Ein „von“ sorgt für Aufregung

Vorarlberg / 13.12.2019 • 11:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Dornbirnerin Christel Troll-von Steiger und ihr Ehemann, der Schweizer Niklaus von Steiger, machen sich für eine Novellierung des Adelsaufhebungsgesetzes stark.
Die Dornbirnerin Christel Troll-von Steiger und ihr Ehemann, der Schweizer Niklaus von Steiger, machen sich für eine Novellierung des Adelsaufhebungsgesetzes stark.

Das Ehepaar von Steiger kämpft weiter um den Nachnamen.

Bettina Maier-Ortner

Dornbirn Es geht um drei Buchstaben. Doch für das Ehepaar, die Dornbirnerin Christel Troll-von Steiger und den Schweizer Niklaus von Steiger, mit Wohnsitzen in der Schweizer Hauptstadt Bern und in Dornbirn, bedeuten diese drei Buchstaben einiges. Das Paar kämpft seit der Eheschließung im Mai 2017 darum, den gleichen Namen zu tragen. In Bern beantragte sie in der österreichischen Botschaft ihren Pass. Darauf folgte die Nachricht, dass der Doppelname Troll-von Steiger nicht möglich sei. Da sie das nicht akzeptierte, ist sie bis heute ohne österreichischen Pass. Im Zentralen Personenstandsregister (ZPR) wurde ihr Nachname auf Troll-Steiger geändert. Die VN berichteten. „Nachdem wir bis Ende November nichts von der Stadt Dornbirn gehört haben, haben wir auf Empfehlung eines selbst betroffenen Verwaltungsjuristen einen Antrag auf Devolution (Säumnisbeschwerde) eingebracht“, informiert Niklaus von Steiger. „Die diesbezüglichen Schreiben haben diese Woche das Standesamt Dornbirn und das Land Vorarlberg erreicht. Nun wird die Behörde reagieren müssen“, hofft er auf eine positive Nachricht und eine mögliche Behandlung vor dem Landesverwaltungsgericht Vorarlberg. Ob dies noch vor Weihnachten der Fall sein wird, wagt er zu bezweifeln. Auf VN-Nachfrage bei der Stadtamtsdirektion informiert Stefan Kempter, dass die Beschwerde eingelangt sei, er sich aber zu dem laufenden Verfahren nicht äußern könne. Nur so viel: „Wir haben das Einschreiben wohlwollend interpretiert, und der Fall wird an das zuständige Landesverwaltungsgericht weitergeleitet.“

Bei einer für sie negativen Entscheidung behält sich Christel Troll-von Steiger die Option vor, um die Schweizer Staatsbürgerschaft anzusuchen. Unterdessen werden anderweitig Fälle von „Namensberichtigungen“ verhandelt, wie der durch seine Facebookseite „Adelsaufhebungsgesetz“ in Österreich gut vernetzte Schweizer weiß: „Ein Fall einer Oberösterreicherin ist bereits beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anhängig. Auch klagen mehrere Personen gegen die Republik.“ Für das österreichisch-schweizerische Ehepaar ist das Gesetz nicht zeitgemäß und bedarf einer Novellierung. Sie verweisen auf „viele binationale Ehen und andere Länder wie Deutschland, Italien, Frankreich, wo ein ‚von‘, ‚di‘, ‚de‘ selbstverständlich zum Namen gehört“. VN-bem

Adelsaufhebungsgesetz

Am 3. April 1919 als Reaktion auf das Ende der Monarchie von der Nationalversammlung der Ersten Republik verabschiedet. „… Aufhebung des Adels, der weltlichen Ritter- und Damenorden und gewisser Titel und Würden.“ – So der Titel des Gesetzes. Niemand sollte aufgrund seines adeligen Titels Privilegien im jungen Staat genießen.