Härtere Maßnahmen gegen Rinder-TBC

Vorarlberg / 17.12.2019 • 20:31 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Es sei zu viel Rotwild vorhanden, meint die Landwirtschaft. Jägerschaft
Es sei zu viel Rotwild vorhanden, meint die Landwirtschaft. Jägerschaft

In der kommenden Jagdsaison sind Regulationsgatter für Wildabschuss möglich.

Bregenz Der Runde Tisch mit allen Betroffenen der TBC-Krise  hat zu einem Kompromisspapier geführt. Dieses sieht härtere Maßnahmen im Kampf gegen den Erreger vor. Vor allem der Beschluss zur Möglichkeit einer Anordnung für Regulierungsgatter ist eine neue Dimension im Kampf gegen die leidige Tierkrankheit. Es wird bald möglich sein, dass Rotwild in einem Gatter konzentriert und dort abgeschossen wird. „Wir haben gar keine Freude damit, akzeptieren es jedoch als temporäre Maßnahme angesichts der gegenwärtigen Situation“, kommentierte Landesjägermeister Christof Germann den für die Weidmänner wohl schmerzlichsten Punkt im Maßnahmenkatalog. 

Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger hingegen begrüßt diese neue Möglichkeit. Einziges Problem für ihn: „Ich hätte mir die Umsetzung dieser Maßnahme kurzfristig gewünscht und nicht erst mittelfristig im nächsten Jahr.“

81 Tiere getötet

Landesveterinär Norbert Greber umriss die Dimension der gegenwärtigen TBC-Situation. Seine Hiobsbotschaft dabei: „Im Bludenzer Indexbetrieb mussten alle dort befindlichen 81 Tiere getötet werden.“ Es gebe darüber hinaus sechs Kontaktbetriebe dieses Unglückshofs, vier in Vorarlberg, zwei in Tirol. In den vier Vorarlberger Landwirtschaften gab es in einem Betrieb noch einen weiteren bestätigten TBC-Fall, von zwei weiteren Bauernhöfen sind die Proben noch nicht da. Kaum Zweifel gibt es für den Landesveterinär darüber, dass die Ansteckung mit dem TBC-Erreger vom Wild auf das Vieh erfolgt. „Beide Tierarten sind Wiederkäuer und befinden sich auf derselben Fläche. Ich sehe wenig andere Möglichkeiten, wie die Ansteckung erfolgen könnte.“

Zum Regulierungsgatter meint Greber: „Wir wissen, dass es in Tirol seine Wirkung nicht verfehlte.“ Auch von Germann wird die zum Teil mangelnde Abschussmoral der Jäger in bestimmten Regionen nicht bestritten. „Wenn im Silbertal knapp 14 Prozent des erlegten Wildes infiziert sind, dann ist das natürlich zu viel“, räumt Germann ein. Moosbrugger fürchtet, dass künftig weniger Vieh auf die Alpen geschickt wird, wenn die Ansteckungsgefahr so hoch bleibt. „Es muss eine deutliche Reduktion des Rotwildbestandes in Gebieten mit hoher Prävalenz geben. Ich erwarte, dass die Bezirkshauptmannschaften für die Durchführung der notwendigen Abschüsse sorgen.“

Plädoyer für Solidarität

Landwirtschaftslandesrat Christian Gantner appelierte an die Solidarität aller Beteiligten im Kampf gegen die Rinder-TBC. „Wir brauchen ein gemeinsames Vorgehen.“ Einmal mehr drückt der Landesrat sein Mitgefühl für alle betroffenen Bauernfamilien aus, die von der Rinder TBC betroffen sind. Finanziell könne man helfen, die emotionale Belastung bleibe jedoch enorm. Bis zum Schluss hatten die Beteiligten um ein gemeinsames Schlusspapier gerungen. VN-HK

Maßnahmenpaket TBC

» Erhaltung gesunder Viehbestände und Wildtiere

» Vollständige Erfüllung der Mindestabschussvorgaben (inklusive Einhaltung der Geschlechterverteilung)

» Schaffung der Möglichkeit der Anordnung von Regulierungsgattern

» Klärung des Umgangs mit Lebensmitteln aus gesperrten Betrieben

» Konsequente Umsetzung des erarbeiteten Aktionsplans TBC 2020 +

» Wissenschaftliche Begleitung der Umsetzung