Zocker. Keine Tragödie

Vorarlberg / 11.12.2019 • 19:48 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Das Weihnachtsfest kommt näher und das Land übt sich in Geduld. Ob es noch eine Regierung unterm grünen Baum geben wird? Kaum einer glaubt daran. Die Grünen haben offenbar beschlossen, sich nicht abzocken zu lassen. Und so geht die Runde vermutlich ins nächste Jahr. Auch wenn das Publikum mit den Füßen scharrt, es kann nicht schaden, dass sich die unfreiwilligen Koalitionäre Zeit lassen. Sich einarbeiten in die schwierigen, langweiligen, mühseligen Ebenen des Kompromisses. Der völlig zu Unrecht einen schlechten Ruf genießt.

Während die Verhandlungsteams zum Stillschweigen verdammt sind (wer zu viel redet, fliegt raus), darf sich das Publikum stattdessen mit den Hinterlassenschaften der blau-türkisen Koalition beschäftigen. Die einen mit ungläubigem Kopfschütteln, die anderen mit neunmalklugem Grausen, und immer noch viele mit zusammengebissenen Zähnen.

Glücksspiel

Ein großer Teil dieser Erbschaft wird gerade im Casino verspielt, wörtlich und auch im übertragenem Sinne. Die Polit-Zocker haben sich ausgerechnet – oder logischerweise – auch die Glücksspielbranche ausgesucht, um sich zu bedienen. Es gilt – wie immer – die Vermutung der Unschuld, als Prinzip. Denn das, so weiß der Boulevard und auch sonst jeder sofort: Das hat man in Österreich eh schon immer gemacht. Jobs nach Farben verteilt – und jetzt kam Blau eben auch mal dran.

Hemmungslosigkeiten

Was dabei vergessen wird: Es gäbe ja durchaus gute Gründe, dass in heiklen Schlüsselbranchen auch politische Vernunft ein Wörtchen mitzureden hat. Auch im Glücksspielgewerbe, wo der Hemmungslosigkeit in jeder Hinsicht aus guten Gründen Einhalt geboten werden sollte. Gibt es doch hier – wie überall – nicht nur Menschen, die sich bereichern, sondern auch solche, die sich ruinieren wollen. Spielsucht ist auch ein Weg, sich von aller Last zu befreien.

Doch ob es eine gute Idee ist, Leute mit Rucksäcken voller ukrainischem Schwarzgeld die Kontrolle über die Finanzen der österreichischen Casinos zu überlassen? Auch diese Hemmungslosigkeit zeigt sich nicht nur, wenn es darum geht, sich zu bereichern, sondern auch dann, wenn es darum geht, sich zu ruinieren. Für eine Tragödie reicht der Stoff nicht. Aber für eine böse Satire schon.

„Ein großer Teil dieser Erbschaft wird gerade im Casino verspielt, wörtlich und auch im übertragenem Sinne.“

Hanno Loewy

hanno.loewy@vn.at

Hanno Loewy ist Direktor des ­Jüdischen Museums in Hohenems.