TBC: Auch Gefahr für Rotwild?

Vorarlberg / 17.12.2019 • 07:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
dpa

Neuer Verdachtsfall in Dalaas. Im Land wird Problem heute erörtert.

Bregenz Die TBC-Verdachtsfälle in Vorarlberg häufen sich. Die jüngste Entdeckung betrifft Dalaas. Dort zeigte ein Tier in einem Stall eine positive Reaktion auf den Hauttest. Es wurde bereits diagnostisch getötet, auf das Ergebnis der Untersuchung bei der Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) in Mödling wird gewartet. Landwirtschaftslandesrat Christian Gantner (39, ÖVP) bestätigte den Fall.

Die Anzahl der Verdachtsfälle und TBC-Ausbrüche hat in einem Ausmaß zugenommen, dass Gantner nun zu einem runden Tisch ins Landhaus ruft. „Es treffen sich die Spitzenvertreter von Landwirtschaft, Jagd, Behörden, Veterinärabteilung und ich. Wir müssen die Situation erörtern und gemeinsam nach Strategien suchen“, teilte der Landesrat den VN am Montag mit. 

Problem Mellental?

Eine exakte Analyse der Situation verlangt auch der Vorarlberger Jägermeister Christof Germann (56). „Es müssen Fakten her und Emotionen weg. Wir müssen versuchen herauszufinden, wo sich Tiere infizieren. Erst dann können die richtigen Maßnahmen ergriffen werden.“ Immer wieder sind die Jäger mit Vorwürfen vonseiten der Landwirtschaft und der Waldschützer konfrontiert, wonach sie ihre Abschussverpflichtungen nicht in ausreichendem Maße erfüllen würden. Dass es in Vorarlberg insgesamt zu viel Rotwild gibt, glaubt auch Volksanwalt Florian Bachmayr-Heyda (55). Er fühlt seit einiger Zeit vor allem den Mellauer Weidmännern auf den Zahn. „Es gibt im Wildgatter Mellental einfach zu viele Tiere. 100 dürften sich dort an dieser Futterstelle befinden, fast doppelt so viele sind es.“

Schon vor Monaten hat Bachmayr-Heyda ein Strafverfahren gegen die Verantwortlichen angestrengt. „Ich werde die Situation dort nicht aus den Augen verlieren“, stellt der Volksanwalt den Verantwortlichen die Rute ins Fenster.

Er wisse zwar nichts von TBC-Fällen bei Vieh in besagter Region, und ihm gehe es bei seiner Forderung vor allem um einen intakten Wald. „Aber es ist doch klar: Je mehr Wild auf einem engen Raum zusammenkommt, desto größer ist auch die Gefahr, dass es irgendwann zu TBC-Infektionen kommt.“ Laut Bachmayr-Heyda hat sich an der Problematik im Mellental wenig geändert. Er werde nicht lockerlassen.

Arbeitsgruppe

Der Wildbestand hat sich laut dem Volksanwalt in den letzten 30 Jahren in Vorarlberg verdoppelt. Dies habe zur Verschlechterung des Waldbestandes im Land geführt. Bachmayr-Heyda macht für die aus seiner Sicht negative Entwicklung nicht Behörden und Regierung verantwortlich. „Es sind vielmehr Waldbesitzer und Pächter, die ihren Verpflichtungen nicht nachkommen.“

Abschüsse verkaufen

Eine gute Strategie zur Vermeidung dieser Probleme hätten die Bundesforste gewählt. „Die verkaufen jetzt Abschüsse, und die Pächter müssen sich an die Vorgaben halten. Aber natürlich geht das bei privaten Waldbesitzern nicht so. Da liegen bei der Verpachtung auch wirtschaftliche Motive zugrunde.“

In Mellau hat man eine Arbeitsgruppe zum Thema Mellengatter gegründet.