Was Bäume für Städte wie Dornbirn bedeuten

Vorarlberg / 19.12.2019 • 11:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Conrad Amber in seinem Garten im Hatlerdorf. <span class="copyright">Edith Rhomberg</span>
Conrad Amber in seinem Garten im Hatlerdorf. Edith Rhomberg

Buchautor Conrad Amber im VN-Interview.

dornbirn Die Natur ist seine Herzenssache. Das Zusammenspiel von Mensch und Natur steht im Zentrum. „Mein Thema bekam viel Rückenwind durch die Klimadebatte“, sagt Conrad Amber, 64, Buchautor und gefragter Vortragender und Berater im deutschsprachigen Raum. „Ich stelle mir die Frage, wie meine Kinder in Dornbirn leben werden. Der Slogan ‚Chancenland Vorarlberg‘ wird nur dann Erfolg bringen, wenn Betriebe und ihre Mitarbeiter nicht nur Geld verdienen, sondern ihr Zuhause in einem gesunden Umfeld haben.“ Die VN-Heimat stellte Conrad Amber in seinem Gartenbüro im Hatlerdorf, mit Blick in den naturnahen Garten mit zahlreichen Vögeln, ein paar Fragen.

Dornbirn braucht Wohnraum: Muss das auf Kosten der Natur, der Bäume gehen?

Der Siedlungsdruck in der an Einwohnern wachsenden Stadt ist groß. Mit der erforderlichen Verdichtung für mehr Wohnraum entsteht erst recht der Wunsch nach Grün. Als Ausgleich müssen Dachgärten zwingend sein, und wichtig sind Bäume entlang von Straßen. Bestehende Bäume müssen bei Neubauten einbezogen werden. Ein positives Beispiel ist der Holzneubau an der Sägerstraße. In der Schweiz durfte ich das Gesamtkonzept für eine Wohnanlage mit naturnaher Aufenthaltsqualität planen. Neu bauen ist allerdings das eine, Leerstände zu nutzen die Alternative.

„Wir brauchen Natur­räume nicht erst da, wo wir hinfahren müssen.“

Conrad Amber

Können Bäume in der Stadt etwas zum Klima beitragen?

Ja, zum Mikroklima auf jeden Fall. Im direkten Umkreis eines großen Baumes ist es drei bis fünf Grad kühler, er filtert CO2 und giftigen Feinstaub und sorgt für luftige Bewegung durch die Produktion von Sauerstoff. Zusammenhängende Bäume als Alleen bringen im Stadtraum allerdings mehr als vereinzelte.

Dornbirn sponsert Hochstammbäume, pflanzt nach eigener Aussage Bäume im Stadtgebiet: Macht das spürbar etwas aus?

Wegen des Feuerbrands sind unnötig viele Obstbäume gefällt worden, daher müssen neue gepflanzt werden. Warum nicht auch straßenbegleitend? Hochstammapfel- und -birnbäume sind ein wichtiges Kulturgut. Sie werden 100 Jahre alt, sind wunderbar allein durch ihre Blüte und wertvoll für die Bienen. Die Ernte und der monetäre Ertrag müssen nicht im Vordergrund stehen. Von Früchten im öffentlichen Raum haben alle etwas. Birnbäume passen gut zu Dornbirns Wappen (lacht).

Wie ist es überhaupt um den innerstädtischen Baumbestand in Dornbirn, Hohenems oder in Lustenau bestellt?

Mir ist aufgefallen, dass die meisten alten Bäume verschwunden sind, teils aus Sicherheitsgründen, andererseits weil sie angeblich im Weg waren. Beim Bau des Kindergartens Marktstraße wurde ein großer Nussbaum gefällt, das ist in meinen Augen ein absoluter Fehler. Jetzt soll ein Sonnensegel den Kindern Schatten spenden. Baum und Stadt scheint bei manchen Architekten ein Widerspruch zu sein. Selbst wenn neue Bäume gepflanzt werden, ist der positive Effekt erst in ein paar Jahrzehnen spürbar. Stadtgarten und Kulturhauspark sind Dornbirns grüne Oasen. In Lustenau stelle ich neuerdings professionelle Bepflanzungen mit ausreichend Substrat fest. In Hohenems ist Bürgermeister Dieter Egger einen Schritt weiter gegangen. Dort bin ich ab Februar 2020 als Grünberater engagiert. Hohenemser Bürger können über die Stadt meine Beratung in Anspruch nehmen. Als neutraler Außenstehender empfehle ich, wie ein naturnaher Garten mit Gehölzen angelegt wird oder was am und auf dem Haus an Grünflächen möglich ist. Wir Menschen brauchen dringend Naturräume für die Erholung in unmittelbarer Nähe und nicht da, wo wir erst hinfahren müssen. erh