VN-Restauranttest: Dem Himmel so nahe

Vorarlberg / 20.12.2019 • 14:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das Hirschragout aus dem Nenziner Himmel mit Serviettenknödel, Blaukraut und Wirsing.

Im Garfrenga in Nenzing überzeugt die Küche auf ganzer Linie.

Nenzing Von Freunden hatte ich erfahren, dass das Restaurant Garfrenga im Alpincamping in Nenzing einen Besuch wert ist. Dass die Gastronomie auch bei Campingplätzen auf hohem Niveau angesiedelt sein kann, konnte ich unter anderem bei Klaus Winter im Strandhaus in Lindau feststellen. Deshalb statteten wir dem Garfrenga, am Tor zum Nenzinger Himmel, einen Besuch ab. Das Alpencamping ist mit seinen schönen Pools und den neu eröffneten Himmelchalets der einzige 5-Sterne-Campingplatz in Vorarlberg und verfügt über zwei Restaurants.

Im Garfrenga wird gutbürgerlich und mit den Produkten regionaler Erzeuger gekocht. Im Himmelwärts liegt der Fokus auf Steak und Fisch. Wir fühlen uns in der urgemütlichen Alpenstube mit Blockhausatmosphäre des Garfrenga sofort wohl. Hirschgeweihe und anderer Nippes wird wohldosiert und ohne kitschig zu wirken eingesetzt. Die Speisekarte bringt keine allzu großen Überraschungen, bietet aber für jeden etwas. Sei es eine Fuhre Mist (Grillteller in einer Schubkarre angerichtet), die Hausspezialität Familienplatte oder, typisch vorarlbergerisch, „Käsknöpfle u da Brenta“. Ein Hirschragout aus dem Nenziner Himmel mit Serviettenknödel, Blaukraut und Wirsing (21,90 Euro) ist die Wahl meiner Begleitung, Hokkaidokürbissuppe mit Kürbiskernkrokant und Kernöl (5,90 Euro), gefolgt von einem Zwiebelrostbraten mit grünen Bohnen und Bratkartoffeln (19,90 Euro) die meinige.

Die besten Knöpfle

Die Küche überzeugt auf der ganzen Linie: Die Kürbissuppe ausgezeichnet im Geschmack und der Konsistenz, ein ausgesprochen zarter Rostbraten und ein Hirschragout, das seinen Namen verdient. Selbst bei den Beilagen, die mancherorts eher stiefmütterlich behandelt werden, gibt es keine Abstriche. Bestens zubereitet und nicht überwürzt. Die Käsknöpfle, die ich meinem Sohn aus dem Teller gestohlen habe, waren übrigens die besten, die ich in letzter Zeit in einem Gasthaus gegessen habe.

Zum Nachtisch wurde ein Schokosoufflé mit flüssigem Kern und schwarzer Johannisbeere (7,80 Euro) und Omas Traum, ein hausgemachter Apfelkuchen mit Vanilleeis und Vanillesauce (5,90 Euro), serviert. Omas Traum war ein Traum, wenngleich Oma beim nächsten Apfelkuchen etwas weniger Rumaroma verwenden könnte. Das Schokosoufflé war mir einen Tick zu süß, wobei die Säure des schwarzen Johannisbeersorbets etwas Ausgleich schaffte. Fazit: sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis, aufmerksamer und freundlicher Service und eine fast himmlische Küche. Ich werde schon wegen der Käsknöpfle wieder dorthin fahren.

VN-Restauranttester

Der gebürtige Feldkircher Michael Kerschbaumer (Jg. 1968) arbeitete 15 Jahre als Koch in der internationalen Hotellerie und im Airline Catering bevor er sich zum Wirtschaftsinformatiker Fachrichtung Qualitätssicherung ausbildete.