

„Schmatzi – Essen mit allen Sinnen“ wurde 2001 vom Ländlichen Fortbildungsinstitut (LFI) Tirol entwickelt. Jasmin Nägele hat vor der Einführung in Vorarlberg eine Umfrage unter Volksschullehrern durchgeführt. „Die Auswertung hat ergeben, dass die Themen Land- und Forstwirtschaft im Unterricht selten behandelt werden und dass der Bedarf an gutem Unterrichtsmaterial gegeben und solches erwünscht ist“, erläutert die Projektverantwortliche beim LFI Vorarlberg. Es gibt die Schmatzi-Mappe und die Schmatzi-Kiste. Die darin enthaltenen Unterlagen sowie Spiel- und Lernmaterialien orientieren sich an den Lernzielen und am Unterrichtsalltag der 1. und 2. Schulstufe.

Fürs Klima

Sabrina Raich verwendet Schmatzi bereits. „Mit der Schmatzi-Kiste haben wir ganz tolles Material in die Hand bekommen. Den Kindern wird richtig bewusst, dass sie auf ihre Ernährung besser schauen müssen“, berichtet die Lehrerin an der Volksschule Göfis.

Schullandesrätin Barbara Schöbi-Fink würde sich wünschen, dass künftig noch sehr viele Pädagogen diese Fortbildung besuchen. „Es ist höchst wichtig, dass man bei den Kleinsten beginnt und bei ihnen dieses Bewusstsein weckt“, betont sie. Landwirtschaftslanderat Christian Gantner geht es bei dem Projekt auch um den Klimawandel. „Regionale Lebensmitteln sind ressourcenschonendend, haben wenige Kilometer auf dem Rücken. Es entscheidet sich beim täglichen Einkauf, ob man für unser Klima etwas machen möchte“, unterstreicht Gantner. Das bekräftigt auch Bundesbäuerin und Landwirtschaftskammervizepräsidentin Andrea Schwarzmann. Ziel des neuen Lehrangebots sei es, die Wertschätzung regionaler und saisonaler Lebensmittel zu stärken und das Bewusstsein zu vermitteln, welche Lebensmittel wo und zu welcher Jahreszeit wachsen. „Wir stehen täglich vor überquellenden Regalen in Lebensmittelgeschäften und haben vielfach schon das Gefühl dafür verloren, woher unsere Lebensmittel stammen“, sagt sie und ergänzt: „Wir fordern von der Politik, denken aber zu wenig darüber nach, was jede Einzelne im Kleinen beitragen kann.“