Angebliches Vergewaltigungsopfer nun selbst angeklagt

Vorarlberg / 20.12.2019 • 17:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Beschuldigte vor Richterin Kathrin Brückl zeigt sich nur teilgeständig. VN/GS

24-jährige Vorarlbergerin muss sich nicht nur wegen Verleumdung verantworten.

Feldkirch Die junge Frau befindet sich seit Jahren im Substitutionsprogramm. Es ist ein tragisches Schicksal. Drogen, Alkohol, Morphium, Benzos und Ersatzmedikamente haben sie gezeichnet – erschreckend gezeichnet. Nur mühsam vermag sie sich als Beschuldigte am Landesgericht Feldkirch vor dem Wust der ihr vorgeworfenen Anklagen zu verantworten. Es werden ihr falsche Beweisaussage, Verleumdung, gefährliche Drohung, Sachbeschädigung und auch Körperverletzung zur Last gelegt.

Falsche Spendenliste

Doch wenn das nur alles wäre: Anfang dieses Jahres soll die Unterländerin eine falsche Spendenliste im Namen der Landesberufsschule erstellt und gesammelt haben. Damit erhielt sie von Passanten auf der Straße und bei Hausbesuchen etwas Geld. Einmal fünf Euro, ein anderes Mal zehn, insgesamt kamen 49 Euro zusammen, die damaligen Spender werden als Zeugen vor Gericht geladen. Dort erkennen sie die Sammlerin wieder. Doch sie wollen den Beitrag heute nicht mehr zurück. Einer sagt: «Es geht mir nicht um die zehn Euro. Aber wenn sie mir das Geld zurückerstattet, spende ich es dem Verein Neuanfang.»

Der wesentliche Hauptanklagepunkt liegt jedoch in einer Verleumdung. Ein Bekannter, der sie schon seit Jahren «immer wieder angemacht» habe, so die 24-Jährige vor Richterin Kathrin Brückl, hätte sie in seiner Wohnung vergewaltigt. Und nicht nur das: «Er hat mich an den Füßen aufgeschnitten und mir die Hand gebrochen. Es war krank, was der mit mir gemacht hat!» Anschließend hätte sie den heute 37-Jährigen bei der Polizei angezeigt. Während ihrer anschließenden Untersuchung im Krankenhaus suchte sie allerdings plötzlich das Weite. «Es war mir einfach alles zu viel!», begründet sie.

«Freundschaft Plus»

Jetzt sagt auch der betreffende Bekannte und angebliche Täter als Zeuge aus. «Völliger Blödsinn, das alles», kommentiert er die Aussagen der Angeklagten. Vielmehr sei es ganz anders gewesen. Das genaue Gegenteil, um es konkret zu sagen. «Wir trafen uns alle zwei, drei Tage bei mir in der Wohnung und hatten Sex.» Ein weiterer Zeuge und Mitglied der damaligen Clique sagt aus, dass die beiden eine «Freundschaft Plus» (also etwas mehr als nur gemeinsam rumsitzen) pflegten. Im Übrigen habe er die Frau nicht verletzt, beteuert der angebliche Vergewaltiger, sondern: «Wir sind in einen Streit geraten. Sie ist mit erhobenem Messer auf mich losgegangen, hat mit der Klinge den Küchentisch und die Arbeitsplatte in der Wohnung beschädigt und außerdem das Glas der Eingangstüre eingeschlagen!» Während dieser Aussage erwähnt der 37-Jährige noch eine Nachbarin, die damals zur unmittelbaren Zeugin der Geschehnisse in der Wohnung geworden sei. Richterin Brückl möchte dies Nachbarin noch hören und vertagt den Prozess.