Nähe lässt Grippeviren aufleben

Vorarlberg / 16.12.2019 • 19:25 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Vorsorgemediziner Günter Diem hält nichts von Panikmache wegen der Grippe.
Vorsorgemediziner Günter Diem hält nichts von Panikmache wegen der Grippe.

Schule in Innsbruck wegen Influenza geschlossen. Arzt warnt vor Panik.

Lustenau, Innsbruck Die Meldung nahm sich spektakulär aus: Weil 150 von 250 Kindern einer Volksschule in Innsbruck an Grippe erkrankt sind, wurde die Schule gestern Montag geschlossen. Die Landessanitätsdirektion habe aus medizinischen Gründen schulfrei für fünf Tage empfohlen. Vergangene Woche hatte die Volksschule Igls aus dem gleichen Grund gesperrt werden müssen. Dort soll der Unterricht morgen Mittwoch wieder beginnen. „In einer Klasse ist eine Übertragung der Influenza natürlich leichter möglich, weil es zu einer größeren Nähe kommt“, sagt der Allgemein-und Vorsorgemediziner Günter Diem. Das sei aber kein Grund zur Panik. In Schulklassen gebe es ja auch immer wieder Mehrfacherkrankungen aufgrund eines Magen-Darm-Virus. Dem zu entkommen erweist sich meist als unmöglich, der Grippe kann hingegen mit einer Impfung vorgebeugt werden. Bei Kindern ist das laut Diem bereits ab einem Alter von zwei Jahren möglich.

Mildere Symptome

Nähe ist bei Infektionskrankheiten, die durch Tröpfchen übertragen werden, die Hauptursache für eine Verbreitung. Das gilt ebenso für die Grippe. „Sie kann jeden treffen, auch ein Kind“, erklärt Günter Diem. Bei Kindern würden die Symptome jedoch meist milder verlaufen. Außerdem heile eine Influenza bei Kindern und Erwachsenen, die keiner Risikogruppe angehören, ohne Komplikationen aus.

Der Arzt empfiehlt Bettruhe, Tee und leichte fiebersenkende Mittel. „Wichtig ist, dass Erkrankte wegen der Ansteckungsgefahr nicht zu früh wieder unter Menschen gehen,“ rät Diem dazu, eine Influenza auf jeden Fall gründlich auszukurieren.

Impfschutz macht Sinn

In Vorarlberg ist die Grippe noch kein großes Thema, wie die Vorarlberger Gebietskrankenkasse (VGKK) auf VN-Anfrage mitteilt. Im anderen Fall werden die niedergelassenen Ärzte von Ärztekammer und VGKK informiert. Das geschieht, sobald die ersten nachgewiesenen Infektionen aufgetreten sind. Der Grund: Grippe-Medikamente sind dann von der Bewilligungspflicht ausgenommen. Die Wirkung der antiviralen Mittel wird von Günter Diem jedoch als nicht berauschend beschrieben. So verkürze sich der Krankheitsverlauf nur minimal.

Ein weiteres Problem besteht darin, dass solche Arzneimittel früh eingesetzt werden müssten. „Meist sehen wir die Patienten aber erst, wenn die Influenza schon voll ausgebrochen ist“, verdeutlicht Diem das Dilemma. Immer Sinn mache hingegen ein Impfschutz. Der Vorsorgemediziner hält zwar nichts von einer Impfpflicht. Sehr wohl aber sollte seiner Meinung nach dringend mit den falschen Vorstellungen vom Impfen aufgeräumt werden. „Nichts ist erfolgreicher und mit den wenigsten Nebenwirkungen verbunden als eine Schutzimpfung“, betont er. VN-MM

Noch gibt es in Vorarlberg keine Spur von einer Grippewelle, aber das kann sich bekanntermaßen schnell ändern.vn/Hartinger
Noch gibt es in Vorarlberg keine Spur von einer Grippewelle, aber das kann sich bekanntermaßen schnell ändern.vn/Hartinger