Feldkircher Stadtmetzgerei zu „verschenken“

Vorarlberg / 22.12.2019 • 17:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Gerhard Spieler und Lebensgefährtin Sabine Lemaire wollen, dass es im Feldkircher Zentrum auch weiterhin eine Metzgerei gibt. Einem potenziellen Nachfolger würden sie die Einrichtung schenken. <span class="copyright">VN/Schweigkofler</span>
Gerhard Spieler und Lebensgefährtin Sabine Lemaire wollen, dass es im Feldkircher Zentrum auch weiterhin eine Metzgerei gibt. Einem potenziellen Nachfolger würden sie die Einrichtung schenken. VN/Schweigkofler

Seit August ist die Stadtmetzgerei Spieler geschlossen. Jetzt bietet Inhaber Gerhard Spieler die Ausstattung Interessenten als Geschenk an.

Gernot Schweigkofler

Feldkirch Seit dem 15. August ist die Stadtmetzgerei Spieler in Feldkirch geschlossen. Inhaber Gerhard Spieler klagte über Personalnot und stellte deshalb den Betrieb ein. Die VN berichteten.

Seither sind die Geschäftsräume mit 190 Quadratmeter Verkaufsfläche in zentraler Lage in der Feldkircher Johannitergasse geschlossen. Hinter den Kulissen arbeitete Spieler aber an einer Möglichkeit, dass weiter eine Metzgerei im Zentrum der Montfortstadt bestehen bleibt. Eine Möglichkeit wäre gewesen, das Geschäft von Donnerstag bis Samstag zu öffnen: darüber habe man mit Bürgermeister Wolfgang Matt gesprochen, dafür hätte es aber einen Mietnachlass gebraucht. Den gibt es aber nicht, das sei aus einer Mitteilung der Stadtwerke Feldkirch, die städtische Tochter ist Inhaber der Liegenschaft, klar hervorgegangen.

In weiterer Folge führte Spieler Gespräche mit einem jungen Metzger, der sich für die Stadtmetzgerei interessiert hätte. Im Raum stand, dass die Stadt bzw. die Stadtwerke die Theke mit Kühlanlage für 50.000 Euro abgelöst hätten, der neue Inhaber hätte die restliche Ausstattung um 90.000 Euro abgelöst: Gerhard Spieler hatte sein Geschäftslokal 2016 komplett saniert und dabei unter anderem die Kühltheke erneuert. In Folge habe man vonseiten der Stadtwerke einen Gutachter geschickt. Der sei zum Schluss gekommen, die Anlage sei nicht energieeffizient. Das werde von der Firma, die die Theke eingebaut habe, bestritten. Der junge Metzger habe sich jedenfalls abschrecken lassen und auch von den Stadtwerken sei eine neue Botschaft gekommen: Spieler müsse jetzt bei Mietvertragsende, das ist Ende Jänner 2020, die Immobilie so hinterlassen, wie er sie übernommen habe – also auf dem Stand eines gepflegten Rohbaus.

„Verschenke Ausstattung“

Das ärgert Spieler. „Ich habe in den 22 Jahren fast 1,3 Millionen Euro an Steuern und Stromkosten an die Stadt bezahlt“, rechnet er vor. Jetzt werde er im Stich gelassen. Aber der Metzger ist überzeugt, dass er es seinen Kunden schuldig ist, dass es auch weiterhin eine Metzgerei in Feldkirch gibt. Deshalb will er jetzt seine Metzgerei verschenken. „Ich biete einem jungen Metzger die komplette Ausstattung kostenlos an“, hofft er, mit diesem Angebot doch noch eine Nachfolge sicherstellen zu können. „Zudem würde ich beim Aufbau mithelfen.“ Spieler glaubt, dass zum aktuellen Stand ein neuer Inhaber innerhalb weniger Tage die Ladentüren öffnen könnte. Den Stadtwerken würde er die Kühltheke ebenfalls schenken. „Dafür könnten die ja einem Neueinsteiger in der Anfangsphase bei der Miete etwas entgegenkommen.“ Alternativ würde er auch der Stadt alles schenken. „Die hätte dann ja etwas mehr Zeit bei der Nachfolgersuche.“

Die Stadtwerke Feldkirch wollen sich nicht äußern. Das Mietverhältnis sei eine interne Angelegenheit, die Verhandlungen seien zudem nicht abgeschlossen, teilt Geschäftsführer Manfred Trefalt mit. Aus demselben Grund werde es auch keine Stellungnahme der Stadt geben.