FPÖ: Hofer und Kickl sind das Problem

Vorarlberg / 13.12.2019 • 19:38 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

„Freund, Feind, Parteifreund“, heißt eine alte Steigerungsformel, die auch von Freiheitlichen gelebt wird: „Die drei wahrscheinlich schlechtesten & faulsten Abgeordneten verlassen uns in Richtung Bündnis Zukunft Ibiza“, twitterte der Wiener FPÖ-Gemeinderat Leo Kohlbauer diese Woche, nachdem sich drei seiner bisherigen Parteifreunde der Heinz-Christian-Strache-Liste „Allianz für Österreich“ angeschlossen hatten. Tags zuvor hätte er sich wohl noch überschwänglich über sie geäußert, wenn er um eine Einschätzung gebeten worden wäre. Wie das halt so üblich ist in der Politik: Man sagt nicht, was man sich denkt, sondern was verlangt wird. Wobei Leute wie Kohlbauer sogar in Kauf nehmen, sich selbst vollkommen unglaubwürdig zu machen.

Im Falle der FPÖ reicht das hinauf bis zur Spitze: Bei Bundesobmann Norbert Hofer und Klubchef Herbert Kickl ist Strache in Ungnade gefallen. Bis zu einem gewissen Grad ist das nachvollziehbar: Beide hatten „HC“ nicht nur ihren Aufstieg, sondern auch den Verlust ihrer Regierungsämter zu verdanken.

Das Problem der Freiheitlichen ist jedoch, dass Hofer und Kickl im Unterschied zu Strache nicht nur weiterhin eine Rolle spielen in der Partei, sondern diese seit geraumer Zeit eben auch noch führen.

Strache hat extrem viel Mist gebaut. Strafrechtlich ist noch alles offen, politisch aber ist die Sache klar: Allein schon die Bereitschaft zu Korruption, die er im Ibiza-Video zum Ausdruck gebracht hat, hat ihn untragbar gemacht. Umso bemerkenswerter ist, wie sich Strache um ein Comeback bemüht: Der 50-Jährige benimmt sich wie ein kleines Kind, das noch nicht gelernt hat, zu seiner Verantwortung zu stehen und Konsequenzen zu ziehen. Da ist null Einsicht, gar nichts.

Strache war nicht allein

Auf der anderen Seite aber hat Strache die FPÖ seit 2005 nicht allein groß gemacht. Er hatte seine Helfer. Allen voran Hofer und Kickl. Beide standen von der ersten Stunde weg an seiner Seite, der eine als stellvertretender Parteichef, der andere als Generalsekretär.

Beide erklären heute, von dem, was Strache so getrieben habe, nichts mitbekommen zu haben. Sagen wir „okay, das war so“. Das bedeutet, dass sie maßgebliche Parteifunktionen bekleidet haben, auf einem Auge jedoch blind gewesen sind. In der Privatwirtschaft wäre ihr Schicksal besiegelt. Doch die FPÖ wird schon wissen, was sie tut: Sie unterwirft sich entscheidenden Trägern der Ära Strache, schlittert von Wahlniederlage zu Wahlniederlage und verbaut sich mit den Altlasten letzten Endes auch einen Neubeginn.

„Unter Strache haben beide maßgebliche Funktionen bekleidet, wollen jedoch auf einem Auge blind gewesen sein.“

Johannes Huber

johannes.huber@vn.at

Johannes Huber betreibt die Seite dieSubstanz.at – Analysen und Hintergründe zur Politik.