Lustig, laut und unkompliziert

Vorarlberg / 16.12.2019 • 19:27 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Kürzlich hat mich das Architekturzentrum Wien eingeladen, an einem Podium teilzunehmen. Ich sagte gleich, dass ich Architektur sozusagen nur vom Anschauen kenne und vom Bewohnen. Ja, genau deswegen wollten sie mich da sitzen haben, sagten die Damen vom AZW, es werde nämlich eine Ausstelllung über die Vorarlberger Baukünstler-Architektur eröffnet, ein Generationendialog von jüngeren und älteren Vorarlberger Architektinnen und Architekten. Und ich hätte doch mehrere Kolumnen über Rudolf Wäger geschrieben, und das wunderbare und fantastisch alternde Haus, das Wäger in den Siebzigerjahren für meine Familie gebaut hat.

Ja, stimmt. Und ich kam gerne – und mit einer gewissen Wehmut, denn Rudolf Wäger ist ja dieses Jahr mit 78 Jahren gestorben und durfte nicht mehr erleben, dass seine Arbeit Wien in so schönem Rahmen ausgestellt und gefeiert wird.

Der Abend begann mit einer Vorab-Schau der Ausstellung für die Beteiligten – die Podiumsteilnehmer und die in der Ausstellung vertretenen Architektinnen und Architekten. Alle waren gekommen, darunter die Artecs, Helena Weber, Matthias Hein, Bernardo Bader, auch der charmante Karl Sillaber (der später, beim Essen im Corbacci, behauptete, er lese immer diese Kolumne. Ja, schaun wir mal: Grüße aus Wien!) Dann gab es nebenan in der Bibliothek, in der ein paar Stühle aufstellt waren, ein Glas Wein, und dann sagte die Direktorin des AZW, dass das Podium jetzt beginne, und ich dachte, ja fein, dann setzen wir uns doch einfach, aber dann gingen wir hinüber in den Veranstaltungsraum, und dort warteten, ich übertreibe nicht, schon an die 300 Leute auf den Beginn des Abends.

Es war erstens sehr schön zu sehen, wie viel Interesse die Vorarlberger Holzbauten auch in Wien auslösen und wie lebhaft über die Architektur in Vorarlberg debattiert wurde; auch über ihre derzeitige Beton-Blöckle-Krise und die Angst der Vorarlberger vor echtem Städtebau. Zweitens muss man einfach sagen: Wo sich Vorarlbergerinnen und Vorarlbergerin in Wien treffen, da ist es lustig, laut und unkompliziert. Alle sind sofort per du: Man kennt sich entweder eh von früher, oder man lernt sich walli kennen und tauscht sich aus, was man so macht, woher man kommt und wem man gehört. Und diesfalls wurde auch viel darüber gesprochen, ob und wie man Rudi Wäger gekannt hatte, und ich hörte ein paar tolle Geschichten über ihn. Ich kannte ihn selbst ja kaum, aber ich kann mich an ihn erinnern als einen feschen jungen Mann mit beindruckendem schwarzem Bart, der auf dem Dach unseres halbfertigen Hauses den Hammer schwang. Sehr traurig, dass er nicht mehr dabei sein konnte.

„Es war sehr schön zu sehen, wie viel Interesse die Vorarlberger Holzbauten auch in Wien auslösen.“

Doris Knecht

doris.knecht@vn.at

Doris Knecht ist Kolumnistin und Schriftstellerin. Sie lebt mit ihrer Familie in Wien und im Waldviertel.