Diesel, so lange es möglich ist

Vorarlberg / 16.12.2019 • 19:25 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Fahrplan ist neu, die Antriebstechnologie alt. Auch die neuen Landbusse werden dieselbetrieben sein. VN/Steurer
Der Fahrplan ist neu, die Antriebstechnologie alt. Auch die neuen Landbusse werden dieselbetrieben sein. VN/Steurer

Landbus Unterland möchte noch rasch Dieselbusse bestellen, bevor es eine EU-Richtlinie verbietet.

Schwarzach Feinstaubbelastung hoch, beim Verbrauch geschummelt: Das Image des Dieselmotors ist spätestens seit dem VW-Skandal im Keller. Der Verbrennungsmotor gilt insgesamt als Auslaufmodell. Langfristig soll der Individualverkehr auf Car-Sharing, Fahrrad und öffentlichen Verkehr basieren. Doch auch ein Bus muss angetrieben werden. Dies geschieht derzeit vor allem mittels Dieselmotoren, die Landesregierung möchte davon loskommen.

Die Landesregierung hat keine andere Wahl: Eine EU-Richtlinie zwingt Österreich, die Busflotte ab dem 2. August 2021 so umzurüsten, dass bis 31. Dezember 2025 45 Prozent aller Busse mit sauberen Energieträgern angetrieben werden. Man könnte schon jetzt beginnen, die Flotte umzurüsten – Pflicht ist es noch nicht. Beim Landbus Unterland möchte man die Zeit nutzen: So lange es noch möglich ist, sollen neue Dieselbusse bestellt werden, wie es im Protokoll der jüngsten Verbandsversammlung heißt. Die Neos sind empört, sie wenden sich mit einer Anfrage an Mobilitätslandesrat Johannes Rauch (Grüne).

Vor 1. August

Der Landbus Unterland braucht neue Gelenkbusse. Ende 2019 sollen die ersten vier Busse ausgeschrieben werden. Eine weitere Ausschreibung folgt bis Sommer 2021, heißt es im Protokoll. Und weiter: „Wichtig ist es vor dem 01.08.2021 ausgeschrieben zu haben, da später eine Mindestquote sauberer Straßenfahrzeuge einzusetzen ist.“ Neos-Landtagsabgeordneter Gerfried Thür ist überzeugt: „Wer Ausschreibungen vorzieht, um Klimaauflagen aus dem Weg zu gehen, begeht Raubbau an der nächsten Generation.“ Landesrat Rauch war bei der betreffenden Sitzung nicht anwesend, Thür möchte deshalb unter anderem von ihm wissen, ob er dieser Beschaffungsstrategie zustimme. Rauch selbst war am Montag nicht für die VN erreichbar. Aus seinem Büro heißt es, dass die Fragen zu den Gelenkbussen in der Anfrage beantwortet werden und man dem nicht vorgreifen möchte. Selbiges gilt für den Verkehrsverbund. Man möchte die Antwort auf die Anfrage abwarten.

Weiter Warten auf E-Busse

Auch Elektrobusse werden im Protokoll thematisiert. Eigentlich sollten bereits seit Dezember 2018 vier Stück im Walgau und im Vorderland unterwegs sein, bisher wurde aber noch keiner geliefert. Mittlerweile wurde der Auftrag neu ausgeschrieben. Im Protokoll steht dazu: „Auch wenn die Wirtschaftlichkeit aktuell nicht gegeben ist, ist es das Gebot der Stunde, Erfahrungen mit der neuen Antriebstechnologie zu sammeln.“ Verkehrsverbund-Chef Christian Hillbrand hofft im VN-Gespräch auf den Einsatz im Frühling. „Der Fahrgast wird davon aber gar nicht viel merken“, erklärt er. Die Busse werden vor allem zwischen Feldkirch und Götzis fahren und unterscheiden sich optisch nicht erheblich. Es gibt einiges zu testen, zum Beispiel, wie Ladezyklen ideal getaktet werden. Die Ladestation stehe bereits am Parkplatz der Post-Busse. Billig sind die Busse nicht. Der Landbus Unterland wandte sich deshalb an die Landesregierung. Im Sitzungsprotokoll heißt es: „Der weitere Ausbau kann nur mit einem neuen Finanzierungsübereinkommen zwischen Land und Gemeinden realisiert werden.“

Auch Busse sind nicht vor Staus gefeit. Busspuren sollen helfen: Eine war in Lauterach und eine in Lustenau geplant. Die Projekte waren bereits eingereicht, sie wurden von der Bezirkshauptmannschaft allerdings nicht genehmigt. Züge hätten dieses Problem nicht. Seit Sonntag gilt der neue Fahrplan, der eigentlich mit neuen Talent-3-Garnituren befahren werden sollte. Auch auf deren Auslieferung wartet das Land bekanntlich noch immer.

„Wer deswegen Ausschreibungen vorzieht, begeht Raubbau an der nächsten Generation.“