Saharastaub statt Schneeflocken

Vorarlberg / 17.12.2019 • 20:40 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Heiß, heißer, Weihnachtszeit: Der Südföhn heizte Vorarlberg am Dienstag ordentlich ein. Auch bei Sarah aus Wolfurt zeigte das Thermometer knapp 20 Grad an. VN/PAulitsch
Heiß, heißer, Weihnachtszeit: Der Südföhn heizte Vorarlberg am Dienstag ordentlich ein. Auch bei Sarah aus Wolfurt zeigte das Thermometer knapp 20 Grad an. VN/PAulitsch

Ähnlich warm wie am Dienstag war es zuletzt vor 30 Jahren.

Schwarzach Stell dir vor, in einer Woche ist Weihnachten und es hat über 20 Grad . . . In der Nacht auf Dienstag wurden in Feldkirch zunächst 13,9 Grad gemessen. So warm war es laut der Österreichischen Unwetterzentrale (UWZ) in einer Dezembernacht noch nie! Nachdem das Thermometer in der Montfortstadt bereits um 3 Uhr in der Früh an die 20 Grad angezeigt hatte, heizte sich die Luft im Laufe des Tages auf bis zu 21,3 Grad auf. Auf den Allzeit-Dezember-Rekord fehlte damit nicht einmal ein Grad, rechnet der Wetterdienst Ubimet vor.

Vor 30 Jahren

Ähnlich hitzig ging es zuletzt vor 30 Jahren zu. Den Rekord für die wärmste Dezembernacht hielt bislang Leibnitz mit 13,4 Grad im Jahr 1989, schreibt die UWZ. Aus demselben Jahr stammt auch der noch gültige Dezemberhöchstwert. Wie aus der Statistik von Ubimet hervorgeht, hatte es am 16. Dezember 1989 auf der Latz in Nenzing 22,2 Grad.

In den gestrigen Top-10 mischten auch noch vier weitere Vorarlberger Wetterstationen mit. Auf dem zweiten und dritten Platz landeten laut Ubimet der Rohrspitz (20,4 Grad) und Bludenz (19,9 Grad). Dornbirn schaffte es mit 19,5 Grad auf Platz fünf. Platz neun ging an Bregenz mit 18,5 Grad. Manfred Spatzierer, Chefmeteorologe der Unwetterzentrale erläutert den Grund: „Derzeit liegt der Alpenraum an der Vorderseite einer langgestreckten Tiefdruckrinne, die von Marokko über Westeuropa bis nach Skandinavien reicht, in einer stürmischen Südströmung. Dabei wird sehr milde Luft aus Nordafrika direkt zu den Alpen geführt.“

Mancherorts hat der Föhnsturm bereits seine Spuren hinterlassen. „Aufgrund der Warmwettersituation und Schneemangel bleiben die Lifte bis auf Weiteres geschlossen“, teilt das Skigebiet Bödele nur wenige Tage nach dem Saisonstart mit. Besser sind die Aussichten in Warth. „Bei uns hat der Föhn keinen Schaden am Schnee angerichtet. Wir haben beste Bedingungen“, heißt es aus dem dortigen Skilifte-Büro.

Schneeschaufel und Eiskratzer können allem Anschein nach auch in den kommenden Tagen dort bleiben, wo sie sind. „Es bleibt föhnig“, sagt Günter Scheibenreif von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Bregenz. Ab Donnerstag ist außerdem mit Saharastaub zu rechnen. Am Freitag geht dann nochmals so richtig rund: „Auf den Bergen tobt ein Föhnorkan mit Windspitzen um die 150 km/h und auch in den Tälern entlang der Alpennordseite wird es verbreitet stürmisch. Gerade im Rheintal sind wieder Höchstwerte um die 20 Grad zu erwarten“, prognostiziert Spatzierer. Für die Tage danach wollen sich die Wetterexperten noch nicht festlegen. Der Trend gehe aber eher in Richtung mild, meint Scheibenreif. Gegen weiße Weihnachten spricht auch die Statistik. Demnach ist Weihnachtstauwetter in den tiefen Lagen Österreichs häufiger als Weihnachten mit Schnee. VN-ger

„Sehr milde Luft aus Nordafrika wird direkt zu den Alpen geführt.“

Am 16. Dezember 2018 stürzte sich Lilia aus Dornbirn auf dem Bödele ins Rodelvergnügen. In dieser Woche sind die Lifte dort wegen Schneemangels geschlossen. VN/Steurer
Am 16. Dezember 2018 stürzte sich Lilia aus Dornbirn auf dem Bödele ins Rodelvergnügen. In dieser Woche sind die Lifte dort wegen Schneemangels geschlossen. VN/Steurer