„Man sollte von der Vignette wegkommen“

Vorarlberg / 13.12.2019 • 20:16 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die digitale Vignette muss in Hohenems zukünftig nur noch in eine Richtung gelöst werden. VN/STeurer
Die digitale Vignette muss in Hohenems zukünftig nur noch in eine Richtung gelöst werden. VN/STeurer

Experten und Politiker fordern Alternativen zur Vignettenpflicht.

Schwarzach 25,2 Kilometer sorgen für große Aufregung. Ab Sonntag ist die Strecke zwischen Hörbranz und Hohenems auf der A14 ohne Vignette befahrbar. Während man sich in Bregenz und Umgebung weniger Verkehr erhofft, sind es 20 Kilometer weiter südlich die Hohenemser, Lustenauer und Kummenberger, die sich vor der Blechlawine fürchten. Einig sind sich die Politiker hüben wie drüben: Wenn überhaupt, handelt es sich bei der Vignettenbefreiung nur um eine kurzfristige Maßnahme. Langfristig braucht es andere Elemente.

Relativ erfreut

Der Bregenzer Bürgermeister Markus Linhart freut sich zwar, hält grundsätzlich aber wenig von der Vignette: „Die Diskussion und der ganze Verlagerungsverkehr in der Grenzregion zeigen, dass die Vignette als Finanzierungsinstrument völlig ungeeignet ist.“ Das bestehende Mautsystem verursache wirtschaftlichen Schaden. „Meine Hoffnung ist, dass endlich die Vignette an sich infrage gestellt wird.“ Bis auf Gerald Loacker (Neos) haben alle Vorarlberger Nationalrats- und Bundesratsabgeordneten zugesimmt. Auch Adi Gross, da die Vignette den Raum Bregenz entlaste. „Die Vorteile sind größer als die Nachteile.“ Es sei aber keine abschließende Lösung.

Günter Emberger, Forschungsbereichsleiter für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik an der TU Wien, hält nicht viel von der Mautbefreiung. Dem übergeordneten Ziel, weniger Verkehr zu verursachen, widerspreche die Maßnahme. „Man sollte von der Vignette wegkommen und eine Maut einführen, die für alle gilt, und zwar auf allen Straßen.“ Diese Maut könnte sich aus mehreren Faktoren berechnen: aus den gefahrenen Kilometern, der Tageszeit und den verursachten Emissionen. „In der Hauptverkehrszeit kostet es bei bestimmten Routen mehr, zu einer anderen Tageszeit weniger. Die Technologie gibt es bereits“, betont Emberger. Das müsse sozial verträglich geschehen.

Markus Mailer, Arbeitsbereichsleiter für intelligente Verkehrslösungen an der Uni Innsbruck, hat die Auswirkungen in Kufstein untersucht. „Als im Jahr 2013 die Vignettenpflicht kontrolliert wurde, stieg das Verkehrsaufkommen in Kufstein um zehn bis 15 Prozent.“ Für die Region dürfte es eine Entlastung sein, auch wenn es verkehrspolitisch das falsche Signal ist. Statt die Strecken von der Maut zu befreien, hätte man auch versuchen können, die Akzeptanz der Vignette zu erhöhen. „Zum Beispiel durch Hotels, die ihren Gästen eine digitale Vignette zu ihrem Zimmer besorgen.“ Kufstein habe zudem schon eine Ampel installiert, die den Stau in das Umland verlagert.

Diskussion im Landtag

Der Bregenzer Bürgermeister Linhart schlägt vor, statt der Vignette einen Aufschlag auf Treibstoffpreise zu verrechnen. „Damit hätten wir eine Verursacher- und Leistungsgerechtigkeit sowie einen ökologischen Lenkungseffekt.“ Auch Adi Gross betont: „Wir sind für die Abschaffung der Vignette und für eine fahrleistungsabhängige Maut.“

Die Mautbefreiung gilt ab Sonntag. Die Bürgermeister von Lustenau, Hohenems und Altach gehen vor den Verfassungsgerichtshof. Die FPÖ hat die Vignette zum Thema der Aktuellen Stunde in der Landtagssitzung am Donnerstag gemacht. Die Diskussion geht also weiter. VN-ebi, mip