Aus der Traum vom Traumauto

Vorarlberg / 16.12.2019 • 22:29 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Angeklagte zeigt sich nicht geständig, die Bezahlung der Leasingraten absichtlich versäumt zu haben. VN/GS
Der Angeklagte zeigt sich nicht geständig, die Bezahlung der Leasingraten absichtlich versäumt zu haben. VN/GS

Weil er die Leasingraten für teure Nobelkarosse nicht abstotterte: 30-Jähriger wegen schweren Betrugs vor Gericht.

Feldkirch Für ihn, einen selbstständigen Geschäftsführer in spe, musste der neue Schlitten schon etwas Besonderes sein. Es war im Jahr 2017, und beim teuren Mercedes-Cabrio, ausgestellt in einem Dornbirner Autohaus, war es Liebe auf den ersten Blick. Der Haken dabei: Die vereinbarte Leasingrate in Höhe von 750 Euro hieß für den damals noch geringfügig Beschäftigten eine harte Nuss zu knacken – eine zu harte Nuss, wie sich bald zeigen sollte.

Denn die Angelegenheit endete für den heute 30-Jährigen schließlich mit einer Anklage wegen des Verbrechens des schweren Betrugs. Staatsanwalt Markus Fußenegger bringt es bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch mit wenigen Worten auf den Punkt: „Mit den unterschiedlichsten Ausreden hat er von den Leasingraten bis heute mehr oder weniger bis fast gar nichts bezahlt.“ Was der Angeklagte allerdings bestreitet, denn er habe mehrere Raten bereits beglichen. Offen sind jedenfalls noch Leasingforderungen in der Höhe von 55.800 Euro.

Ein eigenes Unternehmen

Der Angeklagte selbst gibt an, früher in der Schweiz recht gut verdient zu haben. Allerdings nur ein paar Monate lang. Dann zog es ihn wieder zurück nach Vorarlberg. Er war beseelt von der Gründung eines eigenen Unternehmens. „Ich hatte wieder Blut geleckt und etwas Konkretes im Kopf – tatsachwahr!“, beteuert er.

Offenbar ist es ihm vor wenigen Monaten tatsächlich gelungen, im Vorarlberger Unterland etwas auf die Beine zu stellen. Eine GmbH, die ihm selbst als Geschäftsführer mindestens 5000 Euro monatlich einbringen würde, versichert er gegenüber dem Schöffensenat unter dem Vorsitz von Richter Martin Mitteregger. Vor zwei Jahren aber habe er damit begonnen, sich auf das neue Projekt zu konzentrieren und die geringfügige Beschäftigung aufgegeben. „Bezüglich der Leasing­raten dachte ich mir damals, dass es schon irgendwie geht. Und wenn alle Stricke reißen, dann würde ich es eben mit dem Arbeitslosengeld richten.“ Worte, die Staatsanwalt Fußenegger wie folgt kommentiert: „Alle Stricke sind gerissen, und Sie haben trotzdem nicht bezahlt!“

Im „Abwärts-Strudel“

Doch der Angeklagte kontert damit, dass es zu unvorhergesehenen Ereignissen gekommen sei, die ihn plötzlich in einen „Abwärts-Strudel“ gerissen hätten. Da war etwa ein vielversprechender Geschäftspartner, mit dem die Kooperation scheiterte, weil Besagter selbst in finanzielle Probleme geschlittert sei.

Auch offene BH-Strafen mussten noch getilgt werden. Die Verhandlung kann noch nicht geschlossen werden, weil ein Vertreter des Autohauses als damaliger Vertragspartner andere Versionen bezüglich der Vereinbarungen auftischte. Der Mann muss noch als Zeuge vernommen werden, weshalb der Prozess vertagt wird. VN-GS