Ein Mann der ersten Stunde

Vorarlberg / 17.12.2019 • 17:23 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Horst Zimmermann war zehn Jahre bei Liebherr Nenzing.  VN/Paulitsch
Horst Zimmermann war zehn Jahre bei Liebherr Nenzing. VN/Paulitsch

Der verstorbene Dipl.-Ing. Horst Zimmermann brachte Liebherr nach Nenzing.

BLUDENZ Am 6. Dezember 2019 starb Dipl.-Ing. Horst Zimmermann im 86. Lebensjahr. Er war im Liebherr-Werk in Nenzing als Geschäftsführer ein Mann der ersten Stunde und hat das Werk, das heute der größte Arbeitgeber im Walgau ist, von null auf aufgebaut.

Er überzeugte Dr. h.c. Hans Liebherr, wegen des sich gut entwickelnden Produktionsaufkommens von Schiff- und Hafenkranen, das auf seine Tätigkeit in Ehingen zurückging, einen Fabriksneubau in Vorarlberg anzudenken. Denn als Alternativen waren verschiedene Standorte in Küstengebieten im Gespräch. Horst Zimmermann führte dazu 2015 mir gegenüber aus: „Ich war von Deutschland aus sehr viel in Vorarlberg zum Skifahren und Wandern und mich hat immer die Zuverlässigkeit der Menschen im Ländle stark beeindruckt. Das hat letztlich den Ausschlag dafür gegeben, dass wir das neue Liebherr-Werk in Nenzing gebaut haben“.

Der Bürgermeister von Nenzing, Florian Kasseroler, sagt aktuell zur Bedeutung des Liebherr-Standortes Nenzing: „Als 1976 das Familienunternehmen Liebherr ein Werk für Schiffs- und Hafenkrane in Nenzing errichtete, war wohl kaum vorhersehbar, welche Erfolgsgeschichte daraus erwachsen würde. Als einer der größten Arbeitgeber des Landes beschäftigt Liebherr heute in Nenzing 1600 Mitarbeiter, davon 130 Lehrlinge. Zum großen Erfolg von Liebherr Nenzing haben neben der umsichtigen Führung und der hohen Innovationskraft des Unternehmens auch die engagierten Mitarbeiter aus beinahe allen Teilen des Landes einen großen Beitrag geleistet. Aus Sicht der Gemeinde sind neben der beträchtlichen Steuerleistung insbesondere auch die sehr gute Zusammenarbeit sowie die Kommunikation auf Augenhöhe mit der Unternehmensführung hervorzuheben. Dies ermöglichte in der Vergangenheit immer wieder gute Lösungen im Sinne des Unternehmens und des Arbeitsmarktes der gesamten Region.“ Horst Zimmermann wurde am 15. Oktober 1934 in Mühlbach in Siebenbürgen in Rumänien geboren. Er absolvierte das deutschsprachige Honterus-Gymnasium und die Technische Hochschule in Kronstadt (heute Brasov). Im Jahre 1959 wurde er aus politischen Gründen denunziert, verhaftet und zu acht Jahren Arbeitslager verurteilt, nach fünfeinhalb Jahren aber begnadigt. Unter abenteuerlichen Umständen gelang ihm 1969 mit Hilfe eines Freundes die Flucht über das damalige kommunistische Jugoslawien nach Deutschland, wo er in die Firma Liebherr eintrat. Die Gunst der Stunde war die erste Mondlandung. Glücklicherweise waren die Grenzsoldaten von ihrem Bewachungsauftrag abgelenkt, um der Übertragung des historischen Ereignisses zu folgen. So gelangte Horst Zimmermann unbehelligt über die Grenze in den freien Westen.

Insgesamt war Horst Zimmermann 17 Jahre bei Liebherr tätig. Sieben Jahre in Ehingen und zehn Jahre in Nenzing. Später erinnerte er sich: „Liebherr Nenzing war die Nummer eins bei den Offshore-Kranen und auch bei den Schiffskranen hatten wir die Nase ganz vorne. Zu meiner Zeit kam auch der erste Vertrag von Liebherr mit chinesischen Partnern zustande.“ Ende 1986 verließ Zimmermann Liebherr und wurde Anfang 1987 zusammen mit einigen Liebherr-Mitarbeitern, die mit ihm gegangen waren, Mitbegründer der Firma ECCON. Diese hat sich auf mobile Überdachungen von Arenen und Stadien spezialisiert. So schrieb das Unternehmen beispielsweise in der kanadischen Olympiastadt Vancouver Erfolgsgeschichte. Die Firma zeichnete sich u. a. aber auch bei der Überdachung der Commerzbank-Arena in Frankfurt aus. Das 9000 Quadratmeter große Cabrio-Dach bildete nämlich das größte Stahlseil-Membran-Innendach der Welt. Auch in der Festung Kufstein wurde die Überdachung für den Burghof als Zuschauerraum realisiert.

Die Firma ECCON wurde 2015 von der LCS Cable Cranes GmbH in Sulz übernommen. Horst Zimmermann war ein Visionär und eine zutiefst menschliche Persönlichkeit. Er hat nach eigenen Worten bis zum 81. Geburtstag gearbeitet. EE

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