Fußach verliert Anker

Vorarlberg / 19.12.2019 • 19:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Gastwirt Wolfgang Grabher zapft heute das letzte Ankerbier. GG
Gastwirt Wolfgang Grabher zapft heute das letzte Ankerbier. GG

Traditionsgasthaus hat heute, Freitag, den letzten Tag geöffnet.

Fußach „Für uns Stammgäste ist das eine Katastrophe“, sagt einer der Gäste, für die fast jeder Tag ein „Ankertag“ war. Fußach verliert mit der Schließung des alten Gasthauses an der Durchzugsstraße nach Höchst sein geselliges Dorfzentrum, das nicht so leicht zu ersetzen ist. Es gibt zwar noch den Hirschen, doch mit anderer Gästeschaft und ohne Saal. Auch das Schiffle steht noch, wird aber schon Jahre nicht mehr bewirtschaftet.

Mit einem Zettel an der Tür des Ankers informiert der Besitzer des Gebäudes, der Inhaber des Höchster Gartenbaubetriebes Reinhard Gassner, die Gäste über die leidige Situation. Er hatte 2016 den „Anker“ vom Wirt Wolfgang Grabher gekauft, der das Gasthaus seither als Pächter weiterbetrieb. Er wird aber im kommenden Februar 65 Jahre alt und will in die Pension. Seine beiden Kinder zeigten kein Interesse an einer Nachfolge. Ganz gibt er doch nicht auf und führt bis auf weiteres das Seerestaurant Salzmann am Rohrspitz. Die Zimmer im Anker vermietet Eigentümer Gassner an eigene Mitarbeiter, je nach Saison 25 bis 30, und die anderer Firmen.

„Tut uns selbst weh“

Reinhard Gassner ist die Situation für die Fußacher klar. „Es tut mir und meiner Familie selbst weh, dass das Gasthaus nicht mehr weitergeführt werden kann“, sagt er bedauernd. Leider habe man nach dem Ausscheiden von Wirt Wolfgang Grabher keinen geeigneten Nachfolger als Pächter finden können. Nach Gesprächen mit den zuständigen Behörden habe sich abgezeichnet, dass eine Generalsanierung der Küche, des Schankbereiches und der Gasträume notwendig wäre.

Die dafür anfallenden Sanierungskosten erwiesen sich aber im Verhältnis zum Zustand des Gebäudes als unverhältnismäßig hoch, stellte sich heraus. „So haben wir uns schweren Herzens entschlossen, dass das Gasthaus bis auf weiteres nicht mehr weitergeführt wird“, bestätigt Gassner. Unkenrufe von einem Abbruch, um auf den 2000 Quadratmetern Grund einen Wohnblock zu erstellen, weist Gassner aber von sich. „Gegenwärtig wissen wir selbst noch nicht, was künftig aus dem ,Anker‘ werden soll.“

Seit über 100 Jahren

Die Geschichte des Ankers reicht weit über 100 Jahre zurück. 1906 hatte eine Witwe Sofia Grabher den bestehenden Anker einem Franz Josef Nagel abgekauft, schon 1907 eröffnete sie den Schankbetrieb. In der Folge ging das Gasthaus an ihren Sohn August, der es wieder an seinen Sohn gleichen Namens vererbte, „Gust“ war dann viele Jahre auch Bürgermeister von Fußach. Er übergab die beliebte Dorfwirtschaft, die in mehreren Schritten erweitert wurde und eine Heimstätte für die Ortsvereine bildete, 1990 an seinen Sohn Wolfgang, der 30 Jahre Ankerwirt geblieben war. GG