Gerold Riedmann

Kommentar

Gerold Riedmann

Atomkraft? Nein danke

Vorarlberg / 21.12.2019 • 07:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Das atomare Erbe der Sechziger-, Siebziger- und Achtzigerjahre des vorigen Jahrhunderts lastet schwer auf uns.

Was für Zeiten waren das, in denen alles möglich schien, ohne Rücksicht auf Verluste. 1972 ging Mühleberg in Betrieb – just in jenem Jahr, als auch Pläne für einen Atommeiler in Rüthi gezeichnet wurden. Direkt über dem Rhein, einige Hundert Meter von Meiningen entfernt. Schon zum zweiten Mal wollten die Schweizer damals in Rüthi ein Kraftwerk bauen.

Rüthi nie!

Dass es heute im Rheintal keinen 150 Meter hohen AKW-Kühlturm gibt, daran haben auch die Vorarlbergerinnen und Vorarlberger einen entscheidenden Anteil. Weil es hin und wieder darauf ankommt, glasklar Stellung zu beziehen. So wie es auch diese Redaktion in Sachen Atomenergie immer getan hat.

„Dass es heute im Rheintal keinen 150 Meter hohen AKW-Kühlturm gibt, daran haben auch die Vorarlbergerinnen und Vorarlberger einen entscheidenden Anteil.

Dass Atomkraftwerke vom Netz gehen, ist zwar für die Schweiz eine Premiere, allerdings ein Zeichen der Zeit. Berühmt-berüchtigte Namen wie die AKWs Gundremmingen in Bayern oder Philippsburg in Baden-Württemberg sind alsbald Geschichte: Alle deutschen Atomkraftwerke werden bis 2022 abgeschaltet. Die Schweizer haben die Abschaltung des Kraftwerks – jedenfalls das Drücken des roten Knopfs – gestern zur Mittagszeit live im Fernsehen verfolgt.

Wir können kurz innehalten und feststellen, dass Vorarlberg, dass Österreich auf der richtigen Seite der Geschichte gestanden ist.

Die größte Batterie der Welt

Nun liegt es an uns, umweltfreundliche Energien mutig weiter auszubauen. Dazu gehören auch Wasserkraftwerke wie Kops II oder Obervermunt II, insbesondere in den Alpen. Die dort eingesetzte Pumpspeicher-Technologie verträgt sich ausgezeichnet mit dem Auf und Ab der Wind- und Sonnenenergie. Eine Technologie, die in China in den kommenden Jahren einen wahren Boom erleben wird – und von der Österreich mit seinem Know-how aus den Vorarlberger Projekten, aber auch aus dem großen Pumpspeichersystem Kaprun deutlich profitieren kann.

Und was tun wir?

Uns Private lässt die Politik in Bund und Land auf halber Strecke hängen: Zwar werden Photovoltaikanlagen gefördert, wer allerdings selbst Stromspeicher verbauen will, muss noch auf eine vernünftige Förderung warten. Im nun zu Ende gehenden Jahr waren die österreichweit zur Verfügung gestellten 6 Millionen Euro innerhalb von exakt 46 Sekunden vergeben. Die neue Landes- und Bundesregierung – vermutlich beide dann ÖVP-Grün – sind aufgerufen, nicht nur das Atom-Aus zu beklatschen, sondern alternativen Energien noch stärker als bislang den Weg zu ebnen.

Gerold Riedmann ist Chefredakteur der Vorarlberger Nachrichten.