Liebeskummer führte ins Chaos

Vorarlberg / 22.12.2019 • 22:31 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Vor Gericht bereute der Angeklagte, dass er seinen Eltern und seiner Freundin  solche Probleme bereitete. EC
Vor Gericht bereute der Angeklagte, dass er seinen Eltern und seiner Freundin  solche Probleme bereitete. EC

Widerstand nach Suizidankündigung brachten jungem Mann 480 Euro Strafe ein.

Feldkirch Er ist 19 Jahre alt und ein junger, sympathischer Mann. Er schreibt gerade Bewerbungen, war einen Monat in der dritten Welt, hat gesehen, mit welchen existenziellen Problemen und Nöten die Menschen dort zu kämpfen haben.

Rückblickend tut es ihm leid, dass er seinen Eltern und seiner Freundin solche Probleme machte. Er bereut es, dass er sich bei den einschreitenden fünf Beamten so wild gebärdete, um sich schlug und strampelte. Wegen dieses versuchten Widerstandes muss er nun 480 Euro Strafe bezahlen. Weitere 480 Euro werden auf Bewährung ausgesprochen. Die Strafe kann der noch Arbeitssuchende in Raten abstottern, im Leumundszeugnis scheint die Vorstrafe nicht auf.

Jung, verliebt, verzweifelt

Anlass für das Ausrasten waren Beziehungsprobleme. Seine Freundin wollte ihn verlassen, der Teenager war in Panik.

Obwohl er allein in der Wohnung war, wurde er so laut, dass Nachbarn die Polizei holten. Er hatte 1,3 Promille Alkohol im Blut, erzählte von Liebeskummer und seinen Sorgen. Die Beamten kontaktierten die Freundin, die bestätigte, dass der junge Mann gedroht hatte, sich umzubringen.

„Um Schuldgefühle bei Ihrer Freundin zu wecken?“, will Richterin Sabrina Tagwercher wissen. „Ja“, antwortet der Angeklagte. Dass das keine gute Idee war, ist ihm heute bewusst. Dass er so ausrastete, erklärt er so: „Ich wollte nicht wieder nach Rankweil in die Psychiatrie“. Doch diese Zeiten liegen nun hinter ihm, er ist guter Dinge. Das Mädchen ist wieder mit ihm zusammen, er ist psychisch gefestigt und will neu durchstarten. Er trinkt keinen Alkohol mehr und auch seine Mutter, die mit zum Prozess gekommen ist, steht ihm zur Seite.

Verständnis

Auch Staatsanwalt Markus Fußenegger wünscht ihm alles Gute und zeigt Verständnis für den jungen Mann. „Liebe kann man nicht erzwingen und wenn einer von beiden gehen will, muss man dies akzeptieren, so schmerzlich das manchmal auch sein mag“, meint der öffentliche Ankläger. „Mit Selbstmord zu drohen ist ebenso falsch wie die Lösung im Alkohol zu suchen. Es gibt so viele kranke Menschen, die Chemotherapie und dergleichen über sich ergehen lassen müssen, werfen Sie Ihr Leben nicht so leichtfertig weg und drohen Sie auch nicht damit“, appelliert Fußenegger. Doch das weiß der Angeklagte mittlerweile, er ist froh, dass nun auch der Prozess vorbei ist, besteht darauf, seine Strafe selbst zu bezahlen und sie nicht auf seine Mutter abzuwälzen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. EC