Hinter den Kulissen: In den Gemeinden geht‘s um die Wurst

Vorarlberg / 21.12.2019 • 08:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Im Kampf gegen Kälbertransporte gibt es für Johannes Gasser (l.) Kalbsbratwürste von Simon Vetter.

Pinke Planspiele Bei den Gemeindewahlen am 15. März 2020 gehen die Neos von Sabine Scheffknecht (41) in die Offensive. In vielen Gemeinden wird erstmals eine pinke Liste antreten. Derzeit sucht man für Schruns, Höchst, Lustenau, Bregenz, Hörbranz, Bludenz und Dornbirn offensiv nach Kandidaten. Im Bezirk Feldkirch kommen Götzis, Klaus und Mäder zu Feldkirch dazu. Weitere Gemeinden können folgen, allerdings alles unter Vorbehalt. Am 18. Jänner segnen die Mitglieder die Kandidaturen ab. Was fehlt, ist Weiler, wo die Neos mit Mechtild Bawart (63) eigentlich eine prominente Unterstützerin hätten. Bawart war von 2000 bis 2010 als ÖVPlerin Bürgermeisterin und ist bekannt dafür, Konflikte nicht zu scheuen. Wenn die Schwarzen in Weiler jetzt aber aufatmen, dann zu früh. Bawart will „vermutlich“ mit einer Namensliste und als Bürgermeisterin kandidieren. Sie fühle sich am optimalsten bei den Neos beheimatet, teilt sie zwar mit, in Gemeinden mit der Größe von Weiler (2100 Einwohner) seien aber Namenslisten sinnvoller.

Blau-Grünes Duell Der Hohenems Bürgermeister Dieter Egger (FP, 50) verliert im Laufe der Mautdebatte im Landtag am Donnerstag die Geduld. Seine Gemeinde werde überlastet und das Vertrauensverhältnis zur Schweiz strapaziert. Als der Grüne Christoph Metzler (56) erklärt, keine großen Verkehrsverlagerungen zu befürchten und Egger vorwirft, zu wenig zur Agglomeration Rheintal beizutragen, geht es mit Egger durch: „Also du bist echt ein Witzbold.“ Metzler entgegnet: „Muss ich mir das gefallen lassen?“ Landesrat Johannes Rauch (Grüne, 60) spricht von einer Unverschämtheit. Landtagspräsident Harald Sonderegger (VP, 55) mahnt, Maß zu halten, „bei allem Verständnis“. Sinngemäß richtet sich Egger in der Mittagspause mit einem „Nichts für ungut“ an Metzler. Dieser will aber nicht einmal mehr mit dem Bürgermeister reden und lässt ihn kalt abblitzen – bis die Diskussion zwischen den beiden Politikern dann doch eskaliert. „Du redsch so an Blödsinn“, hört man Egger mehrfach sagen. Metzler widerspricht. Am Ende trennen sich ihre Wege, die bösen Blicke bleiben.

Pink-Grüne Wurst Politik geht durch den Magen: Landtagsabgeordneter Johannes Gasser (28, Neos) lässt jedenfalls wohl nichts unversucht, die Zahl der Kälbertransporte zu verringern. Der Bregenzerwälder reiste extra nach Lustenau zu Simon Vetter (35), seines Zeichens Vorarlberger Kandidat der Grünen bei der vergangenen EU-Wahl. Dort kaufte er, wie es sich gehört, eine echte Vorarlberger Kalbsbratwurst. Mahlzeit.

Harder Planspiele In der Harder Gemeindestube hat der Rücktritt von Bürgermeister Harald Köhlmeier (VP, 47) die Politik kräftig durcheinander gewirbelt. Vizebürgermeisterin Eva-Maria Mair (VP, 62) übernimmt vorübergehend das Amt, ihr neuer Vize heißt Franz Bereuter (VP, 57). Zwar wird schon am 15. März ein neues Gemeindeoberhaupt gewählt, die Weichen scheinen aber gestellt zu sein: In der Landespartei geht man davon aus, dass Eva-Maria Mair als Spitzenkandidatin antreten wird. Es brauche nun jemand, der die Gräben zuschüttet und verbindet, sagt man in der ÖVP. Die Opposition wittert allerdings ihre Chance. Die Harder Liste mit Anton Weber (60) hat bereits ihre Kandidatur bekannt gegeben. Die Grünen gehen mit Eva Hammerer (44) ins Rennen, die SPÖ mit Martin Staudinger (40). Bei einer möglichen Stichwahl möchte man den verbliebenen Kandidaten gemeinsam unterstützen, heißt es. Auch die FPÖ tritt an, allerdings nicht mit Matthias Lexer (46), sondern mit Sandra Jäckel (47). Der bisherige Ortsparteichef Lexer ist nach innerparteilichen Querelen nämlich ausgetreten. Er möchte mit einer eigenen Liste antreten.